Der Fluch der Fülle – Gedanken zur Vielfalt

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Ich bin überladen mit Infos, wie ich die Welt verbessern könnte. So viele Möglichkeiten. Was tue ich? Ich ziehe Bilanz.

Vegane Ernährung. Ok. Ich könnte jedoch mehr regional einkaufen. Nur noch auf den Markt. Kein Plastik mehr verbrauchen.

Ich könnte …

Was noch? Ich arbeite in einem sozialen Beruf. In meiner Freizeit babysitte ich. Aber brauchen diese Kinder mich wirklich? Oder gibt es nicht andere Kinder, denen es schlechter geht, denen ich mehr helfen könnte?

Könnte ich nicht …?

Und die Flüchtlinge. Ich sehe voller Bewunderung, wie viele Menschen sich dieser Tage engagieren. Das sollte ich auch tun. Aber wenn, dann richtig. Wo anfangen? Und gibt es nicht auch genug andere, arme Menschen in diesem Land, denen ich auch helfen könnte?

Sollte ich?

Obdachlose, alte Menschen. Auch Tiere. Ich sollte mal wieder ins Tierheim mit den Hunden spazieren. Wenn möglich regelmäßig. Oder sich gleich richtig einsetzen, bei Greenpeace zum Beispiel? Oder in der Politik? Ab und zu verteile ich Flugblätter. Poste ein paar Artikel auf Facebook. Aber das reicht ja nicht.

Ich müsste …

Und was mache ich überhaupt aus mir? Ich könnte noch ein paar Sprachen lernen, Instrumente, eine neue Sportart.

 

Ehrlichgesagt:

Ich möchte.

Ich möchte helfen. Ich möchte gutes Tun, für andere und für mich. I

ch möchte mich engagieren und ein ausgefülltes Leben führen.

Aber stattdessen lähmen mich diese Möglichkeiten. Die große Auswahl an Dingen, die ich tun könnte, macht mich reglos. Und die Dinge, welche ich bisher gerne gemacht habe, mache ich auch nicht mehr, weil ich mir nicht sicher bin, ob sie sinnvoll sind. Dabei haben sie mir einmal viel Freude gemacht. Und mein schlechtes Gewissen nagt an mir.

Ich weiß, dass viele kleine Schritte und Gesten die Welt mehr verändern ,als ein paar einzelne Große. Aber ich fühle es einfach nicht. Und das ständige Gefühl, mich rechtfertigen zu müssen (vor wem eigentlich? Wohl am Meisten vor mir selbst) zerfrisst mich regelrecht.

Ich weiß nicht mal mehr, was ich selbst von mir erwarte.  Und auf einmal glaube ich zu verstehen, warum es neben all den Menschen, die sich so wunderbar engagieren auch so viele gibt, die nichts tun. Die als Ignoranten bezeichnet werden. Womöglich schützen sich diese Menschen. Oder die sind einfach glücklich, gerade weil sie sich nicht ständig das Hirn zermartern.

Ich weiß es nicht.

Und vielleicht ist die große Angst vor Kultur- und Religionsvielfalt, die sich bei vielen Menschen zeigt, auch darin begründet, dass viele Menschen nicht mehr wissen, woran sie sich orientieren sollen.

Ich persönlich habe keine Angst vor dieser Art von Vielfalt aber vielleicht kann ich Verständnis aufbringen, weil ich das Gefühl kenne, Orientierungslos zu sein aufgrund von Reizüberflutung.

Möglichkeitsüberflutung.

Die Welt steht uns offen, mehr als je zuvor. Aber das bedeutet auch viel Verantwortung zu haben. Und diese große Verantwortung macht mir Angst, das gebe ich zu. 

Wie soll ich dem hohen Anspruch gerecht werden, mein Leben möglichst effektiv zu verbringen (denn immerhin habe ich ja all die Möglichkeiten, dann muss ich sie auch nutzen, oder?)

 

Ich habe einen riesen Respekt vor all den Menschen in der Gesellschafft, die sich für andere engagieren. Die ein verantwortungsvolles Leben führen. Ihr Leben auskosten. Alle Möglichkeiten ausschöpfen. Die sich in die Politik wagen. Die den zukünftigen Generationen eine bessere Welt hinterlassen wollen.

 Ich möchte das auch. Und so viel mehr. Glaube ich.

Lasst mir nur etwas Zeit, es selbst herauszufinden.

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Tag 10/Resümee Tagazout – Agadir – Marrakesh – Frankfurt Hahn

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Tag 10

Ich wache auf, bevor der Wecker klingelt. Wieder das Meer in meinen Ohren. Ich schaukle hin und her. Ewig könnte ich so verweilen.

Letzter Tag, es ist früh morgens. Noch einmal kurz an den Strand. Barfuß laufe ich die steinigen Stufen, bis meine Füße nassen Sand spüren. Ich mache Yoga. Sonnengruß in der Sonne. Dann Tanz mit den Wellen. Eiskalt, trotzdem möchte ich auch hier verweilen.

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Ein letzter Sonnenaufgang..

Nachdem wir gefrühstückt und das Appartement geputzt haben, geben wir die Schlüssel ab. Ich bringe dem Besitzer Tomaten und Petersilie, die wir nicht aufbrauchen könnten. Er freut sich und zeigt mit kurz sein Haus. Soviel Zeit muss sein. Von innen ist es wunderschön. Mehrere Stockwerke, überall Sitzecken mit Blick aufs Meer. Auf der Dachterrasse zeigt er mir seine Schildkröten. Sie freuen sich ebenfalls über das Grünzeug.

Dann der Weg nach Agadir, wieder zum Bus. Wir wollen trampen aber es halten nur Leute an, die Geld wollen. Inoffizielle Taxis. 

Da wir unter Zeitdruck stehen, verhandeln wir mit den Fahrern am Grand Taxi Stand und einigen uns.

Unser Bus ist diesmal von einem anderen Unternehmen. Supratours statt CTM. Sie garantieren eine pünktliche Abfahrt und mehr Komfort. Kosten sind dieselben. 

Die Abfahrt verzögert sich tatsächlich nur um fünf Minuten. Dafür ist alles anonymer, nicht so unkompliziert. Kristin darf trotz freundlicher Nachfrage nicht mehr auf die Toilette, es riecht nach unzähligen viel zu süßen Parfümen, die Sitze sehen zwar bequem aus aber irgendwie ist alles enger.

Ich bin müde aber ich will nicht schlafen. Wir fahren an roten Landschaften mit grünen Flecken vorbei. Die Sonne scheint.

Resümee

Ich sitze im Bus. In meinen Ohren die Kopfhörer. Ich höre Meeresrauschen in Dauerschleife. Heute morgen aufgenommen.

Ich ziehe ein Resümee. Was habe ich konsumiert in den letzten 8 Tagen? 

Geschätzte 20 Kilo Obst, davon größtenteils Mandarinen.

4Tajiines, davon 1 selbst gemachte 

5 Marokkanische Salate, davon 3 selbstgemachte 

2 Kilo Karotten 

1 Kilo Datteln und Feigen

Unzählige Nüsse und geröstete Kichererbsen

Etwas Brot, Marmelade 

Viel Tee 

Mindestens 3 Liter Wasser am Tag

Der Plastiktüten und Flaschenverbrauch war unermesslich, trotz Stofftaschen um Rucksack

Wasser haben wir in fünf Liter Kanistern gekauft und dann aufgefüllt, trotzdem immer noch zu viel Verbrauch.

Was ich gelernt habe? Ganz praktisch:

Weniger einpacken 

Wenn man ein bestimmtes Ziel hat einfach Papierkarte nutzen oder rumfragen, Handy verwirrt nur

Ein faltbarer Rucksack ist praktisch

Immer Kleingeld für die Toilette dabei haben, am besten auch noch Taschentücher

Wasser ist wertvoll

Mandarinen schmecken auch noch, wenn man sie 10 Tage hintereinander isst, es gibt süße, saure, große, kleine…

Zu viele Nüsse machen Bauchweh (das wusste ich eigentlich schon..)

Unter vier Stunden Schlaf reizen auf Dauer

Immer freundlich sein, auch wenn man keine Hilfe möchte. Klar und deutlich mit einem Lächeln ist die beste Wahl.

Lieber an einem Ort bleiben, wenn man nur wenige Tage zum Reisen hat, es gibt überall viel zu entdecken 

Marokko hat 1000 Gesichter, aus Höflichkeit sollte man sich in gewissen Regionen anpassen

Die Menschen sind überall auf der Welt gleich, es gibt Reiche und Arme, echte und falsche aber meist sind die, die am Einfachsten leben die Herzlichsten

Erfahrung und Weisheit haben nichts mit schulischer Bildung zu tun, das Leben bildet den Mensch, egal wo er aufwächst

Und zu aller Letzt:

Nimm dir Zeit! Für Begegnungen, Gespräche, zum Lauschen, Atmen, inne halten. Nimm dir Zeit zum Leben.

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Letzter Sonnenuntergang kurz vor Abflug in Marrakesch

Tag 9 Tagazoute

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Tag 9

Ich wache auf und höre das Rauschen der Wellen des Meeres, dass sich nur knapp 50 Meter vor mir erstreckt. Flut.

Die Sonne steht im Osten während ich mit Blick aufs Meer etwas Morgengymnastik mache. Danach gehen wir an den Strand. Bis auf ein paar Möwen, die zum Rauschen der Wellen über uns singen, ist es Menschenleer. Etwas später setzt sich einer dick eingemummt auf einen Felsvorsprung, während wir mit den mächtigen Wellen spielen, springen und lachen, wie Kinder. Wir sind alte Kinder.

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Ich schwimme weiter raus, nein das Meer zieht mich zu sich. Ich lasse es zu.

Meine Haut kribbelt. Als mein Kopf sich wie Eis anfühlt kämpfe ich mich zurück an den Strand. Was für eine Macht der Atlantik hat.

Ich denke an die Flüchtlinge, welche übers Meer zu uns gekommen sind. Und an die, welche nie angekommen sind.

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Wir machen uns einen Salat aus Tomaten, Gurken, Petersilie, Zitrone und Romanesco, dazu Obstsalat mit Erdbeeren, Orangen und Minze, frisches Brot. Alles vom Souk in Agadir. Das Obst ist süß, die Tomaten schmecken reif und saftig.

Nachdem wir gestern erfahren haben, dass wir den Bus nach Marrakesch dort vor Ort buchen müssen, sind wir heute in die Stadt getrampt. Ich hatte kaum den Daumen rausgestreckt, da hielt auch schon ein Auto. Der Fahrer und seine Schwester erzählen uns, dass sie in Spanien leben und hier die Familie besuchen. Die Frau ist unheimlich schön und beide sind sehr freundlich. In Agadir bringen sie uns direkt zur Busstation. Da diese ziemlich schwer zu finden ist, fragen sie einen Taxifahrer während wir kurz stehen durchs Autofenster durch. Die Situation ist sehr nett und zugleich komisch anzusehen. Ein Mann läuft durch die wartenden Autos und steigt in das Taxi, während der Taxifahrer noch mit unserem Fahrer redet und gar nicht merkt, dass er mitten im Stau einen Mitfahrer bekommt. 

Nachdem wir das Ticket gekauft haben geht es auf den riesigen Souk, der zu dieser Zeit kaum von ausländischen Touristen besucht wird. Wir kaufen  Obst, Gemüse, Datteln und Mandeln. 

Mit dem Taxi fahren wir zum Platz an welchem die Grand Taxis fahren. Der Taxifahrer haut uns übers Ohr aber wir haben keine Lust  zu diskutieren. Im Grandtaxi, einem alten Mercedes, sitzen wir bei laufendem Motor und mit unseren vollen Taschen zehn Minuten mit zwei Männern einquetscht auf der Rückbank. Dann kommt der Fahrer, schaltet den Motor aus und sagt es dauere noch etwas. Alle bleiben sitzen. Schweigen. Außer uns. Situationskomik. Wir steigen beide nochmal aus bis das Grand Taxi uns dann schließlich nach Tagazoute bringt. Trampen in die Richtung ist aufgrund des Verkehrs unpraktisch.

Jetzt liege ich mit vollem Magen ausgestreckt auf einer Wolldecke auf dem Balkon des Appartements. Der Wind weht und ich höre das Rauschen der Wellen und die Stimmen von ein paar jungen Männern, die Fußball spielen. 

Ich habe seit der Wüste das erste Mal das Gefühl angekommen zu sein. Und doch weiß ich, dass ich morgen zurück ’nach Hause‘ fliege.

Ich werde weiter reisen. Das weiß ich.

Ich sitze auf dem Balkon. Fühle den Wind, lausche dem Rauschen. Sehe die Lichter von Agadir in der Ferne leuchten. Und ein paar Fischerboote in der Ferne erkenne ich an den flackernden Lichtern über den Ozean.

Mein Magen ist voll mit unserer ersten selbst gekochten Tajine. Mein Kopf ist gefüllt mit Bildern. Der Strandspaziergang heute Nachmittag. Der Sonnenuntergang, den wir vom Berg aus mit verfolgt haben. Die Lichter der Cafés und Restaurants und die gewundenen Gassen welche wir im Dunkeln neu entdeckt haben.

Doch es tummeln sich noch so viele weitere Erinnerungen in meinem Kopf. All die Menschen, die  wir kennen lernen durften. Neue Gespräche und Ansichten, die sich eröffnet haben. Neue Geräusche und Gerüche und alte neu entdeckt. 

Es ist ok, zu gehen. Ich war nur kurz Gast in diesem faszinierenden und unglaublich vielfältigen Land und habe doch in kurzer Zeit so viel gesehen, gehört, gefühlt. 

Die Wüste hat in mir eine Sehnsucht geweckt. Ich möchte wieder kommen. Und weiter lernen.

Tag 8 Agadir – Tagazoute

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Tag 8

Ich sitze im Café. Eine fremde weiße Katze auf meinem Schoß. Den wohl süßesten Minztee aller Zeiten vor mir auf dem Tisch. Die Fremde vergräbt ihr Köpflein in meiner Handfläche.

Jetzt ist alles wieder gut

Heute morgen erwache ich wieder viel zu früh aus einem immer wieder unterbrochenen Schlaf. Ich fühle mich zerknautscht und bin gereizt. Es dauert nicht lange, da ist klar, dass wir nun nicht mehr zu dritt reisen. Unsere Wege trennen sich. Michael möchte Essaouria erkunden. Kristin und ich wollen an  weniger touristische Strände. 

Nach einem kurzen Abschied machen wir uns auf Richtung Souk. Wir treffen mehrere sehr freundliche Marokkanerinnen, die uns den Weg beschreiben und bekommen Infos über die üblichen Preise der Taxis. Während wir zum Souk laufen lernen wir einen Jungen Marokkaner kennen, der gerade mit  seinem Finanzwissenschaftsstudium fertig ist. Er begleitet uns ein ganzes Stück und wir reden über die Stadt, in der er nur noch eine Woche leben wird und Flüchtlinge in Deutschland. Er ist zufrieden hier sagt er, hat alles, was er braucht.

Kurz darauf spricht uns ein älterer Mann an, der 13 Jahre in Frankfurt gelebt hat. Er hat einen Gewürzladen auf dem Souk. Er lädt uns zum Tee ein aber wir haben es eilig da wir zu Mittag im Hotel auschecken müssen und noch nicht gefrühstückt haben. Wir kaufen Obst, jede Menge Nüsse und Trockenfrüchte. Der alte Mann begleitet uns ungefragt. Am Schluss kaufen wir aus Höflichkeit ein Tajinegewürz in seinem Laden. Als wir nicht mehr kaufen wirkt er enttäuscht. Wir lehnen eine weitere Einladung zum Tee eines Obstverkäufers ab, da wir uns beeilen müssen und nehmen ein Taxi zurück.

Angekommen frühstücken wir von dem Eingekauften und räumen dann das muffige Zimmer des Hotels, das wohl meist als Stundenhotel genutzt wird.

Im Wi-Fi Bereich schreibe ich Brahim, ob er uns einen Tipp hat, wo es schön ist. Tagazoute, nur 25 km entfernt. Also gut. Ihm vertrauen wir. Wir buchen ein Surf Hotel, unterhalten uns noch mit einem Hotelangestellten, der uns kurzerhand auf die Dachterrasse führt und uns die Stadt von oben zeigt. Doch nicht so unschön. Trotzdem. Nicht unseres. Wir verlassen die Unterkunft und fahren mit dem Grand Taxi nach Tagazoute. Es ist das erste Mal, dass ich den Atlantik sehe. Aber wirklich wahrnehmen werde ich ihn erst später.

Im kleinen Ort an der Küste angekommen merken wir schnell, dass es hier auch touristisch ist aber trotzdem angenehm. Eine Surfhochburg jedoch keine Hauptsaison. Wir laufen die Straße mehrmals ab aber finden das Hotel nicht. Ein Einheimischer lässt mich in seine Wohnung am PC nach der Nummer der Hotels suchen. Ich finde nichts. Tagazoute beherbergt ein Surf Hotel nach dem anderen. Wir sind müde und haben keine Lust jedes abzuklappern und buchen kurzerhand ein günstiges Appartement an der Straße bei einem zuvorkommenden älteren Mann. Das Appartement erweist sich als Glücksgriff. Es ist größer als meine gesamte Wohnung, hat eine komplett eingerichtete Küche und einen riesigen Balkon mit Meerblick.

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Blick aufs Meer vom riesigen Balkon aus

Da Kristin müde ist kümmere ich mich um die Papiere für die Anmietung und komme dabei mit Latifa, der Besitzerin der Immobilienvermietung ins Gespräch. Sie ist unglaublich nett und wir unterhalten uns über Gott und die Welt. Innerhalb kürzester Zeit stellen wir fest, dass wir sehr ähnliche Ansichten haben. Sie mag meinen Namen. Oh, you have an arabic Name. Thanks, it’s the name of my Grandmother. From Turkey.

Später am Strand. Kaum Menschen, angenehm ruhig.

Es ist leicht windig und das eiskalte Wasser umspült meine Füße. Ungewohnt, nach fast einer Woche größtenteils mit langen Kleidern und bedeckten Kopf, hier im Bikini zu stehen. Dasselbe Land aber eine komplett andere Verhaltensweise. Schon auf der Straße habe ich festgestellt, dass mein Kopftuch mehr Aufmerksamkeit auf sich zieht als unbedeckte Schultern oder Beine. Überall Menschen mit knappen Kleidern. 

Doch hier am Strand ist nichts los. Trotzdem fühle ich mich nackt.

Ich blicke in endlose, blaue Weite und springe. Meine Haut zieht sich zusammen und mein Kopf schmerzt vor Kälte aber die Bewegung tut gut und ich schwimme immer weiter.

Danach Sonne. Sand an Händen und Füßen spüren.

Wieder im Appartement kurze grobe Planung. Spontane Entscheidung, dass wir zwei statt einer Nacht bleiben. Endlich ankommen. Dann machen wir uns Tomatensalat mit frischer Minze, dazu Minztee, der nach Minze statt Zucker schmeckt, geröstete Nüsse, Avocado, Brot und Trockenobst. 

Wir essen auf dem Balkon während die Sonne schnell aber eindrucksvoll untergeht. Bereits als sie längst verschwunden ist bleiben noch ihre farbigen Spuren in rosé und violett am Horizont.

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Sonnenuntergang

Mit vollen Bäuchen und leeren Köpfen geht es ins Café. Zu Tee mit viel zu viel Zucker und einer Fremden, die vertraut.

Heute Nacht werde ich vor dem Balkon schlafen und mich von den Wellen in den Schlaf tragen lassen.

Tag 7 Zagora – Quazarate – Agadir

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Tag 7

Wir sitzen im Bus nach Quarazate. Dort werden wir umsteigen um weiter nach Agadir zu fahren. Ans Meer. Mehr sehen. Mehr Eindrücke. Dabei habe ich jetzt schon das Gefühl, zu schnell zu sein. Etwas vergessen zu haben. Unachtsamkeit? Die Wüste. Immer wieder die Wüste.

Draußen scheint die Sonne. Trotzdem läuft im Bus die Heizung auf Hochtouren. Wir versuchen die Trockenheit mit Mandarinen zu lindern. Vor uns wieder Lena und Anna aus der Wüste. Vier Stunden werden sie mit uns fahren, dann geht es für sie zurück nach Marrakesh. Auch sie werden noch an die Küste fahren, später. Sie haben mehr Zeit. Fast noch vier Wochen.

Zeit. Wo ist die Zeitlosigkeit hin? Ich glaube das war es. Ich habe die Zeitlosigkeit in der Wüste vergessen. Sie ist im Sand versunken. Und dann hat der Wind ihre Spuren verwischt.

Wir haben etwas über eine Stunde Aufenthalt in Quazarate und suchen uns ein kleines Restaurant aus. Dort begrüßt uns ein Pärchen aus Polen, dass gerade durch Marokko trampt und beim Besitzer des Restaurants übernachtet hat. Sie vermitteln uns einen Couchsurfer Kontakt in Agadir. Vielleicht werden wir ihn ja heute Abend anrufen, wer weiß. Der Franzose, der am Nachbartisch sitzt, sagt er fände Agadir schrecklich. Viel zu touristisch. Wir bestellen marokkanischen Salat, Suppe und Tajine. Der Salat schmeckt nach Seife, die Suppe fad und die Tajine müssen wir wieder abbestellen da die Zeit zu knapp wird. Dann doch wieder Obst und jede Menge Datteln. Jetzt sitzen wir wieder im Bus. Schön wäre, heute Abend schon kurz im Meer zu schwimmen.

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Abschied von Lena und Anna am Busbahnhof in Quazarate

 

Es dämmert. Wir sitzen immer noch im Bus. Heute Abend dann wohl nur Meer sehen. Die Fahrt war bisher recht eintönig, Hügellandschaft, ein paar Dörfer (teilweise bunter als zuvor) und viel Landwirtschaft. Mandarinenplantagen, Olivenhaine, Kürbisfelder, viele Schafe, ein paar Ziegen. Ich kann nicht mehr sitzen und versuche mich nicht zu sehr über den verlorenen Tag zu ärgern. Trotz nur drei Stunden Schlaf kam ich im Bus nicht zur Ruhe. Die letzten Stunden habe ich mit Musik hören, aus dem Fenster schauen und Mandarinen essen verbracht. Michael hat sich mit einem 19 jährigen Marrokaner, der vor uns sitzt, unterhalten. Er würde uns einen Schlafplatz bei einem Freund besorgen. Wir aber haben das Gefühl, morgen bald weiter zu wollen und dann nicht genug Zeit für unsere Gastgeber zu haben.

Wir werden uns wohl nach der Ankunft nach einer zentralen Unterkunft umsehen, damit wir möglichst schnell unser Gepäck abgeben und zum Abendessen Richtung Meer gehen können.

Morgen wollen wir dann ein Auto mieten und an der Küste entlang fahren. Abends können wir Jamal, einen Couchsurfer in Azlef bei Essaouria treffen. Soweit der Plan bisher. 

Nach langem hin und her, diversen gruseligen Unterkünften mit Tierchen im Bad und viel Diskussionen mit Taxifahrern und Hotelinhabern haben wir ein günstiges, sauberes Hotel in einem kleinen Stadtteil vom Agadir gefunden, dessen Namen ich nicht einmal weiß. Ich sitze im WIFI Bereich neben dem wirklich sehr freundlichen Hotelbesitzer, der gerade ein Fußballspiel zwischen zwei Mannschaften verfolgt, die ich ebenfalls nicht kenne. Ich bin müde. Die anderen sind ohne mich essen gegangen. Ich habe keinen Hunger und muss noch irgendwie Jamal kontaktieren. Wir müssen ein Auto mieten. Wir müssen eine Route aussuchen. Ich muss schlafen. Warum ist auf einmal alles so kompliziert? 

Ich schreibe Brahim. We already miss you. Er antwortet. Same here und schickt mir ein Bild vom Feuer. Dazu eine Sprachnachricht. Sein kleiner Bruder spielt wunderschöne Musik auf der Gitarre. This is for you.

Tag 6 M’Hamid – Zagora

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Tag 6

Heute wieder kurz aber gut geschlafen. Nach dem Aufwachen kurz Yoga, dann zu den anderen zum Frühstück. Weißbrot, Dattel-,Feigen-und Erdbeermarmelade, Orangennektar. Ich bin nicht hungrig aber esse aus Höflichkeit etwas, trinke heute Kaffe statt Minztee, da mir dieser immer zu süß und mit zu viel Grüntee gemischt ist.

Danach die Dünen erklimmen, es ist 10 Uhr und bereits sehr heiß. Schwarze Käfer hinterlassen Spuren wie Straßen im Sand.

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Große Düne. Kleines Ich.

Ich gehe zurück zum Camp, packe und setze mich in den Schatten neben der Hängematte. Said kommt zu mir. Wir reden über die Wüste. Er sagt ich soll bleiben. Ich denke ja.Und sage I will come back. Ich meine es ernst. Irgendwann ein oder zwei Wochen, viel alleine sein hier und manchmal mit anderen, schreiben, schweigen, die Dünen entlang laufen, am Feuer sitzen. Ich hätte nicht gedacht, dass mich Wüste so ausfüllen könnte.

Die anderen kommen, Verabschiedung, Rückweg. Etwas Dromedar, dann wieder laufen. Said gibt mir seine Sandalen. Ich lasse mich etwas nach hinten fallen, singe und sammle schöne Steine. 

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Said mit seinen Dromedaren auf unserem Rückweg

Zurück in M’Hamid Abschied von Said. Ich werde traurig und nach sehr kurzer Verabschiedung mit Handschlag fühlt es sich an, als ob etwas fehlt.

Dann neuer Plan, Tücher kaufen bei Brahims Schwester. Während wir warten, dass ein Freund von Brahim uns abholt, streichle ich einen der Hunde. Brahim und ich unterhalten uns. Er hatte viele Tiere, auch teilweise mit der Hand aufgezogen. Er hat liebe Augen während er erzählt. 

Dann geht es los. Nach dem Tücherkauf Abschied mit Umarmung. Zum Glück. Ich hätte mich nicht getraut aber Brahim kommt auf uns zu. Schön. Ohne das Gefühl, dass etwas fehlt. I will come back. Sure.

Mit dem Grand Taxi nach Zagora, dort finden wir ein Low Budget Hotel mit Pool, der zwar unsauber ist aber nicht dreckig. Alles kommt uns vor wie Luxus, den wir nicht brauchen. Nach kalter Dusche buchen wir über den Hotelbesitzer den Bus für morgen früh nach Agadir. Vor dem Hotel kaufe ich Wasser, der Besitzer ist sehr nett, spricht etwas Deutsch, da er in der Schweiz gelebt hat. Dann laufen wir ein paar Kilometer in die Stadt, auf dem Weg Kinder, die uns Gebasteltes schenken wollen. Wir lehnen ab, da wir nicht wissen, ob es eine der Maschen ist.

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Über den Dächern von Zagora

In Zagora treffen wir Larbi,einen Jungen Marokkaner, der auch Touren verkauft. Wir sagen, dass wir schon in der Wüste waren, er lädt uns zum Tee ein in seinen Laden. Später vielleicht.

Wir finden einen kleinen Imbiss, der sich später als perfekt herausstellt. Günstig, lecker, Besitzer zurückhaltend aber unglaublich sympathisch. Das warten auf das Essen (knapp eine Stunde) lohnt sich.

Ich habe Gemüsetajine mit Reis. Während des Wartens laufen Lena und Anna aus der Wüste vorbei, wir unterhalten uns nett, sie haben schon gegessen. Beide fahren auch morgen weiter jedoch zurück nach Marrakesch.

Abschied, vielleicht morgen früh an der Bushaltestelle noch einmal.

Während wir essen kommt der Larbi vorbei und setzt sich zu uns. Wir reden viel. Nach dem Essen sitzen wir bei ihm im Laden, der tatsächlich auch Teppiche verkauft. Davor wird man überall gewarnt. Es stört uns nicht, denn wir wissen, dass wir nichts kaufen werden. Ein bisschen feilschen zum Spaß, Tee trinken, dann: wir sind müde. 

Larbi läuft mit uns den Rückweg. Ich erfahre, dass sein Vater zwei Frauen hat. Wir unterhalten uns über Kultur und Menschenbilder, es ist nett aber die Wüste fehlt mir. Er nimmt meine Hände. You have such cold hands. That means that you are in love. Ich antworte. Maybe I am. Auch hier Abschied mit Umarmung aber anders.

Zurück im Hotel. Es ist fast zwei. Noch vier Stunden Schlaf. Ich bin zu aufgedreht. Die Wüste fehlt mir.

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Blick über Zagora und seine Palmen

Day 6.

Today I only slept little, but well. After waking up a short round of yoga, then join the others for breakfast. White bread, date and fig and strawberry marmalade, orange nectar. I am not hungry but eat some out of politeness, drink coffe today instead of mint tea, as it is always too sweet and mixed with too much green tea.

Climbing the dunes after that, it’s already 10 o’clock and very hot. Black beetles leave behind trails like streets in the sand.

I go back to the camp, pack, and sit down in the shade next to the hammock. Saiid comes to my side. We talk about the desert. He says I should stay. I think yes. And say I will come back. I truly mean it. Some time for a week or two, lots of being alone here and sometimes being with others, writing, keeping silent, walking along the dunes, sitting at the fire. I would never have thought that the desert could complete me so.

The others show up. Goodbyes. The way back. Some dromedary, then walking again. Saaid gives me his sandals. I fall back a bit, sing and collect pretty rocks.

Back in M’Hamid, parting with Saiid. I become sad, and after a short farewell with handshake, it feels as though something is missing.

Then new plans, buying cloths at Brahim’s sister. While we wait for a friend of Brahim to pick us up, I pet some of the dogs. Brahim and I talk. He has many animals, some of which he has raised himself. His eyes are very kind as he talks.

Then it begins. After the purchase, parting with hugs. Fortunately. I would not have dared to do it myself, but Brahim initiates it. So nice. Without the feeling that something is missing. I will come back. Sure.

With the Grand Taxi to Zagora, there we find a Low Budget Hotel with swimming pool, which was unclean but not dirty. It strikes us as pure luxury, which we have no need need for. After a cold shower we book an early bus to Agadir. In front of the hotel I buy some water, the owner is very kind, he speaks some German, since he lived in Switzerland. Then we walk a few kilometers around the city, on the way there’s kids, who want to give us home-made gifts. We decline, since we do not know if it’s part of a scam.

In Zagora we meet Larbi, a young Moroccan, who also sells tours. We tell him we have already been to the desert, and he invites us for tea at his shop. Later, perhaps.

We find a small diner that later on turns out to be perfect. Cheap, tasty, owner somewhat reserved but unbelievably sympathetic. The wait for the food (a good half hour) is definitely worth it.

I eat vegetable tajine with rice. During the wait, Anna and Lena from the desert walk past us, we have a nice talk, they’ve already eaten. Both will continue onwards tomorrow, back to Marrakesh.

Farewell, maybe one more time tomorrow at the bus stop.

While we eat, Larbi shows up and sits down with us. We talk a lot. After the meal we sit down at his shop, which also sell carpets. You hear all sorts of warnings about that. We do not mind, because we know, we won’t buy anything. Some haggling, just for fun, drinking tea, and then: we are tired.

Larbi walks with us on the way back. I learn that his father has two wives. We talk about culture and the image of humanity, it is nice but I miss the desert. He takes my hands. „You have such cold hands. That means that you are in love.“ I reply, maybe I am. Here too, goodbye with a hug, but somewhat different.

Back at the hotel. It is almost two o’clock. Four more hours of sleep. I am too wired. I miss the desert.

 

Tag 5 Sahara

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Tag 5

Ich kann mich nicht erinnern, je so eine Stille erlebt zu haben. Hier in der Wüste ist es so, als ob ich zum ersten Mal wirklich hören kann. Obwohl der Wind weht. Obwohl ein paar Männer im Zelt Tee trinken und reden. Ihre Stimmen dringen gedämpft zu mir. Und daneben immer noch diese unglaubliche, unbekannte, tiefe Stille.

Ich habe letzte Nacht besser geschlafen, als die Tage zuvor. Das Bett im Lehmhaus bestand aus einer harten, flachen Matratze, ein paar sandigen Decken und einem steinharten Kissen. Es war kühl aber nicht kalt. Und die Stille. Sie war gestern schon da, nur noch nicht so voluminös. 

Heute morgen dann der Versuch, Yoga im Sand zu machen. Schwierig, vor allem wegen der drei Hunde, die meine Aufmerksamkeit forderten. Auch gut, dann nur kurz die Weite begrüßen und sich an das grelle Licht gewöhnen. Nach dem Frühstück gehen wir auf den Markt. Ein bisschen Obst, Gemüse kaufen. Ein Junge bettelt und greift in meine Tüte. J’ai faim. Ich gebe ihm einen Apfel. Ob der ihn satt machen wird? Danach noch Kanister mit Wasser kaufen. Den Rückweg zum Camp gehen wir bewusst zu Fuß. 

Zu Fuß gehen erscheint uns auch später wieder die bessere Wahl, als wir uns mit Dromedaren auf den Weg machen, tiefer in die Wüste vorzudringen. Der Sand ist heiß aber brennt nicht, als ich barfuß neben meinem Dromedar her laufe. Auch hier wechselt der Boden, kleine Pflanzenteile stechen mich, Steine kitzeln und getrockneter Sand reibt auf meiner Haut. Ein gutes, echtes Gefühl. Dann kurze Rast unter einem Baum. Eine Blase am großen Zeh. Dann doch noch ein Stück Dromedar. Das Schaukeln und die Stille machen müde. 

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Sand unter den Füßen..

Wie kommen an. Kein Zelt aufbauen, alles steht schon, wieder die Buchstaben W und C. Auch ein paar andere Besucher. Ich höre meine Muttersprache und ärgere mich fast etwas.

Na gut, vielleicht eine Illusion, hier in so kurzer Zeit mehr ‚echt‘ zu erleben. 

Aber später Feuer. Bis dahin noch etwas Stille tanken, während die Stimmen der anderen meine Ohren von nebenan her streifen.

Ich gehe raus, lege mich in die Hängematte  und bereue, nichts zu schreiben mitgenommen zu haben. Der Wind weht leicht und kühl während sich die Sonne immer weiter senkt. Ich fröstele leicht und bin angenehm müde. Mein Handyakku ist fast leer. Festhalten, denke ich.

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Der Blick von unserem Zelt aus. In der Ferne eines der Dromedare. Anna und Lena auf einer Düne.

 

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Platz zum Verweilen und Träumen

Feuer. Endlich. Wir sitzen hier nachdem wir den Sonnenuntergang auf einer Düne angesehen haben, zuvor unsere Namen in Arabisch im Sand gelesen haben. Der Sand ist so anders, dunkler, feiner. Ich möchte meine Hände vergraben in den tieferen Schichten, die auch noch nach dem Sonnenuntergang angenehm warm sind. 

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Wir schauen der Sonne beim Untergehen zu

Dann schnell bevor es ganz dunkel ist die Düne runter rennen. Ins Zelt, in dem es Tee, Nüsse und Kekse gibt und wir Anna und Lena kennenlernen, die in Jena studieren. Anna hat mit ihren 22 Jahren schon fast die ganze Welt bereist. Sie erzählt. Ich höre ihr gern zu aber ich verspüre keinen Neid. Wir schieben die flachen  Tischchen zusammen. Es gibt Suppe, danach Tajine. Zum Abschluss Obst. Heute alles vegan. Ich bedanke mich.

Ich sitze noch etwas mit Anna bei Kerzenschein und wir unterhalten uns, bevor wir zu den anderen ans Feuer sitzen. Es wird getrommelt.

Später: Brahim erzählt Witze und stellt uns Rätsel, auch wir versuchen uns daran. Ich singe doch die Deutschen trauen sich nicht richtig und bald sind nur noch Brahim, Saiid und zwei weitere, Lena und ich am Feuer. Wir spielen Kinderspiele, Tiergeräusche, Koffer packen mit Bewegungen, Flüsterpost. Es ist so simpel und doch habe ich lang nicht mehr so lachen müssen. Die Erwachsenen Männer mit ihren Turbanen schmeißen sich weg vor Lachen.

Zeitlose Momente. Wir haben weder Alter, noch Rasse, noch Geschlecht. Bei Flüsterpost beißt  mich Saiid ins Ohr. Als er heute die Dromedare führte sah er aus, wie einer, der zu schnell erwachsen werden musste. Jetzt sieht er aus wie ein freies, sorglosen Kind und seine Augen leuchten.  Ich frage was gute Nacht auf berber heißt. Leila Saida.

Vor unserem Zelt halte ich kurz inne. Der Mond ist inzwischen aufgegangen. Halbmond. Ich höre die Schlafgeräusche der anderen und gehe ins Zelt. Jetzt liege ich hier und lausche den Stimmen draußen. Fast schade, dass es morgen schon vorbei ist. Aber das kümmert mich nicht. Die Wüste ist ja zeitlos.

Day 5.

I cannot recall to have ever witnessed such silence. Here in the desert, it is as though I can truly hear for the first time. Despite the blowing wind. Despite a few men sitting in a tent and drinking tea. Their voices reach my ears muffeldly. And next to all that there’s still that unbelievable, unfamiliar, deep silence.

I have slept better last night than the days before. The bed in the clay house was nothing but a hard, flat mattress, a few sandy blankets and a stone-hard pillow. It was cool but not cold. And the silence. Yesterday it was there, but not yet so prominent.

Today in the morning I try to do yoga in the sand. Difficult, especially because of the three dogs that demand my attention. Fine as well, then just a short greeting the world and getting used to the dazzling light. After breakfast we go to the market. Buying some fruits, some vegetables. A boy begins begging and reaching into my bag. J’ai faim. I give him an apple. Will it still his hunger? Then buying a canister of water. We deliberately walk back to camp.

Walking also strikes us as the better option later on, when we take the dromedaries deeper into the desert. The sand is hot, but it does not burn me, as I walk barefoot next to my dromedary. Here, too, the ground keeps changing, small plants poke me, stones tickle and dried sand grinds on my skin. A good, true feeling. Then a short rest under a tree. A blister on my big toe. Then a short trip on the dromedary after all. The rocking and the silence make me tired.

We arrive. No setting up tents, everything’s been prepared, again the letters W and C. A few other visitors, too. I hear my own native tongue and almost feel a tad bit irritated.

Oh well, perhaps it was wistful thinking, to experience more ‚real‘ here in such a short amount of time.

But later on fire. Until then I load up on more silence, while the others‘ voices float past my ears.

I go outside, lie down in a hammock and regret having taken nothing along to write. The wind blows soft and cool while the sun descends further and further. I shiver a tiny bit and feel pleasantly tired. My battery is almost empty. Hold on, I think.

Fire. Finally. We sit here after having watched the sunset from a dune, having read our names being written in Arabic in the sand. The sand is so different, dark, finer. I want to bury my hands in the lower layers, that are still warm even after sundown.

Then quickly running down the dune before it becomes too dark. Into the tent, where there’s tea, nuts and biscuits, and where we meet Anna and Lena, who study in Jena. Anna, with her 22 years, has already seen most places in the world. She recounts her stories. I like listening to her, but feel no jealousy. We push together the flat tables. There’s soup, and after that tajine. Fruits to finish the meal. Today everything is vegan. I express my thanks.

I sit a while with Anna in the dim light of the candles, and we talk, before we go to the others at the fire. There’s drumming.

Later: Brahim tells us jokes and asks us riddles, which we try to solve. I sing, but the other Germans are too shy to join in and soon it’s only Brahim, Saiid and two others, Lena and I remaining at the fire. We play children’s games, Animal Sounds, I Packed My Bag, Telephone. It is so simple, and yet I have not laughed more in a long while. The adults with their turbans roll around on the ground with laughter.

Timeless moments. There’s no age, no race, no gender. Saiid bites my ear as we play telephone. When he lead the dromedaries today he looked like someone who had to grow up too quickly. Now he looks like a free, carefree child and his eyes twinkle brightly. I ask him what good night means in the berber language. Leila Saida.

I pause before our tent. The moon has risen. Half moon. I hear the sounds of the others sleeping and enter the tent. Now I lie here and listen to the voices outside. Almost sad, that tomorrow it’ll be over already. But that does not bother me now. After all, the desert is timeless.