Farbenblind

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Du hast mir ein buntes Bild gemalt

In all meinen Lieblingsfarben

Ich hab es gesehen und doch erst gestern entdeckt,

dass sich unter all deinem Bunt so viel Graues versteckt

Du sangst mir ein Lied in meiner Lieblingsmelodie

Und ich hab fasziniert zugehört

Dass Dein Lied nie Deines war, nur eine Kopie,

Das ist, was mich jetzt täglich so stört

All die Bilder, alle Farben, die Geschichten, die wir teilten

Waren doch nur leere Worte, die Mich hinterrücks ereilten.

Ich, naiv und bedürftig, habe alles geglaubt, hab Dir einfach vertraut

und dabei blind von Liebe und Hoffnung, meine Zukunft blauäugig auf einen Sandkasten gebaut.

Jetzt sinken wir täglich mehr darin ein und ich weiß nichts nur dieses,

das hier nennt sich nicht Glück.

Und ich versuche weiter zu atmen, während wir uns nicht bewegen

und wünsch mir mein wild schlagendes Wolfsherz mehr als alles zurück.

Krise?

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Und es ist Ende März

Der Schnee fällt

Noch vorgestern waren wir baden im eiskalten See

und die Sonne wärmte unsere nackten Bäuche,

Während wir Kekse knabberten, auf einer Picknickdecke

Jetzt sitzen wir hier und ärgern uns, dass wir die Heizung aufdrehen müssen

Während die Elster vorm Fenster verzweifelt versucht, mit leerem Bauch, ihr eingeschneites Nest zu retten und andere an der Grenze erfrieren.

Und es ist Ende März

Die Straßen sind leer

Noch vorgestern waren wir einkaufen in der Stadt

Und unsere Hände trugen vollgestopfte Taschen,

Mit Kleidung und allerlei Zeug, dass wir eigentlich nicht brauchen.

Jetzt sitzen wir hier und ärgern uns, dass wir nicht ins Café oder Restaurant oder Kino können,

Während andere krank in Betten liegen und um ihr Leben kämpfen während wieder andere versuchen, diese zu retten.

In voller Blüte

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Hier sitze ich und atme

Auf Deinem Baum

In Deinem Garten,

der in voller Blüte steht

Und um mich überall Grün,

darauf Gelb und Weiß,

Blau und Lila und Orange.

Dazu der liebliche, unermüdliche Gesang der Vögel.

Und in mir diese eine Frage,

Wie oft Du mich noch besuchen wirst,

Um mich weiter lernen und wachsen zu lassen,

Mich begreifen zu machen.

Und ob,

nein,

wann Du einmal länger bleibst.

So lange,

bis es wieder kälter wird da draußen und darauf wieder wärmer.

Und eines Tages dann

Dein kindlicher Atem beim Klettern

Auf Deinen Baum

In Deinem Garten

Und Du, wie Du in voller Blüte stehst.

Und dann

Deine kleinen Füße auf dem Grün, hüpfend über das Gelb und Weiß

und Blau und Lila und Orange

Und Dein lieblicher, unermüdlicher Gesang

In meinen Ohren.

Etwas

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Irgendetwas bewegt sich in mir, Etwas macht etwas mit mir und ich kenne es gut. Viel zu gut und doch kaum.

Es war immer schon hier, schlummerte nur ab und an und ich vergaß irgendwann, fast, dass etwas stets etwas macht, denn das Etwas hat Macht.

Dann, als es sich plötzlich erstmals wieder regte, in mir wieder auflebte, hielt ich zu, hielt zu Dir. Augen und Ohren zu, denn da warst jetzt auch Du.

Und Du wusstest in Dir von dem Etwas in mir, und wie ein Wunder, bliebst Du trotzdem noch hier.

Doch wir wissen nicht viel, wissen wir doch das eine; Wissen ist nicht gleich begreifen. Und selbst ich spüre mich jedes Mal wieder neu, dieses Etwas nur spärlich zu greifen.

Es entgleitet mir erneut, dieses Etwas zu beschreiben, auch wenn ich schon etliche Worte, Sätze, Bilder erfand, um es Dir zu erklären, ehrlich gesagt und offen geschwiegen, gleitet es mir ja selbst täglich wieder durch meine geschlossene Hand und ist mir stets unerklärlich geblieben. Und ich stehe und komme vielleicht auch diesmal nicht weiter, komme nicht durch die dunkle, unergründliche Wand.

Und Du? Du nimmst mich und hältst mich, während ich weiter reise, längst erneut unterwegs an dem endlosen Strand. Auf dem Weg, auf der Suche, nach dem altvertrauten Feinde, dem fremden, ewigen Freund, den ich nie recht gekannt.