Update Reisetagebuch Yukon

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27.9.17

Ich habe entschieden, meine Gastfamilie zu verlassen. Es war nicht der richtige Ort für mich und vermutlich hatten wir unterschiedliche Vorstellungen von Arbeit für Kost und Logis aber ich bin dankbar für die Erfahrung und werde insbesondere die Kids und die Hunde vermissen.

Gestern Abend kam ich mit Sofía recht spontan und ungeplant nach Whitehorse, ich werde jedoch Samstag nach Tagish wechseln, was der ursprüngliche Plan war, der in den letzten Tagen entstand.

Gerade als wir aus dem Auto ausgestiegen sind, gucken wir zufällig hoch und der ursprünglich bewölkte Himmel zieht auf, Nordlichter erscheinen. Dann sind wir wieder ins Auto und um die Ecke auf einen Hügel und es ging total ab! Wir konnten nur lachen und ich hatte das Gefühl ständig tanzen zu müssen. Erst waren es nur grüne, dann auch rosane Streifen, die sich zu Wellen umformten, dann Striche, alles ständig wechselnd…Wahnsinn! Und auch Sofía war begeistert, obwohl sie ja ständig welche sieht, als Abgestellte der Arcticrange. Die Lichter waren überall um uns über uns..es war magisch! Ich wäre fast erfroren, weil ich ewig so starrte und lachte und gar keine Jacke anhatte. 
Jetzt liege ich auf dem Bettsofa in der Wohnküche, um die Ecke knuspert glaube ich eine Maus an der Wand, Sofías Mitbewohnerin schnarcht schon und bekommt mich dann morgen früh zu sehen und ich habe gerade ein „normales Klo“ benutzt und finde es komisch.. Ich habe mir die Hände und das Gesicht mit Salbe eingerieben, die mir der Sohn der Gastfamilie aus Pinienharz selbst gemacht hat und vermisse ihn schon ein wenig. 
28.9.17

Heute konnte ich ausschlafen. Nach dem Aufwachen fühlte ich mich nicht gut, und ich überlegte den ganzen Tag, zurück nach Deutschland zu fliegen. Ich muss mich bald entscheiden, denn der Flug, den ich mir leisten kann, ist sicher bald weg. Danach gibt es keine Option mehr bis zu meinem regulären Rückflug im Dezember, denn dummerweise sind mein Flüge weder erstattungsfähig noch umbuchbar. Selbst schuld, ich weiß. Es fühlt sich einfach nicht an, als ob Kanada der „Place to be“ für mich ist für solch eine lange Zeit. Trotzdem sammle ich viele Erfahrungen. Ich habe das harte aber naturverbundene Leben einer Schweizer Familie im Yukon kennenlernen können, den Chilkoot Pass gemacht, Nordlichter bewundert, eine wundervolle chilenische Gastgeberin kennen gelernt und heute mit ihrer ebenfalls sehr netten Mitbewohnerin einen schönen Spaziergang gemacht (endlich mal eine echte Kanadierin, allerdings aus Quebec, wo es laut ihr wieder ganz andere Menschen sind) und Samstag werde ich zu Stephen nach Tagish gehen, den ich über Workaway gefunden habe und dort auch noch mindestens zwei Wochen Erfahrungen sammeln. Reicht das nicht? Ich vermisse Freiburg, meine Menschen, den Schwarzwald, die Seen, unseren Herbst… das klingt vielleicht verrückt aber ich bin sehr zufrieden in meiner Heimat, ich liebe die Umgebung und die Öffnung nach Süden Richtung Frankreich, Spanien, Portugal, Marokko. Es macht mich glücklich und vermittelt mir ein Gefühl der kompletten Freiheit, überall hin mit meinem Rad zu fahren. So vieles, das ich liebe. Den Markt. Unsere Ökomentalität. All das. Und ich möchte etwas Neues beginnen, in Freiburg. Für Freiburg. 

Muss ich Vancouver sehen? Muss ich nach Island? Heute frage ich nicht mich, denn ich weiß es nicht. Wer das liest darf mir gern einen Kommentar hinterlassen. Ich bitte sogar darum! Was meint ihr?

Eine Chilenin im Yukon

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24. 9. 17. (Tag der Wahl…)

Heute habe ich Sofía kennengelernt. Ich habe sie auf CouchSurfing kontaktiert, da ich dachte, es wäre schön, jemanden kennen zu lernen, mit dem ich mich etwas austauschen kann. Tatsächlich fühle ich mich etwas einsam, auch wenn die Gastfamilie sehr freundlich ist so ist es doch ein geschlossenes System für sich und ich bin nur vorübergehender Helfer hier. Sofía kommt ursprünglich aus Chile, ist in meinem Alter und arbeitet für eine Tourenagentur, welche Nordlichter mit ihren Kunden „jagt“. Diese Nacht soll es übrigens welche geben, ich werde wachen, auch wenn es morgen früh wieder an die Arbeit geht 😉
Sofía kam extra aus dem 60km entfernen Whitehorse, um mich zu besuchen. Wir gingen mit drei der Hunde ein paar Stunden spazieren und redeten ununterbrochen über uns, Kanada, die Welt und unsere Erfahrungen im Ausland, Menschen, Mentalitäten uvm..Es war total schön und tat richtig gut! Ich bin sehr froh, eine so lebenslustige, offene und interessante Persönlichkeit kennen zu lernen und freue mich schon jetzt auf ein Wiedersehen…

Chilkoot Trail

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Vorwort
Ich bin dieses Jahr zum ersten Mal in Kanada und arbeite für Kost und Logis für eine Familie, welche im Yukon ca. 60 km von Whitehorse Trekking- und Kanutouren anbietet und Cabins vermietet.

Den Chilkoot Trail habe ich gemeinsam mit dem Gastvater und Guide, einem Bordercollie sowie drei Gästen, welche auch seine Freunde sind, bewältigt. Die Männer sind schätzungsweise alle Mittvierziger. Wir haben den Trail eine Woche nach Schließung gemacht und waren somit immer die einzigen in den Camps, was luxuriöse aber auch etwas gruselige Verhältnisse für mich waren. Zuvor haben wir uns telefonisch (da der Trail geschlossen ist) registriert und uns an der Grenze in Alaska Aufenthaltsgenehmigungen für die USA für drei Monate besorgt (Kosten 6CAD), da wir einen Teilnehmer in Skagway abgeholt haben, der den wunderschönen White Pass mit der Eisenbahn gefahren ist. Zudem führt der Trail über die Grenze also Pass nicht vergessen!

Der Chilkoot Trail ist eine ehemalige Goldgräberroute und es finden sich auf dem Weg allerlei Informationen zu den einzelnen Camps, ehemaligen Städten und Geschehnissen. Da diese Infos zuhauf im Internet zu finden sind und ich sie hier nur wiedergeben würde, verzichte ich darauf und beschränke mich auf meine persönliche Reiseerfahrungen und gebe hier auch mein Inneres Erleben wieder. Wer also einen geschönten Reisebericht sucht, ist hier eventuell falsch.


Aus Datenschutzgründen werde ich bei diesem Bericht keine erkenntlichen Bilder und Namen von Personen teilen. Bitte habt Verständnis.

Tag 1 (12.9.17) Dyea – Finnegan’s Point – Canyon City

Wir kommen gegen Mittag in Dyea an. Vollgepackt mit allem, was man so braucht um in der kalten Jahreszeit zu wandern, geht’s los. Der Weg führt durch urigen und üppigen Regenwald und ich genieße die ungewohnt feuchte Luft hier, denn im Yukon musste ich mich erst einmal an die trockene Luft gewöhnen. Alles ist grün, moosig, matschig. Schön! Die Männer marschieren zügig und damit wird schnell klar, dass dies nicht so sein wird, wie ich es üblich handhabe zu wandern. Ich bin gespannt.

Zwischendurch passieren wir immer wieder kleine Brücken und Stege und ich verfluche jetzt schon die rutschigen Sohlen meiner undichten Wanderschuhe. Naja..

Gegen Nachmittag kommen wir in Canyon City an, wo ich mein Zelt direkt am Fluss aufbaue.

Nach dem Abendessen geht es früh ins Bett. Ich schlafe schlecht, träume von räuberischen Bären und wache oft auf.

Tag 2 (13.9.17)  CanyonCity – Pleasant Camp –  Sheep Camp
Heute nach nur 8,5 km Sheepcamp am frühen Nachmittag erreicht. Im Gegensatz zu gestern fand ich es nicht anstrengend, ich bin auch kaum noch erkältet. Jetzt sitze ich an warmen Holzofen in einer der Hütten und der Hund döst zu meinen Füßen. Der Weg heute war wundervoll, moosig, viele Pilze und Flechten, unzählige, mir unbekannte Pflanzen. Wirklich schön, wenngleich wir für meine Verhältnisse ziemlich sportlich unterwegs waren. Und jetzt haben wir hier umso mehr Zeit aber so ganz allein traue ich mich nicht in dem Wald, nach der letzten Bärentraumnacht.. mit den Männern ist es eigentlich ganz nett, auch wenn es für mich immer noch sehr schwierig ist, einzuschätzen, was Spaß und was Ernst ist und manche „Witze“ finde ich definitiv nicht lustig.. und dann kommt natürlich der Respekt (und vielleicht auch ein wenig Angst) vor dem Guide hinzu. Aber das ist mein eigenes mich unter Druck setzen. Ich frage mich, wie es geworden wäre, wenn die Gastmutter den Trail (wie ursprünglich geplant) geleitet hätte. Sie fehlt mir.

Nach dem Abendessen sitzen wir zusammen vor dem Feuer in der Cabin. Nach mehrmaligem Ablehnen probiere ich den Whisky doch, er schmeckt gut aber ich mag trotzdem nicht mehr. Ich lausche den Gesprächen der Männer und während ich ins mich stets faszinierende Feuer starre, rauschen vor meinem inneren Auge unzählige, unvergessliche Momente vorbei. Lagerfeuerabende mit den Wildniswanderleuten, singend und mit toller Stimmung. Leos Geburtstagsfeuer, welches mich zu meinem ersten Cello führte, Feuer mit Leo und Marc im Spanien am Strand und ich dann später allein dort schlafend, im Regen und doch geschützt unterm Tarp auf einem Felsbrocken, das Rauschen der Wellen in den Ohren. „Mein“ Minifeuer in Portugal, das erste Feuer mit Moritz am Rhein, dann, ein andermal mit Marc und ihm am Ruhrsee, versteckt hinter Schieferplatten, die springen konnten. Wir schliefen trotzdem daneben. Es war uns egal. Feuer. Ich liebe es.


Heute schlafe ich auf einer Bank in der offenen Gemeinschaftshütte, von meinem Platz aus kann ich den Sternenhimmel sehen.

Ich bin gespannt auf die Überquerung des Passes morgen..

Tag 3 (14.9.17) Sheep Camp – The Scales – Chilkoot Pass (1067m) – Happy Camp – Deep Lake


Ich bin tot.
Heute morgen ging es nach einer kalten Nacht gegen 8 los in Sheepcamp und was mich dann erwartete, war für mich glaube ich das anstrengendste, was ich je gemacht habe. Es ging über den Pass zum Gipfel, steil durch Steinwüste im Nebel. Ich glaube ich hatte selten so Angst im Leben. Meine Höhenangst gepaart mit dem Wind, der mich schwanken lies und der Rucksack der mich stets nach hinten zog, dazu die schlechte Sicht. Immer wieder fürchtete ich, die anderen zu verlieren, da ich sie kaum sah und ich bewegte mich nur kletternd, während die Männer fast durchgehend aufrecht über das Geröll wanderten. Ich kam mir etwas dumm und schwach vor aber das Gefühl am Gipfel war unglaublich.
Leider machten wir dort nur kurz Pause, für mich hatte das Stück für heute gereicht. Ich war so oft ausgerutscht und umgeknickt, dass ich nicht mehr wusste, was an mir überhaupt noch heil ist. Es ging weiter nach HappyCamp aber auch dort wollten die Männer nicht bleiben also weiter nach Deep Lake. Hier ist es tatsächlich schöner. Dort liege ich nun in meinem Zelt, draußen war es mir zu kalt, mit nassen Füßen, aber endlich liegend.

Ich habe Angst, dass ich morgen noch mehr Schmerzen habe und nicht laufen kann aber wegen der Bären kann ich mich jetzt abends nicht mit Voltaren einschmieren, das könnte sie anlocken. Ich stinke und es sind noch zwei Tage. Was gäbe ich jetzt einfach für einen warme Waschlappen und frische Wäsche? Ich muss schon sagen, dass ich nicht erwartet hätte, dass es so anstrengend für mich wird und auch nicht, dass die Kälte so einen riesigen Einfluss auf meine Leistung hat. Trotzdem bin ich stolz, auch wenn ich den Männern wohl ein Klotz am Bein bin. Vielleicht ist es aber auch ganz gut, dann können sie sich stärker fühlen 😉 und ich bin angespornt, über mich hinaus zu wachsen…Und es war ein sehr schöner Weg nach dem Pass. Der Nebel zog langsam über dem Gletscher weg und dann sah man oben den Schnee, auf der anderen Seite kam die Sonne durch und schien auf die grünen Gipfel in der Ferne, in der Mitte der nun nicht mehr felsige Weg, kleine Wasserfälle und dann der erste See. Später überall Blaubeerbüsche, welche den Weg säumten und der Ausblick auf weitere Seen, sogar zwei weiße Bergziegen in der Ferne. Herrlich. (Natürlich ging meine Handykamera genau da nicht..)

Wie mir Marc und Moritz fehlen, mit denen ich längst fünf Kaffeepausen in der Zeit gemacht hätte. Oder Leo, mit der ich auf jedem Gipfel erst einmal gesungen hätte. Oder Kristin. Ihr alle. Fehlt. Ich fühle mich fremd auch wenn die Männer auf ihre Art sehr nett sind, sie verstehen meine vegane Lebensweise nicht, auch wenn sie interessiert nachfragen, was aber immer wieder zu leichten Dikussionen führt und ich habe noch nicht gelernt, wie ich damit für mich gut umgehen soll. Aber es ist gut, auch wenn ich es gern viel mehr genießen würde. Ich lerne viel über mich, Menschen im Allgemeinen. Und es ist spannend, den Trail zu machen obwohl er geschlossen ist. Wir haben bisher nur einmal andere Menschen getroffen, gestern in Alaska, das waren aber Ranger. Luxus, den Trail so leer zu genießen und auch kein Regen bisher. Ich bin schon am richtigen Ort nur hoffe ich, dass ich die anderen nicht zu sehr verärgere und einfach nach diesen Tagen gut auf dem Hof anpacken kann ohne allzu viele Verletzungen.
Jetzt liege ich hier, höre die Stimmen meiner mir so fremden Begleiter im Hintergrund und fühle mich sicher, ich mag sie alle doch, und wenn jetzt ein Bär käme, wäre es mir auch grad egal (denke ich ;))

Ich warte, dass die Sonne untergeht, während ich dem lauten Rauschen des Windes lausche.

Tag 4 (16.9.17) Deep Lake – Lindeman City – Bare Loon Lake

Ich stehe viel zu früh auf. Ich hatte es so verstanden, dass wir um sieben aufstehen was wohl ein Missverständnis war. Ich kann diese Menschen noch nicht gut oder richtig lesen und fühle mich permanent unter Druck. Wie soll ich damit umgehen? Beim Frühstück möchte ich etwas erzählen, Berichte von den Füchsen auf Korsika und dem Fuchs, der mich nachts nicht in Ruhe lies. Bis auf einen glauben sie mir nicht. Und ich soll nicht so viele Schichten tragen, ich friere jedoch noch, da wir uns noch kaum bewegt haben. Die Männer haben ja die Erfahrung. Und ich, kenne ich meinen Körper etwa nicht? Und nur, weil ich viel Wissen von anderen und aus Büchern habe, ist das gleich falsch? Ich kämpfe mit den Tränen aber sage mir immer wieder, dass es vorübergehend ist und ich dabei etwas lernen soll. U d ich weiß, sie meinen es nur gut mit mir. Trotzdem. Es ist anstrengend. Und so ermüdend.. sicher nicht nur für mich, ich weiß..

Später frage ich nach einer zweiten Ibuprofen, gegen die Schmerzen im Knie, damit ich mithalten kann. Der Guide sagt, ich würde Tabletten in rauen Mengen schlucken. Dabei tue ich das nur, weil ich nicht will, dass ich noch mehr hinten dran hinke. Wer mich kennt, weiß, dass ich Tablettengegner bin. Aber er glaubt mir wohl nicht oder macht sich Sorgen, schließlich trägt er die Verantwortung…schwierig, wir kennen uns noch zu wenig und die Situation ist verzwickt. Ich sollte dem nicht zu viel Gewicht beimessen und lernen, mich nicht gleich angegriffen zu fühlen. Aber nun zum „Äußeren“ erleben:

Heute ist der Weg leicht, eine Weile kann ich vorne laufen. Die freie Sicht und das sonnige Wetter motivieren mich. Der Weg ist wunderschön, es geht noch etwas bergauf aber immer wieder Aussicht auf den See oder lichten Wald und abgerundete Felsen. Wenn ich vorne gehe kann ich singen. Später, in Bare Loon, werde ich weit zurück gehen, allein, und viel und laut singen.

 Und an die Menschen denken, die fehlen. Die mich kennen und verstehen. Ich sie singe so laut wie selten. Ich weiß, kein Bär wird mir etwas tun. Ich werde beschützt. Und egal wie das hier ausgeht, mein Weg wird gut. Egal wohin er führt.
Abends reden die Männer, als ich schon im Zelt liege. Über mich? Ich glaube es zu hören und schlafe nicht gut. Liege noch drei Stunden wach und wache später oft auf. Zu viele Gedanken.
Tag 5 (16.9.17) Bare Loon Lake – Log Cabin

Wir stehen gegen halb 8 auf, frühstücken. Gegen 9 geht es dann los. Zwischendurch müssen wir durch zwei schmale Flüsse, den Männern reicht das Wasser bis knapp übers Knie, ich gehe barfuß und in Unterhose, die trotzdem nass wird. Egal, heute muss es nicht mehr warm werden, es ist die letzte Etappe. Und irgendwie fühlt es sich gut an, das eisige Wasser. Meine Wanderschuhe sind schon vorher nass geworden, deshalb laufe ich mit Barfußschuhen. An sich kein Problem, beim Laufen werden die Füße warm, ich liebe die Schuhe, aber der Rest des Weges führt auf Bahngleisen entlang und nach knapp 9km macht das keinen Spaß mehr.
Gegen 12 kommen wir in Log Cabin an, wo der Van auf uns wartet. Ich freue mich auf die Gastmutter. Und die Kinder. Und die Tiere. Nur nicht auf den Hahn. Na gut, vielleicht ein bisschen..

Reisetagebuch Yukon-Vancouver-Island Teil 4

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Heute wollte ich mal mit der Vorstellung aufräumen, dass, wenn Leute (ver)reisen, alles schön und gut ist. Der Traum von Freiheit und Ferne. Und alle Sorgen sind vergessen. Pustekuchen.Natürlich ist es wundervoll, fernab zu sein und freilich, auch die Sorgen erscheinen kleiner aber sie sind noch da. Dieses „in Luft auflösen aller Belange“ ist ein Trugschluss. Vielleicht kann sich auch der ein oder andere besser belügen. Meine Sorgen sind jedenfalls noch da. Und auch all die negativen Gefühle der letzten Wochen vor der Abreise. Die Gedanken an den, der meinte, sich von mir trennen zu müssen zwei Tage vor dem Abflug. Die Sorge um diesen und andere Menschen sowie die Zukunft nach dieser Reise, das Vermissen der Vertrauten. Alles noch da. Es gibt nur weniger Momente, in denen es hoch kommen kann. Dann kommt es aber mit Wucht.

Und dann die neue Situation, hier alles richtig machen zu wollen, dazu zu gehören und doch nur eine Vorübergehende zu sein, vorübergehend. 

Ich bewundere Carmen und Robert für diese Welt, die sie sich geschaffen haben. Schaffen ist das richtige Wort. All dies hier, ein relativ autarkes Leben mit drei Kindern, es ist bewundernswert. Und dann noch Touren leiten, Gastgeber sein, alles selbst bauen, sich mit Wasser, Strom und Holz versorgen (und die Gäste), die Tiere halten (und das sind glückliche Tiere!) und und und. 

Das ist mit so viel Arbeit verbunden. Und da steckt so viel Liebe und Leidenschaft drin. Diese Menschen haben meinen vollsten Respekt!

Ich finde so ein Leben sehr erstrebenswert aber ich merke auch, dass ich so etwas nicht allein bewerkstelligen könnte und möchte und, dass es in einem wärmeren Land weitaus einfacher wäre. Ich bin erkältet und auch das Baden im Fluss ist jetzt einfach zu kalt. Ein mal die Woche wird die Sauna angeheizt, dann gibts auch warmes Wasser zum Duschen. Jetzt liege ich hier im Bett, geduscht, und hoffe, dass ich morgen gesund bin, denn ich will meine Arbeiten gut machen. Die Tage werden die Gäste kommen und alles wird noch aufregender. Und ich werde lernen, mit einer Motorsäge Feuerholz zu machen. Ich bin gespannt. Und etwas ängstlich. Mit Maschinen hab ich es ja nicht so…

Reisetagebuch Yukon-Vancouver-Island Teil 3

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7.9.2017 14:26
Ich sitze am Rande des Wheatonriver, die Herbstsonne schaut zwischen den großen Wolken hindurch und wärmt meine Haut ein wenig, während der frische Wind mir um die Ohren weht. Nanuk und Muck, die zwei Hunde, welche ich bei mir habe, streunen durch den angrenzenden Wald und wittern ab und an ein Eichhörnchen. 


Gestern war „Stadttag“ im eine Autostunde entfernten Whitehorse – Tourenfood kaufen, Kids von Schule und Kindergarten abholen, Wäsche waschen. Mit Carmen war es echt lustig, trotzdem, Städte ermüden mich und Whitehorse besticht nicht gerade durch Schönheit, wenngleich die Atmosphäre nett ist, sehr entschleunigt und legere.


Heute ist mein freier Tag für diese Woche, da Sonntag Gäste kommen und nachdem ich eine nicht so tolle Nacht hatte und etwas am kränkeln bin, verlief der Vormittag sehr schleppend. Ein kurzes Bad im eisigen Fluss, heute alles andere als angenehm, dann zum ersten Mal doch den Ofen anheizen und danach ein sehr ausgiebiges, reichhaltiges Frühstück mit Mandeljoghurt, Porridge, Obst, Kaffee und massig Nüssen. Schokolade gab es obendrauf. Die Bikinifigur brauch ich hier ja nicht ;).


Dann Tasche mit Wasser und Bärenspray gepackt und ab aufs Rad. Jetzt bin ich froh, dass ich noch los bin. Ich weiß nicht genau, ob ich es spannend oder beängstigend fände, einen Bären (natürlich von weitem) zu sehen..


Nachher dann noch Test-Zelt aufbauen für den Chillkoot Trail nächste Woche. Das Wetter soll leider schlechter werden. Meine Ferse heilt langsam. Laufen wird also gut gehen. Gott sei Dank. Jetzt noch ein wenig das Draußen genießen. Es zieht langsam zu.

Reisetagebuch Yukon-Vancouver-Island Teil 2

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5.9.20:07

Heute war der Vormittag sehr entspannt. Etwas Tiere versorgen, das meiste war schon gemacht, da der Ablauf, wenn Schule ist anders ist. Herrliches Spätsommerwetter begleitete den Tag bis jetzt. Ich durfte zwei Holzhalterungen für Waschbecken abschleifen und streichen. Ich glaube ich habe bis auf einmal im Leben noch nie etwas abgeschliffen..es ist noch nicht ganz fertig und ich bin nicht ganz zufrieden mit dem bisherigen Ergebnis (zu unsauber) aber für den Anfang… 

Carmen und Robert sind sehr geduldig mit mir 😉 Natürlich habe ich mich gleich geschnitten und mir den Generator beim Ziehen über die Ferse gezogen und humple jetzt etwas, das mit der Achtsamkeit war ja noch nie so meines…
Am Nachmittag war ich im Fluss baden und dann ging ich die Kids mit abholen vom Schulbus. Der Weg führt durch den Wald und ist märchenhaft. Ich freue mich schon arg auf die baldige Tour und überhaupt, die Gegend weiter kennen zu lernen.

Ansonsten habe ich die Tiere versorgt und wieder Pferdemist gesammelt. Es macht glücklich hier zu sein, die Tiere und die liebenswerte Familie. Und ich brauche unbedingt einen Hund. Unbedingt! 🙂


Jetzt noch ein wenig Hahnenkampf beim Hühner einsperren und die Pferde und den Esel füttern, das wars auch schon. Jetlag fühle ich jetzt doch, freu mich aber sehr auf morgen!

Reisetagebuch Yukon-Vancouver-Island Teil 1 

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Nach einem turbulenten Start (Handy in Deutschland vergessen) und einem ebensolchen Flug (ich hatte mich, warum auch immer zwei Mal auf der Bordtoilette übergeben), dafür mit nettem Sitznachbarn und atemberaubender Sicht auf die Eiswüste Grönlands, kam ich nach knapp 9,5 Stunden in Whitehorse, Yukon, an, wo mich Robert abholte. 

Wir fuhren noch einkaufen und dann lernte ich den Rest der Familie kennen. Carmen und die drei Kids im Alter von 5, 10 und 12 sowie 8 Hunde, 2 Pferde, Hühner und ein äußerst unsympathischer Hahn, ein hingegen sehr sympathischer Esel, zwei Wachteln und drei Hamster. Ich darf in einer wunderschönen ‚Cabin‘ mit Holzofen nächtigen, umgeben von Bergen, Bäumen und alles grenzt an den wundervoll mächtigen Wheatonriver, indem ich heute morgen bereits sehr kurz (meine Beine spürte ich danach für einige Zeit nicht mehr) ein Bad zum Wachwerden nahm. Der Jetlag macht sich bisher kaum bemerkbar, auch wenn ich heute Nacht mehrmals wach war, habe ich den Tag und meine bisherigen Aufgaben gut überstanden. Ich genieße die Arbeiten (Tiere misten, füttern, auf die ‚Koppel‘ (den Wald) führen und sogar das Einsammeln des Pferdemist auf dem weitläufigen Gelände), denn die Arbeit macht Sinn und die Umgebung, der kühle Herbstwind und die trotz allem vorhandene Ruhe sowie die herzlichen Menschen tun wahnsinnig gut. Die Tage möchte ich gern einmal hier laufen gehen, natürlich nicht ohne Bärenspray. Morgen, wenn die Kids in der Schule sind (heute hatten sie frei), kann ich Carmen und Robert, falls das Wetter mitspielt, bei einer kleinen Kanutour begleiten. Ich bin genau für richtigen Zeit am richtigen Ort. Schön! Und jetzt gibts gleich Abendessen…