Atmen

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Und ich denke noch immer viel zu oft an Dich,

Unfreiwillig ,

In den unwirklichsten Momenten.

Gerade, wenn ich dachte, es sei endlich vorbei.

Und ich hasse es.

Ich weiß, ich sagte, ich kenne keinen Hass

aber auch Du sagtest so viel, so viel,

Und was davon war wirklich?

Lass mich los! Ich bitte Dich, lass mich frei!

Bitte, lass mich atmen!

Ich lass Dich noch nicht los, doch ich lasse Dich frei.

Und ich atme auf,

wenn auch nur für einen Moment.

Marokko 2020 / 3

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Tag 3 Agadir-Taghazout-Agadir

(English translation below)

An unserem dritten Tag fahren wir mit dem öffentlichen Bus in das eine halbe Stunde Fahrt entfernte Taghazout, eine Surferhochburg voller bunter Szenecafés und Restaurants.

Wir spazieren entspannt den Strand entlang und lassen uns danach im Café Moula nieder. Hier gibt es sehr nette Kellner, frische, unglaublich leckere Smooties, verschiedene Speisen und sogar Sojamilch im Café. Zudem haben wir einen herrlichen Ausblick auf den Atlantik. Die Atmosphäre ist sehr angenehm und wir fühlen uns entspannt und angekommen.

Später kaufen wir uns Badekleidung, da wir unsere vergessen haben und schwimmen im Meer.

Mit dem Sammeltaxi geht es zurück nach Agadir, wo wir auf dem Souk Lebensmittel für das Abendessen einkaufen.

Gut gesättigt vom Essen und den heutigen Eindrücken sowie einem nächtlichen Strandspaziergang geht es dann zufrieden ins Bett.

Day 3 Agadir Tagout-Agadir

On our third day we take the public bus to the half hour drive away Taghazout, a surfers place full of colorful sceneecafés and restaurants. We walk relaxed a the beach and then we go to Café Moula. There they have very nice waiters, fresh, incredibly delicious smooties, various food and even soy milk in the coffee. In addition, we have a magnificent view of the Atlantic Ocean. The atmosphere is very pleasant and we feel relaxed and like we internally arrived.

Later we buy bathing clothes, as we have forgotten ours, and swim in the sea.

With the collecting taxi it goes back to Agadir, where we shop on the Souk food for dinner. Well saturated from the food and today’s impressions as well as a nightly beach walk, it goes to bed.

Marokko 2020 / 2

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Tag 2 Agadir

(English translation below)

An Tag zwei genieße ich erst einmal das schwimmen im Pool, nicht ohne einige verwunderte Blicke zu erhalten. Das Wasser ist eiskalt, vergleichbar mit der Temperatur eines deutschen Sees im März, doch ich mag das. Danach treffen wir Jamal, unsere Reiseleitung, von der wir bisher nichts wussten. Er gibt uns einige Infos über Agadir, u.a., dass die im Dunkeln leuchtende Schrift auf dem angrenzenden Berg „Gott, Heimat, König“ bedeutet und wir buchen eine Tour für den vierten Tag, in der Hoffnung, dass sie nicht allzu touristisch sein wird.

Später am Tag gehen wir an den Strand Agadirs und begrüßen das neue Jahr und den Atlantik in Badekleidung. Ich fühle mich etwas unwohl aufgrund all der Blicke der verschleierten Menschen aber vermutlich finden sie es nur ungewöhnlich, dass wir zu dieser Jahreszeit baden.

Es ist schön, den ersten Tag des Jahres so unspektakulär und doch intensiv zu erleben, ebenso, wie wir gestern Nacht das eine große, öffentliche Feuerwerk am Strand nur kurz von unserer Terrasse bestaunten, um kurz darauf schlafen zu gehen.

Day 2 Agadir

On day two, I enjoy swimming in the pool, not without some surprised looks from others. The water is freezing cold, comparable to the temperature of a German lake in March, but I like that.

Then we meet Jamal, our tour guide, from which we did not know anything so far. He gives us some info about Agadir, for example that the writing on the hilliest the sea means „God, home, king“ and we book a tour for the fourth day, hoping that it will not be too touristic.

Later at the day we go to the beach and welcome the new year and the Atlantic in bathing clothes. I feel a bit uncomfortable due to all the looks of the veiled people but probably they just find it unusual that we take a bath at this season. It’s nice to experience the first day of the year so unspectacular and intensive at the same time, as well as we watched the large, public fireworks on the beach last night from our terrace and went to sleep thereafter.

Marokko 2020

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Tag 1 Leipzig-Agadir

(English translation below)

Nach knapp 4 Stunden Flug erreichen wir den Flughafen Agadir. Dort werden wir bereits königlich von Fotografen und zu Trommelklängen tanzenden Menschen empfangen, denn offensichtlich saß in unserem Flugzeug Marokkos 2 000 000 er Fluggast. Die Luft ist angenehm kühl aber die Sonne dringt warm durch meine Kleidung zu meiner Haut. In der Vorhalle des Flughafengebäudes ist eine große Tafel mit marrokanischem Gebäck und dem landestypischen, zuckersüßen Minztee aufgebaut. Es ist laut und trubelig und ein für mich gerade etwas zu intensiver Tapetenwechsel und ich schicke ein kurzes Dankgebet zum Himmel, dass nicht ich der zweimillionste Fluggast bin und wir holen unsere Koffer vom Gepäckband. Erst einmal ankommen. Auch innerlich.

Mit dem Bus fahren wir vorbei an kargen Straßen und Vororten, die einer einzigen großen Baustelle gleichen, in Richtung Appartement. Überall liegt viel Müll aber ich entdecke auch Ziegen, Dattelpalmen, Arganbäume und erinnere mich wieder an die kontroverse Schönheit dieses Landes, welche mich bereits vor vier Jahren so nachhaltig angezogen hatte.

Unser Appartement liegt direkt an der Zufahrt zur Avenue du Mohammed V und die Umgebung ist sehr touristisch geprägt durch unzählige Bars, Restaurants, Kiosks, Wechselstuben sowie Geschäfte aber von der Terrasse des Appartements aus hat man einen unglaublichen Blick über all das, direkt auf den ungestümen, nur zehn Gehminuten entfernten Atlantik.

Das Appartement ist geräumig, jeder hat sein eigenes Zimmer und an die unzähligen Mitbewohner in Form von winzigen Ameisen werde ich mich in den nächsten Tagen schon gewöhnen.

Es gibt einen mit Meerwasser gespeisten Pool, der ausreichend groß ist, um darin richtig zu schwimmen und das Personal ist ruhig aber freundlich.

Wir packen aus und machen uns direkt auf den Weg zum Souk, dem großen Bazar für Lebensmittel, Kleidung und Haushaltswaren, also eigentlich für alles. Bereits auf dem Weg dorthin werden wir mehrfach angesprochen von Männern, die uns den Weg weisen möchten, nicht ohne dafür ein paar marokkanische Dirham zu ergattern. Wir ignorieren sie gekonnt, jedoch mit ungutem Gefühl. In den nächsten Tagen werden wir uns daran gewöhnt haben und gelassen mit einem Lächeln und einem „La Choukran“( Nein Danke) unseres Weges gehen aber zunächst müssen wir uns ersteinmal an die andere, oft unverblümte Mentalität dieses Landes gewöhnen.

Der Souk empfängt uns bunt, lebendig laut und mit allerlei Gerüchen.

Wir kaufen für einen Spottpreis Mandarinen, Grapefruits, Gurken, Tomaten und weiteres Gemüse und landen bald an einem Gewürzstand. Einer der Verkäufer lädt uns zum Tee ein und da wir nicht unhöflich sein wollen, trinken wir Berbertee und lernen nebenbei all seine Kräuter, Gewürze, Seifen, Kosmetik sowie deren Wirkung kennen (u.a. einen Tee mit dem man anscheinend pro Tag ein Kilo abnimmt, vermutlich vergaß der nette Herr jedoch hinzuzufügen, dass man dazu nichts essen darf ;)).

Nach einer gefühlten Ewigkeit verlassen wir den enttäuscht blickenden Händler mit nur vier, für hierzulande verhältnismäßig überteuerte Gewürztütchen. Das Handeln werden wir erst im Laufe der nächsten Tage verinnerlichen.

Zurück im Hotel naschen wir von den herrlich aromatischen Früchten und lassen dann den Tag bei einem barfüßigen Strandspaziergang mit kurzem aber grandiosen Sonnenuntergang ausklingen.

Willkommen in Marokko!

Day 1 Leipzig-Agadir

After a flight of almost 4 hours we arrive at Agadir Airport. There we are already being welcomed royally by photographers and people dancing to drum sounds, because obviously there was the 2,000,000 st passenger on our Plane.The air is pleasantly cool but the sun comes warmly through my clothes to my skin. In the lobby of the airport building there is a large table with Moroccan pastries and the typical, sugar-sweet mint tea. It is loud and a change of scenery that is just a little too intense for me and I send a short thank you to heaven that I am not the two millionth passenger and we get our bags from the baggage carousel. Arrive first. Also internally.

By bus we drive past barren streets and suburbs, which resemble a single large construction site, towards the apartment. There is a lot of rubbish everywhere, but I also discover goats, date palms, argan trees and I remember the controversial beauty of this country, which had attracted me so sustainably four years ago.

Our apartment is right on the driveway to Avenue du Mohammed V and the surrounding area is very touristy with countless bars, restaurants, kiosks, exchange offices and shops but from the terrace of the apartment you have an incredible view of all of this, of the Atlantic, which is just ten minutes away.

The apartment is spacious, everyone has their own room and I will get used to the countless roommates in the form of tiny ants in the next few days.

There’s a sea-water pool that’s big enough to swim in, and the staff is quiet but friendly.

We unpack and head straight for the souk, the large bazaar for food, clothing and household goods, so basically everything. Already on the way there we are addressed several times by men who want to show us the way, not without getting a few Moroccan dirhams. We skilfully ignore them, but with a bad feeling. In the next few days we will have got used to it and go our way with a smile and a “La Choukran” (no thanks) but first we have to get used to the other, often blunt mentality of this country.

The souk welcomes us colorful, lively and with all kinds of smells.

We buy mandarins, grapefruits, cucumbers, tomatoes and other vegetables for a ridiculous price and soon end up at a spice stand. One of the vendors invites us to tea and since we don’t want to be rude, we drink berber tea and learn about all of its herbs, spices, soaps, cosmetics and their effects (including a tea with which you apparently lose to pounds a day, probably the nice gentleman forgot to add, however, that you are not allowed to eat anything;)).

After what seems like an eternity, we leave the disappointed-looking trader with only four spice bags, which are relatively overpriced in this country. We will only internalize our actions over the next few days.

Back at the hotel we snack on the wonderfully aromatic fruits and then end the day with a barefoot beach walk with a short but magnificent sunset.

Welcome to Morocco!

Ein weißes Blatt Papier

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Ich wäre gern so wie ein weißes Blatt Papier

Rein und unbeschrieben

Leer und ahnungslos

Und so voller Möglichkeiten.

 

Ich wäre gern so wie dieses weiße Blatt Papier

Auf dem jede Geschichte noch wahr werden kann,

kein Fehler, kein Fleck, keine Verletzung, kein falsches Wort.

 

Ich war einmal so, wie dieses weiße Blatt Papier,

das sich jetzt, Stück für Stück mit Worten füllt und selbst,

wenn ich sie radieren könnte, bliebe doch der Abdruck all der alten Geschichten.

 

Vielleicht ist kein Platz mehr, vielleicht ist schon zu viel geschrieben worden auf mir,

einem immer wieder recycelten Blatt Papier, doch was soll ich tun?

Solange ich atme, schreibe ich Geschichte, ob sie nun schön ist oder grausam.

 

Ich wäre gern für Dich dieses weiße Blatt Papier,

auf dem Du schreiben kannst, eine neue Geschichte.

Und ich schaute staunend dabei zu,

stumm,

um nichts mehr zu verwischen.

Monstertage Teil 3

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Die nächsten Wochen waren komplett Monsterfrei. Ich konnte wieder ganz normal das Haus verlassen. Kein Monster. Ich ging zur Arbeit. Kein Monster. Ich fing sogar wieder an, regelmäßig zu laufen. Nirgendwo ein Monster in Sicht. Und das verwunderliche an allem war, es machte mir Freude.

Ich hatte auf einmal wieder Lust, Menschen zu mir einzuladen und mich mit ihnen stundenlang bei einem Getränk auf dem Balkon oder einem Spaziergang im Freien zu unterhalten. Das Aufstehen fiel mir so leicht, dass ich kaum schlafen wollte, so sehr freute ich mich auf jeden neuen Tag. Bei der Arbeit lachte ich auf einmal wieder häufig und ich war dankbar für meine Kollegen. Nach der Arbeit war ich nie zu müde, um nicht noch mit dem Hund zum See zu fahren. Ich schwamm unendliche Bahnen und das Gefühl des kalten Wassers auf meiner Haut machte mich glücklich.

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Zu dieser Zeit begann ich, Dich häufiger anzurufen, und obwohl es Dir oft nicht gut ging, hatte ich das Gefühl, Dir etwas von meiner wiedergewonnen Lebensfreude mitgeben zu können.

Bald darauf besuchten wir uns häufiger. Mehr warst Du bei mir, denn so war die Chance größer, dass Dein Monster Zuhause blieb.

Und wir lachten zusammen. Schaukelten in Hängematten. Lagen uns in den Armen und küssten uns so eng umschlungen, dass da kein noch so kleines Monster zwischen uns Platz gehabt hätte.

Für mich war diese Zeit wie ein andauerndes Wunder.

Und kurz darauf, geschah tatsächlich eines, was ich mir zwar erträumt jedoch nicht getraut zu erhoffen hatte.

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Als ich Dir von unserem Wunder mitteilte, reagiertest Du verstört, denn Dein Monster redete Dir allen möglichen Unsinn ein, dass wir das nicht schaffen könnten und dass das, was in Wahrheit etwas echtes, gutes und zweifelsfrei wundervolles war, bedrohlich sei und nicht machbar wäre. Dabei brauchte es nur Liebe. Und Glaube. Und Hoffnung an das Gute. Alles Dinge, die Dir Dein Monster genommen hatte. Und die ich nun doppelt haben musste. Und so weinte ich viel, obwohl ich so unendlich dankbar war. Und als mein Monster auf einmal wieder in der Tür stand, verjagte ich es schreiend und hielt an diesem unglaublich starken Gefühl in mir fest, dass alles gut würde.

Doch je mehr wir redeten, desto mehr wankte ich, denn ich hatte auf einmal nicht mehr genug Kraft, gleichzeitig Dich und unser Wunder zu halten. Und es war so mühsam, immer wieder zu versuchen, Dir diese Freude in mir zu schenken, denn mein Lächeln, meine Worte, meine Liebe, sie prallten an Dir ab. Dein Monster baute eine große Mauer zwischen uns auf und während ich noch mit aller Kraft gegen diese ankämpfte, merkte ich nicht, dass eigentlich unser Wunder gerade all meine Kraft benötigte.

Und so lies ich es los.

Und es ging.

Still und doch kraftvoll verabschiedete es sich von mir. Ich nahm es hin. Nahm Abschied. Ich versuchte, Dich miteinzubeziehen. Du warst da.

Doch wie auch immer, auf einmal war ich der einsamste Mensch der Welt, neben Dir. In Deinen kalten Armen. Mit dieser riesigen, schwarzen Leere in mir, wo einst das Herz unseres Wunders schlug. Und um nicht ganz allein zu sein, ging ich zur Tür und öffnete meinem Monster, welches so groß und stark wie niemals zuvor auf mich gewartet hatte.

Das Monster umschlang mich mit seinen riesigen Pranken und ich versank einfach in ihm. Ich wurde wehrlos. Willenlos. Haltlos.

Ein Spielball des Monsters. Und es war mir alles egal.

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Dann machte ich einen großen Fehler, denn ich war nicht mehr ich. Ich war das Monster. Und ich hatte keine Freude verdient, denn ich hatte unser Wunder einfach nicht festhalten können. Und um mich zu bestrafen, lies ich Dich los. Und genauso kampflos wie ich, liest Du Dich fallen.

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Nun, ist dies das Ende? Eine trostlose Einöde, in der die Monster letztendlich siegen und wir irgendwann zu existieren aufhören, da wir eins mit Ihnen werden? Oder gibt es ein Happy End, einen Morgen, an dem wir aufwachen und unsere Monster sind einfach verschwunden. Endgültig. Und unser Leben ist rosig und bunt?

Ich glaube an keine dieser beiden Optionen. Doch in schlaflosem Nächten wie diesen, die voller scheinbar unerschöpflicher Tränen sind, schreibe ich diese Zeilen. Und da keimt von Zeit zu Zeit ein kleiner Funken Hoffnung in mir auf. Und diese Ahnung, dieses Erinnerung, dieser untrügliche Glauben an Dich. An uns. An Wunder. Denn bei all der Leere und der Dunkelheit und all den Tränen weiß ich doch aus Erfahrung, dass Wunder geschehen. Auch, wenn sie manchmal nicht so lange bleiben, wie wir es wünschen.

Und nicht nur unser Wunder geht mir nicht mehr aus dem Herzen. Auch Du bleibst ein Teil von mir. Auch Du bist eines meiner Wunder, vom ersten Moment an gewesen.

Trotz all meiner Fehlentscheidungen, halte ich Dich noch, auch wenn Du das nicht spürst. Und ich warte, nicht tatenlos sondern mit Kampfgeist, auf den Tag, an dem vielleicht wieder ein Wunder geschieht. In mir. In Dir. Oder in uns.

Und solange ich daran festhalte, wird das Monster nie ganz gewinnen.

Hoffnung ist stärker als alles. Und ist sie noch so klein. Und ich habe nicht nur sie. In mir sind Hoffnung,  Glaube und Liebe. Und somit bleibe ich unbesiegbar.

Monstertage Teil 2

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Das Monster war also zurück. Vielleicht hatte  es mich auch nie wirklich verlassen und mir war durchaus bewusst gewesen, dass so ein Monster nicht ohne ist und man sehr auf der Hut sein muss, gerade in Momenten, in denen man denkt, man sei nun sicher. Und trotzdem, ich konnte nicht verhindern, dass es wiederkam. Ich bemerkte es einfach nicht. Und von einem Moment auf den anderen stand es wieder vor mir. Es schien mir, als ob es nun stärker geworden war, als zuvor und so beschloss auch ich, stärker zu werden.

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Danach ging ich einmal die Woche zu einem professionellen Monstervertreiber und auch das half bis zu dem Zeitpunkt, an dem mir das Monster auch durch diese Tür folgte und dem Monstervertreiber unbeeindruckt die Zähne zeigte und sich mir auf den Sessel auf meinen Schoß setzte. Der Monstervertreiber redete ab da mehr mit dem Monster als mit mir. Und so nahm ich das Monster nun jedes Mal freiwillig mit, denn ich selbst hatte ja sowieso nichts mehr zu erzählen.

Oft kam ich aber auch gar nicht erst beim Monstervetreiber an, den das Monster kletterte sich an meine Beine und zigumich mit aller Kraft zurück ins Bett, wo es sich dann gemütlich auf meine Brust niederlies und vor sich hin döste. Während ic/ bewegungsunfähig war.

Kurz darauf hörte ich auf, das Monster zu sedieren, denn es brachte ohnehin nicht mehr, als dass ich selbst nicht ganz ich war und ich brauchte mein volles Bewusstsein, um dem Monster wach und selbstbewusst entgegen treten zu können. 

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An diesen Tagen begann ein kurzer, harter Kampf und ich fühlte mich schwächer als je zuvor. Das Monster weckte mich bereits früh morgens. Es hatte nun, da es nicht mehr ruhig gestellt war, offensichtlich neue Fähigkeiten erlangt, denn es drückte nicht einfach nur sein unerträglich schweres Gewicht auf mich, nein, es hatte tatsächlich gelernt zu sprechen. Mit teuflisch süßer Zunge flüsterte es mir die verrücktesten Dinge ins Ohr. Ich werde diese hier nicht wiedergeben, denn ich weiß ja, dass sie ohnehin nicht wahr sind aber ich gebe zu, es fiel mir schwer, die Worte des Monsters in meinem Kopf von meinen eigenen Gedanken zu unterscheiden. Und dann gibt es da ja noch die Wahrheit. Wer von uns hatte recht? Und was tun, wenn einem der andere so laut in die Ohren schreit, dass du dich selbst kaum mehr hören kannst? 

Ich versuchte mir meine Wahrheit immer wieder sanft aber nachdrücklich vorzusagen und so konnte ich die Stimme des Monsters zumindest ein wenig in den Hintergrund verschieben. Ich lenkte mich mit Arbeit ab, doch selbst dort kam das Monster nun mit. Es lies es laut knallen neben meinem Kopf, es rüttelte an mir und legte mir Gegenstände in den Weg, sodass  ich mein Gleichgewicht zu verlieren drohte. Es pustete Nebel aus, sodass es mir die klare Sicht nahm. Es versalzte mein Essen und Nachts lies es mich nicht schlafen. Doch ich wusste es wäre vorübergehend. Und ich wollte diesen Kampf unbedingt gewinnen.

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Und, was nicht zu verachten ist, da warst ja noch Du. Ich rief Dich an und erzählte Dir von dem Monster und wie es stärker geworden war und wie schwach ich mich fühlte. Und du hörtest mir zu. Du nahmst mich ernst. Und dann kamst Du zu mir. 

Es wirkte fast, als hättest Du Dein Monster für diese Zeit zu Hause gelassen. Zumindest an diesem einen Tag war es nirgends zu sehen. Und so lief ich mit Dir trotz Schwindel und Geschrei und den ganzen bösen Worten und Dingen und Gedanken im Kopf über mich, welche mir das Monster unaufhörlich einflüsterte. Wir liefen gemeinsam und ich ignorierte das Monster. Wir sprachen gemeinsam und das Monster schwieg auf einmal. Wir saßen gemeinsam und das Monster verkroch sich unter den Tisch. Wir lagen zusammen und das Monster blieb draußen. Und als wir am nächsten Morgen aufwachten, war mein Monster auf einmal verschwunden. 

Ich drehte mich zu Dir um und sah etwas kleines, unscheinbares auf Deiner Brust hüpfen. Du hattest die Augen noch geschlossen, warst noch halb im Traum versunken. Ich erkannte Dein Monster. Es war kleiner geworden und ich, so stark und monsterlos in diesem Moment, wollte es mit meinem Finger wegschnipsen. Ich beugte mich zu Dir, so nah, dass Dein Atem meine Haut berührte. Ich könnte fast Dein Löwenherz schlagen hören. Ich fixierte Dein Monster mit meinem Blick und hob die rechte Hand zum Angriff, doch da öffnetest Du schon Deine Augen. 

Ich sah die Leere in Deinem Blick, ich wollte sie füllen. Ich wollte Dich auffangen. Umarmen. Dich halten. Ich wollte Dir immer wieder sagen, dass jetzt alles gut würde. 

So streckte ich meine Hand zu Dir doch Du drehtest Dich nur von mir weg und ich sah, wie Dein Monster wuchs und wuchs und Du Dich ihm scheinbar kampflos ergabst. 

Kurz darauf fuhrst Du weg. Dein Monster saß fest angeschnallt auf dem Rücksitz. 

Mein Monster war anscheinend vereist. Doch ich fühlte mich hilflos, denn ich konnte Dir nicht helfen.