Heute ist ein schöner Tag…

angepinnt

Heute ist ein schöner Tag, weil…

Seht selbst, gibt’s in jeder Buchhandlung auf Nachfrage oder hier:

Das Buch bei Amazon 

Oder hier: 

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Es gibt mich im Buchhandel. Oder einen Teil von mir. Einen sehr intimen, würde ich behaupten.

Als EBook, Hörbuch UND gedruckt.

Das Gefühl ist… ich weiß nicht. Seltsam. Ich selbst habe das Buch noch nicht einmal in den Händen gehalten, gerochen, befühlt, obwohl es ja meinen schreibenden Händen entsprang..

Zum Hörbuch
Noch ein kleines E-Book von mir
Ich werde berichten.. oder ihr mir?;)

Ein weißes Blatt Papier

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Ich wäre gern so wie ein weißes Blatt Papier

Rein und unbeschrieben

Leer und ahnungslos

Und so voller Möglichkeiten.

 

Ich wäre gern so wie dieses weiße Blatt Papier

Auf dem jede Geschichte noch wahr werden kann,

kein Fehler, kein Fleck, keine Verletzung, kein falsches Wort.

 

Ich war einmal so, wie dieses weiße Blatt Papier,

das sich jetzt, Stück für Stück mit Worten füllt und selbst,

wenn ich sie radieren könnte, bliebe doch der Abdruck all der alten Geschichten.

 

Vielleicht ist kein Platz mehr, vielleicht ist schon zu viel geschrieben worden auf mir,

einem immer wieder recycelten Blatt Papier, doch was soll ich tun?

Solange ich atme, schreibe ich Geschichte, ob sie nun schön ist oder grausam.

 

Ich wäre gern für Dich dieses weiße Blatt Papier,

auf dem Du schreiben kannst, eine neue Geschichte.

Und ich schaute staunend dabei zu,

stumm,

um nichts mehr zu verwischen.

Monstertage Teil 3

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Die nächsten Wochen waren komplett Monsterfrei. Ich konnte wieder ganz normal das Haus verlassen. Kein Monster. Ich ging zur Arbeit. Kein Monster. Ich fing sogar wieder an, regelmäßig zu laufen. Nirgendwo ein Monster in Sicht. Und das verwunderliche an allem war, es machte mir Freude.

Ich hatte auf einmal wieder Lust, Menschen zu mir einzuladen und mich mit ihnen stundenlang bei einem Getränk auf dem Balkon oder einem Spaziergang im Freien zu unterhalten. Das Aufstehen fiel mir so leicht, dass ich kaum schlafen wollte, so sehr freute ich mich auf jeden neuen Tag. Bei der Arbeit lachte ich auf einmal wieder häufig und ich war dankbar für meine Kollegen. Nach der Arbeit war ich nie zu müde, um nicht noch mit dem Hund zum See zu fahren. Ich schwamm unendliche Bahnen und das Gefühl des kalten Wassers auf meiner Haut machte mich glücklich.

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Zu dieser Zeit begann ich, Dich häufiger anzurufen, und obwohl es Dir oft nicht gut ging, hatte ich das Gefühl, Dir etwas von meiner wiedergewonnen Lebensfreude mitgeben zu können.

Bald darauf besuchten wir uns häufiger. Mehr warst Du bei mir, denn so war die Chance größer, dass Dein Monster Zuhause blieb.

Und wir lachten zusammen. Schaukelten in Hängematten. Lagen uns in den Armen und küssten uns so eng umschlungen, dass da kein noch so kleines Monster zwischen uns Platz gehabt hätte.

Für mich war diese Zeit wie ein andauerndes Wunder.

Und kurz darauf, geschah tatsächlich eines, was ich mir zwar erträumt jedoch nicht getraut zu erhoffen hatte.

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Als ich Dir von unserem Wunder mitteilte, reagiertest Du verstört, denn Dein Monster redete Dir allen möglichen Unsinn ein, dass wir das nicht schaffen könnten und dass das, was in Wahrheit etwas echtes, gutes und zweifelsfrei wundervolles war, bedrohlich sei und nicht machbar wäre. Dabei brauchte es nur Liebe. Und Glaube. Und Hoffnung an das Gute. Alles Dinge, die Dir Dein Monster genommen hatte. Und die ich nun doppelt haben musste. Und so weinte ich viel, obwohl ich so unendlich dankbar war. Und als mein Monster auf einmal wieder in der Tür stand, verjagte ich es schreiend und hielt an diesem unglaublich starken Gefühl in mir fest, dass alles gut würde.

Doch je mehr wir redeten, desto mehr wankte ich, denn ich hatte auf einmal nicht mehr genug Kraft, gleichzeitig Dich und unser Wunder zu halten. Und es war so mühsam, immer wieder zu versuchen, Dir diese Freude in mir zu schenken, denn mein Lächeln, meine Worte, meine Liebe, sie prallten an Dir ab. Dein Monster baute eine große Mauer zwischen uns auf und während ich noch mit aller Kraft gegen diese ankämpfte, merkte ich nicht, dass eigentlich unser Wunder gerade all meine Kraft benötigte.

Und so lies ich es los.

Und es ging.

Still und doch kraftvoll verabschiedete es sich von mir. Ich nahm es hin. Nahm Abschied. Ich versuchte, Dich miteinzubeziehen. Du warst da.

Doch wie auch immer, auf einmal war ich der einsamste Mensch der Welt, neben Dir. In Deinen kalten Armen. Mit dieser riesigen, schwarzen Leere in mir, wo einst das Herz unseres Wunders schlug. Und um nicht ganz allein zu sein, ging ich zur Tür und öffnete meinem Monster, welches so groß und stark wie niemals zuvor auf mich gewartet hatte.

Das Monster umschlang mich mit seinen riesigen Pranken und ich versank einfach in ihm. Ich wurde wehrlos. Willenlos. Haltlos.

Ein Spielball des Monsters. Und es war mir alles egal.

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Dann machte ich einen großen Fehler, denn ich war nicht mehr ich. Ich war das Monster. Und ich hatte keine Freude verdient, denn ich hatte unser Wunder einfach nicht festhalten können. Und um mich zu bestrafen, lies ich Dich los. Und genauso kampflos wie ich, liest Du Dich fallen.

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Nun, ist dies das Ende? Eine trostlose Einöde, in der die Monster letztendlich siegen und wir irgendwann zu existieren aufhören, da wir eins mit Ihnen werden? Oder gibt es ein Happy End, einen Morgen, an dem wir aufwachen und unsere Monster sind einfach verschwunden. Endgültig. Und unser Leben ist rosig und bunt?

Ich glaube an keine dieser beiden Optionen. Doch in schlaflosem Nächten wie diesen, die voller scheinbar unerschöpflicher Tränen sind, schreibe ich diese Zeilen. Und da keimt von Zeit zu Zeit ein kleiner Funken Hoffnung in mir auf. Und diese Ahnung, dieses Erinnerung, dieser untrügliche Glauben an Dich. An uns. An Wunder. Denn bei all der Leere und der Dunkelheit und all den Tränen weiß ich doch aus Erfahrung, dass Wunder geschehen. Auch, wenn sie manchmal nicht so lange bleiben, wie wir es wünschen.

Und nicht nur unser Wunder geht mir nicht mehr aus dem Herzen. Auch Du bleibst ein Teil von mir. Auch Du bist eines meiner Wunder, vom ersten Moment an gewesen.

Trotz all meiner Fehlentscheidungen, halte ich Dich noch, auch wenn Du das nicht spürst. Und ich warte, nicht tatenlos sondern mit Kampfgeist, auf den Tag, an dem vielleicht wieder ein Wunder geschieht. In mir. In Dir. Oder in uns.

Und solange ich daran festhalte, wird das Monster nie ganz gewinnen.

Hoffnung ist stärker als alles. Und ist sie noch so klein. Und ich habe nicht nur sie. In mir sind Hoffnung,  Glaube und Liebe. Und somit bleibe ich unbesiegbar.

Monstertage Teil 2

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Das Monster war also zurück. Vielleicht hatte  es mich auch nie wirklich verlassen und mir war durchaus bewusst gewesen, dass so ein Monster nicht ohne ist und man sehr auf der Hut sein muss, gerade in Momenten, in denen man denkt, man sei nun sicher. Und trotzdem, ich konnte nicht verhindern, dass es wiederkam. Ich bemerkte es einfach nicht. Und von einem Moment auf den anderen stand es wieder vor mir. Es schien mir, als ob es nun stärker geworden war, als zuvor und so beschloss auch ich, stärker zu werden.

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Danach ging ich einmal die Woche zu einem professionellen Monstervertreiber und auch das half bis zu dem Zeitpunkt, an dem mir das Monster auch durch diese Tür folgte und dem Monstervertreiber unbeeindruckt die Zähne zeigte und sich mir auf den Sessel auf meinen Schoß setzte. Der Monstervertreiber redete ab da mehr mit dem Monster als mit mir. Und so nahm ich das Monster nun jedes Mal freiwillig mit, denn ich selbst hatte ja sowieso nichts mehr zu erzählen.

Oft kam ich aber auch gar nicht erst beim Monstervetreiber an, den das Monster kletterte sich an meine Beine und zigumich mit aller Kraft zurück ins Bett, wo es sich dann gemütlich auf meine Brust niederlies und vor sich hin döste. Während ic/ bewegungsunfähig war.

Kurz darauf hörte ich auf, das Monster zu sedieren, denn es brachte ohnehin nicht mehr, als dass ich selbst nicht ganz ich war und ich brauchte mein volles Bewusstsein, um dem Monster wach und selbstbewusst entgegen treten zu können. 

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An diesen Tagen begann ein kurzer, harter Kampf und ich fühlte mich schwächer als je zuvor. Das Monster weckte mich bereits früh morgens. Es hatte nun, da es nicht mehr ruhig gestellt war, offensichtlich neue Fähigkeiten erlangt, denn es drückte nicht einfach nur sein unerträglich schweres Gewicht auf mich, nein, es hatte tatsächlich gelernt zu sprechen. Mit teuflisch süßer Zunge flüsterte es mir die verrücktesten Dinge ins Ohr. Ich werde diese hier nicht wiedergeben, denn ich weiß ja, dass sie ohnehin nicht wahr sind aber ich gebe zu, es fiel mir schwer, die Worte des Monsters in meinem Kopf von meinen eigenen Gedanken zu unterscheiden. Und dann gibt es da ja noch die Wahrheit. Wer von uns hatte recht? Und was tun, wenn einem der andere so laut in die Ohren schreit, dass du dich selbst kaum mehr hören kannst? 

Ich versuchte mir meine Wahrheit immer wieder sanft aber nachdrücklich vorzusagen und so konnte ich die Stimme des Monsters zumindest ein wenig in den Hintergrund verschieben. Ich lenkte mich mit Arbeit ab, doch selbst dort kam das Monster nun mit. Es lies es laut knallen neben meinem Kopf, es rüttelte an mir und legte mir Gegenstände in den Weg, sodass  ich mein Gleichgewicht zu verlieren drohte. Es pustete Nebel aus, sodass es mir die klare Sicht nahm. Es versalzte mein Essen und Nachts lies es mich nicht schlafen. Doch ich wusste es wäre vorübergehend. Und ich wollte diesen Kampf unbedingt gewinnen.

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Und, was nicht zu verachten ist, da warst ja noch Du. Ich rief Dich an und erzählte Dir von dem Monster und wie es stärker geworden war und wie schwach ich mich fühlte. Und du hörtest mir zu. Du nahmst mich ernst. Und dann kamst Du zu mir. 

Es wirkte fast, als hättest Du Dein Monster für diese Zeit zu Hause gelassen. Zumindest an diesem einen Tag war es nirgends zu sehen. Und so lief ich mit Dir trotz Schwindel und Geschrei und den ganzen bösen Worten und Dingen und Gedanken im Kopf über mich, welche mir das Monster unaufhörlich einflüsterte. Wir liefen gemeinsam und ich ignorierte das Monster. Wir sprachen gemeinsam und das Monster schwieg auf einmal. Wir saßen gemeinsam und das Monster verkroch sich unter den Tisch. Wir lagen zusammen und das Monster blieb draußen. Und als wir am nächsten Morgen aufwachten, war mein Monster auf einmal verschwunden. 

Ich drehte mich zu Dir um und sah etwas kleines, unscheinbares auf Deiner Brust hüpfen. Du hattest die Augen noch geschlossen, warst noch halb im Traum versunken. Ich erkannte Dein Monster. Es war kleiner geworden und ich, so stark und monsterlos in diesem Moment, wollte es mit meinem Finger wegschnipsen. Ich beugte mich zu Dir, so nah, dass Dein Atem meine Haut berührte. Ich könnte fast Dein Löwenherz schlagen hören. Ich fixierte Dein Monster mit meinem Blick und hob die rechte Hand zum Angriff, doch da öffnetest Du schon Deine Augen. 

Ich sah die Leere in Deinem Blick, ich wollte sie füllen. Ich wollte Dich auffangen. Umarmen. Dich halten. Ich wollte Dir immer wieder sagen, dass jetzt alles gut würde. 

So streckte ich meine Hand zu Dir doch Du drehtest Dich nur von mir weg und ich sah, wie Dein Monster wuchs und wuchs und Du Dich ihm scheinbar kampflos ergabst. 

Kurz darauf fuhrst Du weg. Dein Monster saß fest angeschnallt auf dem Rücksitz. 

Mein Monster war anscheinend vereist. Doch ich fühlte mich hilflos, denn ich konnte Dir nicht helfen.

Monstertage Teil 1

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1

Als das Monster das erste Mal zu mir kam, habe ich es kaum bemerkt. Ich könnte heute nicht einmal ungefähr sagen, zu welchem Zeitpunkt es sich in mein Leben schlich, es war einfach irgendwann normal, dass es da war. Aber wenn ich mir es jetzt recht überlege, muss es ein Leben vor dem Monster gegeben haben. Und es muss gut gewesen sein. Ich erinnere mich bloß nicht daran oder besser gesagt, ich erinnere mich so daran, wie man sich an einen Film erinnert. Man sieht die Bilder im Kopf und die Handlungen der Menschen aber man verbindet keine oder kaum Gefühle damit, da man es ja selbst nicht erlebt hat. So ungefähr ist das.

Als das Monster kam, war es noch klein. Ebenso klein, dass ich es erst gar nicht bemerkte. Und selbst wenn ich es bemerkt hätte, ich hätte es nicht erkannt. Ich hätte nicht erkannt, dass das Monster wirklich ein Monster ist und vielleicht habe ich es auch ab und zu dabei beobachtet, wie es auf meiner Brust herum hüpfte. Und womöglich habe ich mich dann auch gefragt, was dieses kleine Ding denn genau auf meiner Brust mache, aber es war ja noch so klein und unscheinbar, ich habe einfach keinen weiteren Gedanken daran verschwendet. Es störte ja kaum.

Und so konnte das Monster wachsen. 

Es wuchs unbemerkt und gleichzeitig mit rasanter Geschwindigkeit und eines Morgens wachte ich auf und sah es ganz klar vor mir. Mit unverhohlenem Blick starrte es mir in die Augen. Doch ich hätte es auch ohne die Augen zu öffnen gesehen, denn es saß ja auf meiner Brust. Es war mittlerweile so groß und fett geworden, dass es selbst nicht mehr hüpfen konnte und sein Gewicht drückte mich nieder, sodass ich nicht aufstehen konnte. In dem Moment fragte ich mich noch nicht, wie es so weit kommen konnte. Ich fragte mich nicht, wie ich das Monster unbemerkt so lange Zeit ernährt hatte. Ich hatte einfach nur Angst. Und da ich nicht aufstehen konnte, schloss ich die Augen ganz fest und wartete.

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Ich wartete eine gefühlte Ewigkeit im Dunkeln doch der Druck, den das Monster auf meiner Brust hinterließ, war nicht zu ignorieren. Es drückte mich so fest in meine Matraze hinein, dass ich nicht einmal auf die Idee kam, es zu bekämpfen. Es fühlte sich zwecklos an. Ehrlich gesagt dachte ich gar nicht darüber nach, mich zu wehren. Ich wollte es einfach nur weghaben. 

Nachdem ich also sehr lange den Druck auf meiner Brust ausgehalten hatte und kaum mehr Atmen konnte, beschloss ich, das Monster und mich gleich gemeinsam unter der Bettdecke zu ersticken, mal sehen, wer den längeren Atem hatte.

Ich zog also meine Bettdecke über das Monster und mich und verharrte weiter im Dunklen. Die grün leuchtenden Augen des Monsters starrten auch unter der Bettdecke weiter. Schwer war es außerdem natürlich immer noch und ich glaubte auch ein hämisches Grinsen auf seinem Gesicht zu entdecken. Es schien keine Luft zum Atmen zu benötigen. Es atmete mich.

Mein Plan war gescheitert. Aber was sollte ich tun? 

Nach einer Weile der Resignation unter der Bettdecke schlief ich unter dem Druck des massigen Monsterkörpers wieder ein. Es war ein kurzer, von seltsamen Träumen gefüllter Schlaf. Aber während des Schlafs spürte ich das Monster nicht mehr und somit lernte ich meine erste, wenn auch nicht optimale Monstervertreibungsstrategie: Ausharren und versuchen einzuschlafen.

Schon bald stellte sich jedoch heraus, dass diese Strategie nicht immer anwendbar und auch nicht sehr nachhaltig ist. Aber dazu ein andermal mehr.

Ich wachte also nach einer kurzen Schlafphasen wieder auf. Ich erinnerte mich kaum, was geschehen war. Das Monster war nicht mehr zu sehen und das einzige, was ich noch zu spürte und was und auch die nächsten Tage kaum nachließ, war dieser seltsame Druck auf der Brust. Ich entschied mich, dem keine weitere Aufmerksamkeit zu schenken und nutzte die Gelegenheit, um das Bett zu verlassen und meinem Tagewerk nachzugehen. Das Monster folgte mir unbemerkt.

3

Im Laufe der Zeit kam mich das Monster immer öfter besuchen. Zu Gesicht bekam ich es meistens morgens, manchmal klopfte es schon nachmittags an und auch wenn ich nie wollte, öffnete ich ihm doch fast täglich oder ließ von Zeit zu Zeit auch unbedacht die Tür oder das Fenster einen Spalt offen. Wie das mittlerweile wirklich riesige Ding es schaffte, sich durch jeden noch so kleinen Spalt zu quetschen, ist mir bis heute ein Rätsel. Es muss wohl so etwas wie ein Formwandler sein oder extrem gelenkig. Eventuell passt es sogar durch jede noch so kleine Öffnung. Ich glaube es einmal dabei beobachtet zu haben, wie es sehr flink und unangekündigt an einem regnerischen Herbstabend durchs Schlüsselloch in mein Schlafzimmer kam. Ich weiß es nicht mehr genau.

Besonders schwierig gestalteten sich die Besuche des Monsters an Arbeitstagen. Man kann sich vorstellen, wie unpraktisch es ist, morgens beim Aufwachen ein tonnenschweres, grinsendes Monster auf der Brust sitzen zu haben, gerade wenn man eigentlich aufstehen sollte, sich im Bad fertig für den Tag richten und dann zügig das Haus verlassen. Das, was für viele Menschen einfach ein Stück routinierter Alltag ist, wurde für mich zum täglichen Kampf. Die Strategie des Ausharrens und Weiterschlafens erwies sich hier als äußerst unpraktisch. Es hieß also, das Monster zu ignorieren. Dann fängt es nämlich an, nervös auf einem herum zu stampfen (hüpfen kann es aufgrund seiner Körperfülle ja nicht mehr). Nutzt man diesen Moment gezielt aus, um schnell aufzuspringen, verliert das Monster sein Gleichgewicht und fällt um und wenn man dann ganz schnell ins Bad rennt, kommt es nicht hinterher. 

Das funktionierte dann auch einige Wochen sehr gut, aber das Monster ist nicht dumm und es lernt täglich dazu. Irgendwann fing es an, mich einfach vor der Badtür abzupassen. Ich musste also auch hier sehr flink sein und einfach so schnell wie möglich das Haus verlassen. Das Monster ist nämlich ein Stubenhocker und es möchte, so vermutete ich zuerst, nichts anderes, als Dir den ganzen Tag auf  Brust zu sitzen und Dich bewegungsunfähig zu machen. Deshalb ist es immer besser, draußen zu sein als drinnen, obwohl mich das Monster mittlerweile auch draußen abholt und in die Wohnung schleift, wie gesagt, es ist lernfähig. Aber dazu später.

4

Nach einigen Wochen, als das Monster meinen Plan durchschaut hatte, änderte es seine Strategie. Es stürzte sich einfach auf mich, sobald ich von der Arbeit kam und ließ mich dann bis zum folgenden Tag nicht mehr hinaus, bloß die Gassirunde mit dem Hund war erlaubt. Es scheint, dass dem Monster der Hund nicht geheuer ist, zumindest konnte ich beobachten, dass es nie auf dem Hund sitzt. Immer nur auf mir. Und wenn der Hund ganz nah kommt, lässt das Monster manchmal einfach ab von mir.

Auf jeden Fall waren dann bis auf die Gassirunden alle Aktivitäten außerhalb der Arbeit gestrichen. Ich ging nicht mehr zum Chor. Nicht mehr tanzen. Nicht mit Freunden aus, nichts. Das Monster war jetzt mein selbsternannter Freund. Ob es mich jemals um Erlaubnis gefragt hat, in mein Leben zu kommen, selbst das kann ich heute nicht mehr sagen.

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Mit der Zeit entwickelte sich das Monster weiter. Es wuchs zwar nicht mehr, dennoch gewann es spürbar an Gewicht. Und so, wie sich das Monster neue Strategien zulegte, so musste auch ich mir neue Taktiken zulegen, um im täglichen Kampf zumindest eine Chance zu haben. 

Das Monster hatte mittlerweile herausgefunden, wie es sich morgens so an mich dranklammern konnte, dass es nicht abzuschütteln war. Selbst beim morgendlichen Yoga, welches das Monster nun wirklich verabscheut, denn es verabscheut jegliche Art von Bewegung, schaffte es das Monster, sobald ich den Sonnengruß beendet hatte, wieder rücklings auf mich aufzuspringen. Also begann ich mit Atmen. 

Atmen. Das klingt einfach. Ja, für jemanden der ohne Monster wohnt, ist es das vermutlich auch. Aber durch das Monster hatte ich das Gefühl, gar nicht mehr richtig zu Atem zu kommen. Und das tägliche Meditieren mit Konzentration auf den Atem schien tatsächlich ein wenig zu helfen. Zumindest wollte mich das Monster danach nicht mehr zurück ins Bett ziehen.

Im Sommer gab es noch eine weitere Monsterabschüttelungsstrategie: das Baden im kalten See. Am besten nackt, denn dann kann sich das Monster nicht so gut an einem Festhalten, falls das Wasser nicht kalt genug ist, um es abzuschrecken.

Ich ging sogar für einige Wochen in ein professionelles Monstervertreibungzentrum, aber dort lernte mein Monster nur seinesgleichen kennen und kam so nur auf weitere, dumme Ideen, wie es mich ganz für sich beanspruchen konnte. Zudem wollten sie dort mein Monster vergiften, was mir dann doch zu drastisch schien, denn zu dem Zeitpunkt erahnte ich bereits etwas. Irgendeinen Grund hatte es doch, dass dieses Monster so unermüdlich an meiner Seite war und mich jeden Morgen mit einer unerträglichen Schwere begrüßte. Womöglich wollten mir diese großen grünen Monsteraugen nur etwas sagen und sobald ich es verstanden hätte, würde das Monster ganz von alleine wieder verschwinden? Die selbsternannten Monsterexperten meinten jedoch, es wäre unumgänglich, das Monster zumindest ein wenig ruhig zu stellen und so entschied ich mich, es zu probieren.

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Mein Monster war sediert. Es lief weiter mit mir durch den Garten des Monstervertreibungszentrums, es aß mit mir und es spielte sogar Tischtennis auf meinem Rücken aber es war nicht mehr so schwer. Und irgendwie war es mir egal. Allerdings war mir auch alles andere auf einmal irgendwie egal und da dämmerte mir endgültig, dass dieses Monster nicht einfach sediert werden konnte, da es mittlerweile ein Teil von mir geworden war und man mit ihm auch gleichzeitig mich sedierte. Ich beschloss also, nach meinem Aufenthalt im Monstervertreibungszentrum das Monster nicht weiter ruhig zu stellen.

Es lagen aber noch ein paar Wochen vor Beendigung des Aufenhaltes und so entschied ich mich, mehr mit den anderen Monsterbesitzern dort in Kontakt zu treten. Wenn mein Monster das konnte, dann konnte ich das auch.

Ich traf einige, die ähnliche Monster hatten wie es meines war und ich traf andere, die andere Monster hatten. Manche Monster waren schon sehr, sehr lange bei ihrem Besitzer und das sah man dann auch gleich an deren Ausdruck, denn man konnte nicht mehr genau unterscheiden, was Monster und was Mensch war und wenn man mit Ihnen redete geschah es oft, dass man statt mit dem Besitzer plötzlich dem Monster redete. 

Andere hatten sehr leise und fast unsichtbare Monster, die man erst auf den zweiten oder dritten Blick entdeckte und einmal sah ich sogar auf der Schulter einer Mitarbeiterin des Monstervertreibungszentrums ein kleines, langmähniges und feuerrotfarbenes Monster mit langen gelben Reißzähnen sitzen. Ich bin mir bis heute nicht sicher, ob es ursprünglich ihr Monster war, oder ob es ihr ein anderer Monsterbesitzer hinterlassen hatte.

Und dann traf ich Dich.

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Du saßt plötzlich vor uns. Ich sah Dich an und vergaß nicht nur mein Monster schlagartig sondern auch meine Alles-egal-Haltung. Ich glaube selbst mein Monster war erst einmal sprachlos. Du hattest ein nach außen hin kaum sichtbares Monster, es kam nur ab und zu in deinem Blick zum Vorschein. Dann sah ich Dir an, dass Du Dich schämtest. Für Dich war Dein Monster ungreifbar groß, mir erschien es harmlos und sogar fast sympathisch.

Mit der Zeit lernten wir uns besser kennen, ab und an zeigte einer dem anderen ein Stück seines Monsters aber immer nur kurz, denn irgendwie hatten wir ja auch Angst. Und ich war verunsichert. Einerseits erschien alles Sinn zu ergeben aber andererseits konnte ich es auch nicht in Worte fassen.

Es gab sogar Tage und noch mehr Nächte, an denen wir kurze Strecken ohne unsere Monster liefen, denn diese blieben ganz freiwillig auf den Zimmern, während wir die Sterne des Sommernachshimmels beobachteten. Und einmal, als wir uns umarmten, da merkte ich, wie auch unsere Monster sich umarmten und kurz schien es, als ob alle miteinander Frieden geschlossen hätten.

Doch die Zeit verging, Du brachtest mich zum Bus. Ich fuhr mit den Gedanken bei uns nach Hause und mein Monster nahm sich ein Taxi und folgte mir ein paar Stunden später.

Für Ida

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Du warst nur kurz zu Besuch, doch was ist schon Zeit, wenn nicht etwas, dass wir erfunden haben. Du warst da und das ist alles, alles was zählt.

Wie war es für Dich, meine kleine Seele?

Was hast Du gesehen, bei deinem Abstecher in unser Leben?

Vielleicht hast Du meine Angst gesehen, meine Verwirrung und, dass auch (oder gerade) Erwachsene unsicher und hilflos sein können.

Womöglich hast Du unsere Gedanken und Emotionen gespürt, die Sorge um Deine Zukunft bei uns, und das Gefühl, nicht genug sein zu können, für Dich.

Du kamst unbedarft, klar und deutlich zu mir und doch sanft, genauso, wie du jetzt sachte und gleichsam eindeutig Deine Reise fortsetzt.

Ich weiß nicht, warum Du Dich entschieden hast zu gehen aber ich hoffe, Du hast das gesehen und erlebt, was Du gebraucht hast.

Ich wünsche Dir, dass Du auch gesehen hast, wieviel Liebe in uns steckt, für Dich und für uns.

Ich wünsche Dir, dass Du gespürt hast, dass Du trotz aller Ängste und Zweifel so sehr Willkommen warst, bedingungslos und zu jeder Zeit und, dass Du auch weiterhin stets Willkommen sein wirst.

Ich wünsche Dir, dass Du fühlst, dass wir Dich frei lassen, loslassen ohne halten zu wollen und dass Du trotzdem, wenn Du denn bereit bist, Halt bei uns finden wirst.

Du hast meine Sicht und mein Herz erweitert, für die Zukunft und für dieses Leben.

Du hast uns uns selbst näher gebracht und ich wünsche Dir auf Deiner Reise, dass Du Dir den Ort und den Zeitpunkt aussuchst, der sich richtig anfühlt.

Das Leben ist grausam. Aber das Leben ist auch voller Wunder. Es ist weder gerecht noch ungerecht. Es ist.

Danke, dass Du es versucht hast. Danke, dass Du bei uns warst.

In Liebe, Deine Mama.

Nicht(s) vergessen

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Nichts vergessen

Er steht da. Er steht einfach nur da. Mitten in der Stadt. Mitten in der Stadt steht er da und beobachtet. Er beobachtet die Menschen. Er beobachtet, wie sie rennen, von einem Einkaufsladen in den nächsten. Er grinst. Er grinst doch seine Augen scheinen ernüchtert. Er steht fasst reglos da mit seinem alten, vergilbten Mantel, dem seit einigen Jahren ergrauten Bart und diesem erschreckend nüchternen Blick und schüttelt den Kopf. Immer wieder schüttelt er kaum merklich den Kopf. Ob sie es vergessen haben? Die ganze Zeit über schreiben sie Listen. Klappern einen Laden nach dem nächsten ab, um Punkte von ihrer Liste streichen zu können. Um ja nichts zu vergessen. Und er schüttelt weiter den Kopf. Und beobachtet. Und denkt nach. Dabei vergessen sie das Wichtigste. Sie vergessen nichts und doch alles. Er schüttelt den Kopf und grinst nun nicht mehr. Er dreht sich um und geht. Er geht langsam, denn er hat Zeit. Er hat keine Angst zu vergessen. Er wird sich immer erinnern. Er wird nicht vergessen, nicht er. Doch genau dies macht ihm Angst; irgendwann der einzige zu sein, der sich noch erinnert. Er geht, kopfschüttelnd und langsamen Schrittes. Seine ausgelatschten Stiefel machen schleifende Geräusche auf dem asphaltierten Boden. Keiner hört sie. Keiner nimmt sie wahr. Keiner nimmt ihn wahr. Er hat Zeit. Er erinnert sich. Bald, ja bald, da ist Weihnachten.