Heute ist ein schöner Tag…

angepinnt

Heute ist ein schöner Tag, weil…

Seht selbst, gibt’s in jeder Buchhandlung auf Nachfrage oder hier:

Das Buch bei Amazon 

Oder hier: 

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Es gibt mich im Buchhandel. Oder einen Teil von mir. Einen sehr intimen, würde ich behaupten.

Als EBook, Hörbuch UND gedruckt.

Das Gefühl ist… ich weiß nicht. Seltsam. Ich selbst habe das Buch noch nicht einmal in den Händen gehalten, gerochen, befühlt, obwohl es ja meinen schreibenden Händen entsprang..

Zum Hörbuch
Noch ein kleines E-Book von mir
Ich werde berichten.. oder ihr mir?;)

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Patience

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9.10.1722:45 Uhr
Ich möchte geduldiger werden. Oder vielleicht ist Gelassenheit das richtige Wort. Dinge auch einmal ruhen lassen, wenn der Aufwand, etwas immer wieder anzusprechen größer ist, als der Lohn. Oder wie Astrid mir sagte: „Du musst Dich nicht um alle(s) kümmern. Kümmere Dich um Dich selbst.“ Sie meinte auch, ich sei, wie ihr Mann, hochsensibel. Wer weiß, ich halte ja nicht so viel von diesen Bezeichnungen. So oder so; Ich übe mich in Gelassenheit. 
Heute, ohne Astrid, war es zuerst schwierig für mich. Es ist Thanksgiving, ich mache Hash Browns für Stephen, die anderen essen bereits vor uns. Wie immer. Egal. 

Später fahren wir mit dem Truck in dem Wald um Feuerholz zu holen. Genau genommen fahre ich, ja, ich, die weder Führerschein noch Fahrpraxis bis auf ein paar Runden auf dem Rebberg vor mindestens zehn Jahren und einer sehr kurzen, im Graben endenden Tour in Frankreich (Leo wird sich erinnern ;)) hat. Ich darf fahren. Und tatsächlich klappt es mit dem alten Automatiktruck so gut, dass ich auf dem Highway bis zu 90kmh fahre. Zum Glück begegnen uns nur wenige andere Autos, Kanada ist ja bekanntlich groß. Im Wald freue ich mich, endlich mal etwas Bewegung zu bekommen. Das Holz zu schleppen tut mir richtig gut und im Gegensatz zu den Mädels möchte ich gar nicht, dass es endet. Später darf ich sogar selbst einen toten Baum fällen und schneiden. Mir ist schon ein wenig mulmig, so ganz ohne Schutzkleidung, aber es funktioniert erstaunlich gut und macht Spaß.

Bevor ich abends das Thanksgivingdinner zubereite, darf ich sogar noch einmal zur Wasserstation fahren, um unsere Kanister aufzufüllen. Nach dem Essen schauen wir den Animationsfilm „Rio“ an und lassen den Abend ausklingen. Eigentlich ein sehr guter Tag, finde ich.

Morgen habe ich viel Zeit für mich, denn ich werde nicht mit in die Stadt fahren. Ich kann mich genauso gut im See waschen und es gibt kaum Einkäufe, das kriegen die zwei Mädels schon hin. Vielleicht schaffe ich es ja endlich mal, die Gegend etwas mit dem Rad zu erkunden…

Atlin, Skagway, Tierbegegnungen und der Alltag im Yukon 

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7.10.17 19:17 Uhr
Astrid ist morgen das letzte Mal da. Dann bin ich allein mit den zwei französischen Mädels. Das wird eine Herausforderung. Alles hier ist eine Herausforderung. Anders als geplant aber nun gut. Ich lebe in einem riesigen chaotischen Haus, dessen einziger Bezug zur Wildnis ist, dass wir chloriertes Wasser von einer Abholstation holen und unsere Elektrizität von einem Generator und Batterien beziehen, welche regelmäßig nachts entleert sind und mich piepend aus dem Schlaf reißen. Alle Nachbarn hingegen sind ans öffentliche Stromnetz angeschlossen und beziehen ihr Wasser frisch gefiltert aus dem See. Unsere Toilette befindet sich zwar draußen aber es wird weder kompostiert, noch trennt man das Papier, alles landet einfach in einem stinkenden Loch. Und obwohl Kanada großen Wert auf Recycling legt, verschwinden hier täglich Unmengen an unsortiertem Müll zusammen in einem schwarzen Sack, inklusive Kompost, ungespülten Dosen etc..

Das Haus ist riesig sowie unfertig, alles vollgestopft mit Büchern, DVDs, Fernseher etc. Im Garten stehen vier Autos, davon dienen zwei als Ersatzteillager. Und gearbeitet wird hier nicht wirklich. Wir bekommen Geld um die Einkäufe zu erledigen und einem einsamen Menschen Gesellschaft zu leisten. Und um das Kochen und den Abwasch werde ich mich wohl nach Astrids Abgang alleine kümmern müssen, denn die beiden anderen Mädels bevorzugen es, Pause zu machen, so wie sie es nennen. Wenn ich nachfrage, bekomme ich auch Aufgaben, diese sind jedoch unklar und meist schnell erledigt. Im Gegenzug werden wir regelmäßig mit dem Auto durch die Gegend gekarrt, bekommen einen unglaublich detaillierten Einblick in die Geschichte der Goldgräber und begegnen allerlei Tieren während unserer Ausflüge.


Die Mädels bleiben bis Donnerstagabend, dann kommt Alin äe aus der Schweiz und wir sind erst mal zu dritt. Ich hoffe, sie nimmt das hier ernster, denn unser Host kriegt den Mund leider meist nur im Einzelgespräch auf. Er ist ein wirklich lieber Kerl und ich fürchte, dass das von vielen nur allzu gerne ausgenutzt wird.
Nun aber zu den schönen Erlebnissen. Wie schon erwähnt sind wir sehr weite Strecken mit dem Auto unterwegs. Wir fahren durch Orte, wie Atlin, ein wundervoll verschlafen wirkendes Dörflein an einem großen See, umgeben von, wie sollte es anders sein, Bergen und mittlerweile schneebedeckten Gipfeln. Es gibt dort die Atlin Warm Springs, kleine warme Quellen, die sich jedoch als wir dort waren nicht annähernd wie die gemessenen 27 Grad anfühlten. Das Lagerfeuer, welches ich dieses Mal auf natürliche Weise (ohne Öl!) mit Melanie (einer ehemaligen Helferin die uns begleitete) machte, kam uns da sehr gelegen. Wir hatten uns für den Abend extra Masken angefertigt und Badekappen aufgezogen, damit wir nicht Stephens komische Hulagirlsverkleidungen (Kokosnussbhs..) anziehen mussten und er sich trotzdem über „Crazy guests“ freut und es funktionierte. Der Abend war eigentlich ganz angenehm, denn vorm Baden saßen Astrid, Melanie und ich ums Feuer und sangen und einmal machte Stephen sogar mit. Die Französinnen waren jedoch zu gehemmt und hatten auch keine Lust zu baden. Schade.


Die Tage besuchten wir Skagway in Alaska, wo ich ja bereits war jedoch nun, drei Wochen später und außerhalb er Saison wirkt das Städtchen viel einladender. Keine Fähren, keine Touristenströme. Wir gehen in ein Café, das auf mich typisch amerikanisch wirkt, Kaffee  wird jederzeit kostenfrei nachgeschenkt, wie man es aus den US-Serien kennt und auch das Inventar ist sehr authentisch. Wir erfahren viel über den Gold Rush im örtlichen Museum und während Stephen uns durch die Straßen führt auch über die Geschichte der Stadt, so zum Beispiel, dass es damals hier an die 80 Bordelle gab aber nur eine Kirche und dass das Red Onion, ebenfalls ein ehemaliges Bordell, seinen Platz nicht nur gewechselt hat (Männer zogen es samt Fundament näher auf die Hauptstraße), sondern auch, dass es verkehrt herum aufgestellt wurde und man es dann kurzerhand ein Stückchen kürzte und dieses Stück auf der anderen Seite wieder anbrachte, um Arbeit zu sparen.


Auf dem Rückweg fahren wir nach Dyea, dort entdecken wir am Fluss eine Grizzlybärin mit zwei Jungen. Was für ein Glück, um diese Jahreszeit und kurz vor Sonnenuntergang. Bereits am Tag zuvor sichteten wir einen Elch, ein Reh, eine Bisamratte und, was mich immer noch schwer beeindruckt, einen Wolf. Als wir umkehrten um den Wolf näher zu betrachten wich dieser nicht weit zurück, bestimmt zehn Minuten lief er immer wieder im Umkreis von zehn Metern um das Auto herum und selbst als ich ausstieg, war er zwar vorsichtig aber rannte nicht weg. Dieses Erlebnis war für mich bisher das schönste Tiererlebnis. Zudem es noch Vollmond war.

9.10.17

18 Uhr
Heute, auf dem Weg nach Whitehorse, kreuzte ein Koyote die Straße.

Nach ein paar unangenehmen, stressigen Diskussionen zwecks Wäsche und Einkauf trennten sich die Wege der französischen Mädels von Astrid und mir. Wir besuchten die evangelische Kirche. Am Gottesdienst, der von den Gemeindemitgliedern selbst gestaltet wird, nehmen mit uns gerade einmal 18 Menschen teil, trotzdem, die Stimmung ist angenehm und wir bleiben danach noch zum Thanksgiving Potluck. Dabei erfahren wir, dass die meisten Einwanderer sind, auch deutsche sind unter ihnen, die bereits vor dem Bau der Mauer bei uns hier kamen. Es sind nette Gespräche und ich werde denke ich wiederkommen, auch wenn der Altersdurchschnitt hier mein Alter um einiges übertrifft.

Später kann ich in Astrids Hotel duschen. Yey! Die letzte Nacht wird sie hier bleiben und wir fahren ohne sie zurück. Mir graut ehrlich gesagt davor mit den Mädels allein auskommen zu müssen und natürlich werde ich sie vermissen aber ich sammle hier ja Erfahrungen…

Die „Public Library” und andere zivilisatorische Annehmlichkeiten 

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3.10.2017
18:00 Uhr
Ich sitze in der Public Library in Whitehorse. An drei Tagen der Woche (So, Di, Do) fahren wir morgens um 7 mit Stephen nach Whitehorse, dort wechselt er in seinen Dienstwagen (er liefert Post und Pakete aus) und dann nehmen wir das Auto, erledigen Einkaeufe und was noch so ansteht und bleiben dann bis er fertig ist in der Stadt (Meist so bis 21 oder 22 Uhr). Ausserdem gibt es die Option, ihn bei seiner Fahrt die taeglich bis zu 1000 km betraegt, zu begleiten.Landschaftlich  bekommt man da wohl einiges zu sehen und ich werde dieses Angebot sicher noch in Anspruch nehmen. Die dritte Option (welche ich ja am Sonntag gewaehlt habe), ist den ganzen Tag im Haus bzw der Umgebung zu bleiben, dort aufzuraeumen, den Hund auszufuehren, fuer alle zu kochen und eigene Projekte anzugehen.

Heute war ich also in Whitehorse. Nachdem ich noch einmal mit Icelandair Kontakt aufgenommen hatte und tatsaechlich nun meinen Flug fuer Dezember kostenfrei zurueck bekommen habe (ein herzliches Danke nochmals an dieser Stelle, an die lieben Mitarbeiter der Fluggesellschaft) und mit Astrid die Einkaeufe groestenteils erledigt hatte, begab ich mich mit dem Rad, welches ich mitnehmen durfte, noch einmal zur Wohnung von Sofía, um meine restlichen Sachen abzuholen. Da sie arbeiten war, hinterlegte sie mir den Schluessel unter der Fussmatte. Danach fuhr ich mit dem Rad noch zur Riverside Grocery, einem unglaublich ueberteuerten Bioladen, indem ich mir ein glutenfreies Brot besorgte und versuchte, bei einem Kaffee mit der jungen Verkaeuferin ins Gespraech zu kommen, was sich als schwierig herausstellte, da sie anscheinend lieber auf ihren Laptop starrte. Nun gut, die Jugend, dachte ich mir mit meinen fortgeschrittenen neunundzwanzig Jahren (…) und fuhr weiter zum Visitor Center, indem ich mich ein wenig ueber Whitehorsse kundig machte und derweil meinen mitgebrachten Salat verspeiste. Es ist nicht zu verachten, was solch oeffentliche Plaetze fuer Vorteile bieten und außer mir, kamen in der Stunde, die ich dort verbrachte, gerade mal ein paar Japaner vorbei. Später begab ich mir zur Public Library, um Astrid auf einen Kaffee abzuholen. Die Bibliothek ist wunderbar! Es herrscht eine angenehme Atmosphaere, man muss nicht muksmaeuschenstill sein und trotzdem ist es nicht laut, es gibt eine riesige Auswahl an Literatur, eine liebevoll eingerichtete Kinderecke, man kann taeglich die Computer eine Stunde kostenfrei und unbegrenzt freies WLAN nutzen, es gibt kostenloses Trinkwasser, saubere Toiletten und sogar Liegeplaetze. Demenstprechend gemischt ist auch das Klientel, von ein paar Leseratten, ueber Smartphonezombies, vor sich hindoesende Maenner in zerlumpter Kleidung, einer Kindergartengruppe, bis hin zu ueber Zeichnungen bruetenden alten Maennern und bloggenden deutschen Frauen ist alles vorhanden. Ein Zufluchtsort der Extraklasse 🙂.

Mir gegenueber sitzt Astrid. Nach dem Kaffeetrinken im Baked, wo es Kaffee mit Milchalternativen, Kunst regionaler Kuenstler und allerlei schoene Laeden mit individuellen Geschenken und Koestlichkeiten gibt. Darauffolgend waren wir im Dollarstore, um ein paar Kuechenutensilien zu besorgen und ein Verkleidungen. Es war lustig, denn wir beide hatten nicht so viel Lust darauf aber Stephen wuenscht sich, dass wir „etwas enthusiastic and cray“ sind und nun ja, why not? Wenn es ihm Freude bereitet. Gestern Abend waren wir am Hidden Beach, einer versteckten Bucht mit Sandstrand am Tagish Lake, die im Sommer maerchenhaft sein muss, haben ein Feuer gemacht (auf Stephens Art mitten auf dem Boden, ohne Steinkreis, mit Oel, was ich unbedingt aendern muss und werde…) und dann bin ich mit ihm im kalten Wind nackig in den kalten See gesprungen. Das mag fuer Aussenstehende komisch klingen aber es war rein gar nichts schlimmes dabei. Stephen ist anders. Er hat ein seltsames Verhaltnis zu Maennern und meidet sie, mit Frauen kommt er aus, was jedoch rein gar nichts sexuelles hat. All seine Volunteers berichten von tollen Erfahrungen auf Touren und seiner herzlichen Art. Er ist nicht gern allein, ja. Und er hat ein paar ungewoehnliche Verhaltensweisen, aber was solls. Wer ist schon normal? Ich habe beschlossen, diese Reise als Erfahrung mit Menschen zu sehen. Ich weiss, dass ich den Sueden liebe und hier kein dauerhafter Platz fuer mich ist. Ich weiss ebenso, dass ich die Menschen in und um Freiburg von ihrer Mentalitaet her liebe und auch die der weiter suedlich liegenden Nachbar- und Nachbarnachbarslaender. Und trotzdem. Es ist spannend, auf diese Reise zu den Menschen zu gehen. Bei jemandem zu leben, der einen komplett anderen Lebensstil pflegt. Andere Reisende zu treffen. Eventuell zehn Kilo aufgrund des ungesunden Essens hier zuzunehmen ist ein Uebel, was ich wohl in Kauf nehmen muss. Sich nur waehrend des Besuchs der Stadt im Schwimmbad duschen zu koennen (oder eben (noch) im eiskalten See). Mehrere Wochen lang mit anderen, wechselnden Menschen einen Raum zu Teilen. Es ist ok. All das sind Erfahrungen, welche mich lernen lassen. Ueber andere und ueber mich selbst.
Astrid und ich warten derweil auf die Franzoesinnen Priscilla und Lucie, die den Wagen haben, um Freunde zu besuchen. Astrid ist eine Berlinerin um die vierzig (schaetzungsweise, sie verraet es naemlich nicht) und ist nun seit drei Wochen bei Stephen. Sie ist verheiratet und hat einen Sohn im Erwachsenenalter. Sie verreist regelmaessig allein, was ihrer Beziehung jedoch nicht schadet, im Gegenteil. 2012 ist sie den Jakobsweg gelaufen, die letzte Woche begleite sie ihr Mann. Die grosse, schlanke Frau mit den langen, dunkelblonden Haaren wird am Montag zurueck nach Deutschland fliegen. Die beiden Maedels bleiben bis zum 12.10., danach kommt Aline, Anfang zwanzig, aus der Schweiz glaube ich. Ich bin gespannt wer noch kommt. Und welche Dynamik entseht. Jetzt laeuft jedoch meine Pc Zeit ab. Ich wuensche Euch allen, wo auch immer ihr seid, gute Erfahrungen, so viel Gluck im Unglueck, wie ich es immer wieder habe und Vertrauen in die Welt und vor allem in Euch selbst. Bis bald.

Yukon Reisetagebuch Update

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1.1000:17
Ich liege in einem der 5 Betten des Raumes eines rustikal chaotischen Hauses in Tagish. Unter meinem Bett schnarcht Tyson, ein 11 Jahre alter Colliemix, vor sich, gegenüber meines Bettes steht ein Doppelbett, in dem zwei Französinnen schlafen. Hinter mir ist das Bett von Stephen, unserem Gastgeber und um die Ecke neben der Küche schläft Astrid aus Berlin. Ich bin hier gestrandet und es ist ein guter, wenn auch sehr spezieller Ort, das fühle ich. Alles ist sehr voll und durcheinander und doch seltsam geordnet, gemütlich, belebt. Der geschätzte Endfünfziger Stephen hat ein warmes Herz, das merkt man sofort, wenn man in seine traurigen, jedoch von Lachfalten umrandeten Augen blickt, die schon vieles gesehen haben und seinen Worten lauscht, die er mit Bedacht wählt. Vermutlich könnte ich hier gut überwintern. Dumm bloß, dass ich vor knapp 5 Stunden meinen Rückflug für Montag in einer Woche gebucht habe…
18:16
Der Tag begann gut. Stephen und die anderen verließen das Haus um 7 Uhr früh. Ich blieb mit Tyson zurück und rief gleich die Condor an. Ich könnte meinen Flug noch stornieren. Juhuu. 40€ Gebühr, was soll’s. Dann machte ich Yoga, frühstückte, kochte Mittagessen vor, auch für die anderen, machte mich mit dem Generator vertraut und wusch ab, staubsaugte etwas, laß und erkundete dann mit dem Hund die nähere Umgebung um den See, Tagish Lake. Wunderschöne Gegend. Nachdem wir zurück waren machte ich mich wieder and Lesen, Tyson zu meinen Füßen. Dann war plötzlich eine Gruppe Mädels, auch mit einem Hund, vor dem Haus. Sie sahen aus, als ob sie Stephen kennen und suchen würden uns Tyson war ganz nervös also zog ich mir etwas über, ging ich runter und ließ den Hund raus, die Mädels waren schon wieder im Wald verschwunden ich hörte nur noch ihre Stimmen so etwas wie „Hey, Tyson“ rufen und ihr Hund schaute mich argwöhnisch an und machte dann kehrt. Ich warte kurz ob sie noch einmal kämen doch schon waren sie weg und ich rief Tyson, der kurz zurück kam sich aber dann vor dem Haus umdrehte und wieder im Wald verschwand. Ich rief und suchte mehrmals die Gegend ab aber alle waren verschwunden. Seit dem sitze ich hier, warte, lese.. der Generator geht auch nicht mehr an…

Die anderen kommen erst in 3,5 Stunden. Ich mache mir ernsthaft Sorgen…
2.10.17

00:30

Ich liege in meinem Bett unter dem Schlafsack und lasse den Tag Revue passieren. Eines der französischen Mädchen fragte mich bei deren Heimkehr gegen halb 10, ob ich mich nicht gelangweilt habe, den ganzen Tag hier so alleine. Ha ha… schön, wenn es so gewesen wäre.

Gegen 18 Uhr wurde meine Sorge um Tyson dermaßen groß, dass ich eine dritte Suchrunde startete und nun auch die Nachbaranwesen abklapperte. Seltsamerweise schienen viele von Ihnen nicht zu Hause zu sein, zumindest reagierte zuerst niemand auf meine Klopfversuche an diversen Türen und auch nicht auf meine lauten „Hello“-Rufe auf den Grundstücken. Ein Nachbar ging sogar während ich unter seinem Balkon stand und ihm zurief einfach laut hustend ins Haus und ignorierte mich. Schon seltsam, dachte ich mir und mich beschlich ein ungutes Gefühl also beschloss ich, jetzt besser auszuwählen, welche Nachbarn ich fragen wollte, ob sie Tyson gesehen hätten. Die Grundstücke sind alle sehr groß, meist stehen mindestens drei Autos darauf von denen immer einer ein großer Pickup ist und die anderen meist eher so aussehen, als ob sie ein Ersatzteillager für diesen darstellen. Eigentlich könnte jeder zweite hier auch Schrotthändler oder Automechaniker sein. Dann steht ein großes Haus auf dem Gelände, oft noch ein paar kleinere Cabins drum herum, viel Werkzeug, Geräte etc., manchmal ein Kanu oder ein Motorboot. Ich wählte ein Anwesen aus, dass ziemlich gepflegt aussah und mich zur Abwechslung nicht an „Texas Chainsaw Massacre“ (meinen ersten Horrorfilm mit 11) erinnerte und klopfte an. Ein schätzungsweise Ende dreißig jähriger, humpelnder Mann bat mich sofort nachdem ich ihm meinen Namen und den Grund meines Besuchs nannten ihn hinein und stellte sich mir als Luc* aus Frankreich vor. Er erzählte mir dann allerlei Dinge über den Hund, der ihn wohl regelmäßig besuche, dass ich mir keine Sorgen machen müsse und was ich denn bei Stephen wolle, der sei doch nicht ganz normal, immer nur junge Frauen bei sich, rede nie mit den Nachbarn usw.. Ich sagte ihm, dass er sicher seine Gründe habe und ja, dass es bestimmt etwas komisch sei aber dass er sehr nett ist und jeder Mensch seine Geschichte hat und das auch spannend ist und ich mich auf jeden Fall sicher und gut dabei fühle, hier zu bleiben. Wir verabschiedeten uns und ich ging zurück zum Haus, nicht ohne die Stör für Tyson aufzulassen. Es stank fürchterlich nach Gas aber ich konnte am Herd nichts feststellen, was an war. Später sollte sich herausstellen, dass die Ganze Zeit Gas entwich und ich eigentlich ein Riesen Glück hatt, da ich auch Kerzen anzündete etc.

Als Stephen und die anderen gegen halb 10 ankommen, geht gerade der Alarm der Bqtterie an. Super! Also alle Lichter aus und dann Stephen erklären, dass der Hund weg ist, der Generator nicht läuft, alles nach Gas stinkt.. und „ach ja übrigens, ich bleibe doch 6 Wochen“…

Astrid hilft mir dann den Hund suchen, den wir letztendlich bei Nachbarn, die Barbecue machen und in paar Straßen weiter doch noch finden. Melanie, eine ehemalige Helferin von Stephen ist wohl zu Besuch, hat den Hund gesehen und mitgenommen, Sonntags ist ja meist keiner zu Hause. Der Generator, stet sich später heraus, ist innen drin mit Benzin voll, weil ich den Choker nicht sofort wieder aus gemacht habe (bei dem letzten Hof war es so, dass der abblieb) und das Gas kam heraus, da der Backofen Gas freigibt, wenn man ihn auf off stellt statt den Knopf ein Stück weiter rechts zu positionieren. Ich koche also das Abendessen für die anderen auf den Campingkocher ( das andere Gas ist ja jetzt leer…) Würze etwas zu scharf für die anderen und Berichte von meinem „ langweiligen“ Tag.

Gut ist, ist alles nicht schlimm, ich bin ja nicht in die Luft geflogen, der Hund ist da, Generator repariert. Schlecht ist, dass mein Rückflug über Island im Dezember bereits gecancelt ist und ich nicht weiß, wie ich dann heimkomme ohne Geld und bereits heute durch ein Telefonat mit Icelandair 30€ für die Warteschleife zahlen darf. Egal. Jetzt bin ich müde. Ich habe mir Astrid noch lange geredet über alles Mögliche. Sie ist eine sehr interessante Frau, dazu aber morgen mehr. 

Update Reisetagebuch Yukon

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27.9.17

Ich habe entschieden, meine Gastfamilie zu verlassen. Es war nicht der richtige Ort für mich und vermutlich hatten wir unterschiedliche Vorstellungen von Arbeit für Kost und Logis aber ich bin dankbar für die Erfahrung und werde insbesondere die Kids und die Hunde vermissen.

Gestern Abend kam ich mit Sofía recht spontan und ungeplant nach Whitehorse, ich werde jedoch Samstag nach Tagish wechseln, was der ursprüngliche Plan war, der in den letzten Tagen entstand.

Gerade als wir aus dem Auto ausgestiegen sind, gucken wir zufällig hoch und der ursprünglich bewölkte Himmel zieht auf, Nordlichter erscheinen. Dann sind wir wieder ins Auto und um die Ecke auf einen Hügel und es ging total ab! Wir konnten nur lachen und ich hatte das Gefühl ständig tanzen zu müssen. Erst waren es nur grüne, dann auch rosane Streifen, die sich zu Wellen umformten, dann Striche, alles ständig wechselnd…Wahnsinn! Und auch Sofía war begeistert, obwohl sie ja ständig welche sieht, als Abgestellte der Arcticrange. Die Lichter waren überall um uns über uns..es war magisch! Ich wäre fast erfroren, weil ich ewig so starrte und lachte und gar keine Jacke anhatte. 
Jetzt liege ich auf dem Bettsofa in der Wohnküche, um die Ecke knuspert glaube ich eine Maus an der Wand, Sofías Mitbewohnerin schnarcht schon und bekommt mich dann morgen früh zu sehen und ich habe gerade ein „normales Klo“ benutzt und finde es komisch.. Ich habe mir die Hände und das Gesicht mit Salbe eingerieben, die mir der Sohn der Gastfamilie aus Pinienharz selbst gemacht hat und vermisse ihn schon ein wenig. 
28.9.17

Heute konnte ich ausschlafen. Nach dem Aufwachen fühlte ich mich nicht gut, und ich überlegte den ganzen Tag, zurück nach Deutschland zu fliegen. Ich muss mich bald entscheiden, denn der Flug, den ich mir leisten kann, ist sicher bald weg. Danach gibt es keine Option mehr bis zu meinem regulären Rückflug im Dezember, denn dummerweise sind mein Flüge weder erstattungsfähig noch umbuchbar. Selbst schuld, ich weiß. Es fühlt sich einfach nicht an, als ob Kanada der „Place to be“ für mich ist für solch eine lange Zeit. Trotzdem sammle ich viele Erfahrungen. Ich habe das harte aber naturverbundene Leben einer Schweizer Familie im Yukon kennenlernen können, den Chilkoot Pass gemacht, Nordlichter bewundert, eine wundervolle chilenische Gastgeberin kennen gelernt und heute mit ihrer ebenfalls sehr netten Mitbewohnerin einen schönen Spaziergang gemacht (endlich mal eine echte Kanadierin, allerdings aus Quebec, wo es laut ihr wieder ganz andere Menschen sind) und Samstag werde ich zu Stephen nach Tagish gehen, den ich über Workaway gefunden habe und dort auch noch mindestens zwei Wochen Erfahrungen sammeln. Reicht das nicht? Ich vermisse Freiburg, meine Menschen, den Schwarzwald, die Seen, unseren Herbst… das klingt vielleicht verrückt aber ich bin sehr zufrieden in meiner Heimat, ich liebe die Umgebung und die Öffnung nach Süden Richtung Frankreich, Spanien, Portugal, Marokko. Es macht mich glücklich und vermittelt mir ein Gefühl der kompletten Freiheit, überall hin mit meinem Rad zu fahren. So vieles, das ich liebe. Den Markt. Unsere Ökomentalität. All das. Und ich möchte etwas Neues beginnen, in Freiburg. Für Freiburg. 

Muss ich Vancouver sehen? Muss ich nach Island? Heute frage ich nicht mich, denn ich weiß es nicht. Wer das liest darf mir gern einen Kommentar hinterlassen. Ich bitte sogar darum! Was meint ihr?

Eine Chilenin im Yukon

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24. 9. 17. (Tag der Wahl…)

Heute habe ich Sofía kennengelernt. Ich habe sie auf CouchSurfing kontaktiert, da ich dachte, es wäre schön, jemanden kennen zu lernen, mit dem ich mich etwas austauschen kann. Tatsächlich fühle ich mich etwas einsam, auch wenn die Gastfamilie sehr freundlich ist so ist es doch ein geschlossenes System für sich und ich bin nur vorübergehender Helfer hier. Sofía kommt ursprünglich aus Chile, ist in meinem Alter und arbeitet für eine Tourenagentur, welche Nordlichter mit ihren Kunden „jagt“. Diese Nacht soll es übrigens welche geben, ich werde wachen, auch wenn es morgen früh wieder an die Arbeit geht 😉
Sofía kam extra aus dem 60km entfernen Whitehorse, um mich zu besuchen. Wir gingen mit drei der Hunde ein paar Stunden spazieren und redeten ununterbrochen über uns, Kanada, die Welt und unsere Erfahrungen im Ausland, Menschen, Mentalitäten uvm..Es war total schön und tat richtig gut! Ich bin sehr froh, eine so lebenslustige, offene und interessante Persönlichkeit kennen zu lernen und freue mich schon jetzt auf ein Wiedersehen…

Chilkoot Trail

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Vorwort
Ich bin dieses Jahr zum ersten Mal in Kanada und arbeite für Kost und Logis für eine Familie, welche im Yukon ca. 60 km von Whitehorse Trekking- und Kanutouren anbietet und Cabins vermietet.

Den Chilkoot Trail habe ich gemeinsam mit dem Gastvater und Guide, einem Bordercollie sowie drei Gästen, welche auch seine Freunde sind, bewältigt. Die Männer sind schätzungsweise alle Mittvierziger. Wir haben den Trail eine Woche nach Schließung gemacht und waren somit immer die einzigen in den Camps, was luxuriöse aber auch etwas gruselige Verhältnisse für mich waren. Zuvor haben wir uns telefonisch (da der Trail geschlossen ist) registriert und uns an der Grenze in Alaska Aufenthaltsgenehmigungen für die USA für drei Monate besorgt (Kosten 6CAD), da wir einen Teilnehmer in Skagway abgeholt haben, der den wunderschönen White Pass mit der Eisenbahn gefahren ist. Zudem führt der Trail über die Grenze also Pass nicht vergessen!

Der Chilkoot Trail ist eine ehemalige Goldgräberroute und es finden sich auf dem Weg allerlei Informationen zu den einzelnen Camps, ehemaligen Städten und Geschehnissen. Da diese Infos zuhauf im Internet zu finden sind und ich sie hier nur wiedergeben würde, verzichte ich darauf und beschränke mich auf meine persönliche Reiseerfahrungen und gebe hier auch mein Inneres Erleben wieder. Wer also einen geschönten Reisebericht sucht, ist hier eventuell falsch.


Aus Datenschutzgründen werde ich bei diesem Bericht keine erkenntlichen Bilder und Namen von Personen teilen. Bitte habt Verständnis.

Tag 1 (12.9.17) Dyea – Finnegan’s Point – Canyon City

Wir kommen gegen Mittag in Dyea an. Vollgepackt mit allem, was man so braucht um in der kalten Jahreszeit zu wandern, geht’s los. Der Weg führt durch urigen und üppigen Regenwald und ich genieße die ungewohnt feuchte Luft hier, denn im Yukon musste ich mich erst einmal an die trockene Luft gewöhnen. Alles ist grün, moosig, matschig. Schön! Die Männer marschieren zügig und damit wird schnell klar, dass dies nicht so sein wird, wie ich es üblich handhabe zu wandern. Ich bin gespannt.

Zwischendurch passieren wir immer wieder kleine Brücken und Stege und ich verfluche jetzt schon die rutschigen Sohlen meiner undichten Wanderschuhe. Naja..

Gegen Nachmittag kommen wir in Canyon City an, wo ich mein Zelt direkt am Fluss aufbaue.

Nach dem Abendessen geht es früh ins Bett. Ich schlafe schlecht, träume von räuberischen Bären und wache oft auf.

Tag 2 (13.9.17)  CanyonCity – Pleasant Camp –  Sheep Camp
Heute nach nur 8,5 km Sheepcamp am frühen Nachmittag erreicht. Im Gegensatz zu gestern fand ich es nicht anstrengend, ich bin auch kaum noch erkältet. Jetzt sitze ich an warmen Holzofen in einer der Hütten und der Hund döst zu meinen Füßen. Der Weg heute war wundervoll, moosig, viele Pilze und Flechten, unzählige, mir unbekannte Pflanzen. Wirklich schön, wenngleich wir für meine Verhältnisse ziemlich sportlich unterwegs waren. Und jetzt haben wir hier umso mehr Zeit aber so ganz allein traue ich mich nicht in dem Wald, nach der letzten Bärentraumnacht.. mit den Männern ist es eigentlich ganz nett, auch wenn es für mich immer noch sehr schwierig ist, einzuschätzen, was Spaß und was Ernst ist und manche „Witze“ finde ich definitiv nicht lustig.. und dann kommt natürlich der Respekt (und vielleicht auch ein wenig Angst) vor dem Guide hinzu. Aber das ist mein eigenes mich unter Druck setzen. Ich frage mich, wie es geworden wäre, wenn die Gastmutter den Trail (wie ursprünglich geplant) geleitet hätte. Sie fehlt mir.

Nach dem Abendessen sitzen wir zusammen vor dem Feuer in der Cabin. Nach mehrmaligem Ablehnen probiere ich den Whisky doch, er schmeckt gut aber ich mag trotzdem nicht mehr. Ich lausche den Gesprächen der Männer und während ich ins mich stets faszinierende Feuer starre, rauschen vor meinem inneren Auge unzählige, unvergessliche Momente vorbei. Lagerfeuerabende mit den Wildniswanderleuten, singend und mit toller Stimmung. Leos Geburtstagsfeuer, welches mich zu meinem ersten Cello führte, Feuer mit Leo und Marc im Spanien am Strand und ich dann später allein dort schlafend, im Regen und doch geschützt unterm Tarp auf einem Felsbrocken, das Rauschen der Wellen in den Ohren. „Mein“ Minifeuer in Portugal, das erste Feuer mit Moritz am Rhein, dann, ein andermal mit Marc und ihm am Ruhrsee, versteckt hinter Schieferplatten, die springen konnten. Wir schliefen trotzdem daneben. Es war uns egal. Feuer. Ich liebe es.


Heute schlafe ich auf einer Bank in der offenen Gemeinschaftshütte, von meinem Platz aus kann ich den Sternenhimmel sehen.

Ich bin gespannt auf die Überquerung des Passes morgen..

Tag 3 (14.9.17) Sheep Camp – The Scales – Chilkoot Pass (1067m) – Happy Camp – Deep Lake


Ich bin tot.
Heute morgen ging es nach einer kalten Nacht gegen 8 los in Sheepcamp und was mich dann erwartete, war für mich glaube ich das anstrengendste, was ich je gemacht habe. Es ging über den Pass zum Gipfel, steil durch Steinwüste im Nebel. Ich glaube ich hatte selten so Angst im Leben. Meine Höhenangst gepaart mit dem Wind, der mich schwanken lies und der Rucksack der mich stets nach hinten zog, dazu die schlechte Sicht. Immer wieder fürchtete ich, die anderen zu verlieren, da ich sie kaum sah und ich bewegte mich nur kletternd, während die Männer fast durchgehend aufrecht über das Geröll wanderten. Ich kam mir etwas dumm und schwach vor aber das Gefühl am Gipfel war unglaublich.
Leider machten wir dort nur kurz Pause, für mich hatte das Stück für heute gereicht. Ich war so oft ausgerutscht und umgeknickt, dass ich nicht mehr wusste, was an mir überhaupt noch heil ist. Es ging weiter nach HappyCamp aber auch dort wollten die Männer nicht bleiben also weiter nach Deep Lake. Hier ist es tatsächlich schöner. Dort liege ich nun in meinem Zelt, draußen war es mir zu kalt, mit nassen Füßen, aber endlich liegend.

Ich habe Angst, dass ich morgen noch mehr Schmerzen habe und nicht laufen kann aber wegen der Bären kann ich mich jetzt abends nicht mit Voltaren einschmieren, das könnte sie anlocken. Ich stinke und es sind noch zwei Tage. Was gäbe ich jetzt einfach für einen warme Waschlappen und frische Wäsche? Ich muss schon sagen, dass ich nicht erwartet hätte, dass es so anstrengend für mich wird und auch nicht, dass die Kälte so einen riesigen Einfluss auf meine Leistung hat. Trotzdem bin ich stolz, auch wenn ich den Männern wohl ein Klotz am Bein bin. Vielleicht ist es aber auch ganz gut, dann können sie sich stärker fühlen 😉 und ich bin angespornt, über mich hinaus zu wachsen…Und es war ein sehr schöner Weg nach dem Pass. Der Nebel zog langsam über dem Gletscher weg und dann sah man oben den Schnee, auf der anderen Seite kam die Sonne durch und schien auf die grünen Gipfel in der Ferne, in der Mitte der nun nicht mehr felsige Weg, kleine Wasserfälle und dann der erste See. Später überall Blaubeerbüsche, welche den Weg säumten und der Ausblick auf weitere Seen, sogar zwei weiße Bergziegen in der Ferne. Herrlich. (Natürlich ging meine Handykamera genau da nicht..)

Wie mir Marc und Moritz fehlen, mit denen ich längst fünf Kaffeepausen in der Zeit gemacht hätte. Oder Leo, mit der ich auf jedem Gipfel erst einmal gesungen hätte. Oder Kristin. Ihr alle. Fehlt. Ich fühle mich fremd auch wenn die Männer auf ihre Art sehr nett sind, sie verstehen meine vegane Lebensweise nicht, auch wenn sie interessiert nachfragen, was aber immer wieder zu leichten Dikussionen führt und ich habe noch nicht gelernt, wie ich damit für mich gut umgehen soll. Aber es ist gut, auch wenn ich es gern viel mehr genießen würde. Ich lerne viel über mich, Menschen im Allgemeinen. Und es ist spannend, den Trail zu machen obwohl er geschlossen ist. Wir haben bisher nur einmal andere Menschen getroffen, gestern in Alaska, das waren aber Ranger. Luxus, den Trail so leer zu genießen und auch kein Regen bisher. Ich bin schon am richtigen Ort nur hoffe ich, dass ich die anderen nicht zu sehr verärgere und einfach nach diesen Tagen gut auf dem Hof anpacken kann ohne allzu viele Verletzungen.
Jetzt liege ich hier, höre die Stimmen meiner mir so fremden Begleiter im Hintergrund und fühle mich sicher, ich mag sie alle doch, und wenn jetzt ein Bär käme, wäre es mir auch grad egal (denke ich ;))

Ich warte, dass die Sonne untergeht, während ich dem lauten Rauschen des Windes lausche.

Tag 4 (16.9.17) Deep Lake – Lindeman City – Bare Loon Lake

Ich stehe viel zu früh auf. Ich hatte es so verstanden, dass wir um sieben aufstehen was wohl ein Missverständnis war. Ich kann diese Menschen noch nicht gut oder richtig lesen und fühle mich permanent unter Druck. Wie soll ich damit umgehen? Beim Frühstück möchte ich etwas erzählen, Berichte von den Füchsen auf Korsika und dem Fuchs, der mich nachts nicht in Ruhe lies. Bis auf einen glauben sie mir nicht. Und ich soll nicht so viele Schichten tragen, ich friere jedoch noch, da wir uns noch kaum bewegt haben. Die Männer haben ja die Erfahrung. Und ich, kenne ich meinen Körper etwa nicht? Und nur, weil ich viel Wissen von anderen und aus Büchern habe, ist das gleich falsch? Ich kämpfe mit den Tränen aber sage mir immer wieder, dass es vorübergehend ist und ich dabei etwas lernen soll. U d ich weiß, sie meinen es nur gut mit mir. Trotzdem. Es ist anstrengend. Und so ermüdend.. sicher nicht nur für mich, ich weiß..

Später frage ich nach einer zweiten Ibuprofen, gegen die Schmerzen im Knie, damit ich mithalten kann. Der Guide sagt, ich würde Tabletten in rauen Mengen schlucken. Dabei tue ich das nur, weil ich nicht will, dass ich noch mehr hinten dran hinke. Wer mich kennt, weiß, dass ich Tablettengegner bin. Aber er glaubt mir wohl nicht oder macht sich Sorgen, schließlich trägt er die Verantwortung…schwierig, wir kennen uns noch zu wenig und die Situation ist verzwickt. Ich sollte dem nicht zu viel Gewicht beimessen und lernen, mich nicht gleich angegriffen zu fühlen. Aber nun zum „Äußeren“ erleben:

Heute ist der Weg leicht, eine Weile kann ich vorne laufen. Die freie Sicht und das sonnige Wetter motivieren mich. Der Weg ist wunderschön, es geht noch etwas bergauf aber immer wieder Aussicht auf den See oder lichten Wald und abgerundete Felsen. Wenn ich vorne gehe kann ich singen. Später, in Bare Loon, werde ich weit zurück gehen, allein, und viel und laut singen.

 Und an die Menschen denken, die fehlen. Die mich kennen und verstehen. Ich sie singe so laut wie selten. Ich weiß, kein Bär wird mir etwas tun. Ich werde beschützt. Und egal wie das hier ausgeht, mein Weg wird gut. Egal wohin er führt.
Abends reden die Männer, als ich schon im Zelt liege. Über mich? Ich glaube es zu hören und schlafe nicht gut. Liege noch drei Stunden wach und wache später oft auf. Zu viele Gedanken.
Tag 5 (16.9.17) Bare Loon Lake – Log Cabin

Wir stehen gegen halb 8 auf, frühstücken. Gegen 9 geht es dann los. Zwischendurch müssen wir durch zwei schmale Flüsse, den Männern reicht das Wasser bis knapp übers Knie, ich gehe barfuß und in Unterhose, die trotzdem nass wird. Egal, heute muss es nicht mehr warm werden, es ist die letzte Etappe. Und irgendwie fühlt es sich gut an, das eisige Wasser. Meine Wanderschuhe sind schon vorher nass geworden, deshalb laufe ich mit Barfußschuhen. An sich kein Problem, beim Laufen werden die Füße warm, ich liebe die Schuhe, aber der Rest des Weges führt auf Bahngleisen entlang und nach knapp 9km macht das keinen Spaß mehr.
Gegen 12 kommen wir in Log Cabin an, wo der Van auf uns wartet. Ich freue mich auf die Gastmutter. Und die Kinder. Und die Tiere. Nur nicht auf den Hahn. Na gut, vielleicht ein bisschen..