Für Ida

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Du warst nur kurz zu Besuch, doch was ist schon Zeit, wenn nicht etwas, dass wir erfunden haben. Du warst da und das ist alles, alles was zählt.

Wie war es für Dich, meine kleine Seele?

Was hast Du gesehen, bei deinem Abstecher in unser Leben?

Vielleicht hast Du meine Angst gesehen, meine Verwirrung und, dass auch (oder gerade) Erwachsene unsicher und hilflos sein können.

Womöglich hast Du unsere Gedanken und Emotionen gespürt, die Sorge um Deine Zukunft bei uns, und das Gefühl, nicht genug sein zu können, für Dich.

Du kamst unbedarft, klar und deutlich zu mir und doch sanft, genauso, wie du jetzt sachte und gleichsam eindeutig Deine Reise fortsetzt.

Ich weiß nicht, warum Du Dich entschieden hast zu gehen aber ich hoffe, Du hast das gesehen und erlebt, was Du gebraucht hast.

Ich wünsche Dir, dass Du auch gesehen hast, wieviel Liebe in uns steckt, für Dich und für uns.

Ich wünsche Dir, dass Du gespürt hast, dass Du trotz aller Ängste und Zweifel so sehr Willkommen warst, bedingungslos und zu jeder Zeit und, dass Du auch weiterhin stets Willkommen sein wirst.

Ich wünsche Dir, dass Du fühlst, dass wir Dich frei lassen, loslassen ohne halten zu wollen und dass Du trotzdem, wenn Du denn bereit bist, Halt bei uns finden wirst.

Du hast meine Sicht und mein Herz erweitert, für die Zukunft und für dieses Leben.

Du hast uns uns selbst näher gebracht und ich wünsche Dir auf Deiner Reise, dass Du Dir den Ort und den Zeitpunkt aussuchst, der sich richtig anfühlt.

Das Leben ist grausam. Aber das Leben ist auch voller Wunder. Es ist weder gerecht noch ungerecht. Es ist.

Danke, dass Du es versucht hast. Danke, dass Du bei uns warst.

In Liebe, Deine Mama.

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Berge

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Und dann die Berge

Die laut schweigend rufen

Schon immer, in einem fort.

Und die ich erst in der weiten Ferne höre

Und feststelle, wie nah Sie mir endlich wieder sind..

Neuanfang. Jetzt.

Nicht(s) vergessen

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Nichts vergessen

Er steht da. Er steht einfach nur da. Mitten in der Stadt. Mitten in der Stadt steht er da und beobachtet. Er beobachtet die Menschen. Er beobachtet, wie sie rennen, von einem Einkaufsladen in den nächsten. Er grinst. Er grinst doch seine Augen scheinen ernüchtert. Er steht fasst reglos da mit seinem alten, vergilbten Mantel, dem seit einigen Jahren ergrauten Bart und diesem erschreckend nüchternen Blick und schüttelt den Kopf. Immer wieder schüttelt er kaum merklich den Kopf. Ob sie es vergessen haben? Die ganze Zeit über schreiben sie Listen. Klappern einen Laden nach dem nächsten ab, um Punkte von ihrer Liste streichen zu können. Um ja nichts zu vergessen. Und er schüttelt weiter den Kopf. Und beobachtet. Und denkt nach. Dabei vergessen sie das Wichtigste. Sie vergessen nichts und doch alles. Er schüttelt den Kopf und grinst nun nicht mehr. Er dreht sich um und geht. Er geht langsam, denn er hat Zeit. Er hat keine Angst zu vergessen. Er wird sich immer erinnern. Er wird nicht vergessen, nicht er. Doch genau dies macht ihm Angst; irgendwann der einzige zu sein, der sich noch erinnert. Er geht, kopfschüttelnd und langsamen Schrittes. Seine ausgelatschten Stiefel machen schleifende Geräusche auf dem asphaltierten Boden. Keiner hört sie. Keiner nimmt sie wahr. Keiner nimmt ihn wahr. Er hat Zeit. Er erinnert sich. Bald, ja bald, da ist Weihnachten.

Liebe

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Ich liebe.

Ich liebe das Gefühl müder Füße, nach Stunden des Tanzes, baren Fußes über weiches Gras, unter dem Sommersternenhimmel, mit Feuerduft im Haar und Flausen im Kopf.

Ich liebe den Geruch von Waldboden auf meiner Haut, nach einem Nachmittag unter Fichten und Buchen liegend, der Melodie des Windes in den Ästen lauschend.

Ich liebe das Zusammenziehen der Gefäße, beim nackten Sprung in den eisigen See und das wohlig frische Kribbeln auf der Haut nach dem Abtrocken.

Ich liebe es, meinen Atem zu spüren, beim Rennen durch den nebligen Wald, und die Luft aus meinen Lungen aufsteigen zu sehen, bei jedem Ausatmen, als feine Wasserdampfwolke vor meinen Augen.

Ich liebe es meiner Hündin in die tiefbraunen Augen zu sehen, nach einem Wettrennen über eine Blumenwiese, beim sonnenuntergänglichen Verschnaufen, zusammen liegend auf einer Decke und lange Schatten werfend in die Ferne.

Ich liebe es, von Musik berührt zu werden, wie die Klänge eines Cello oder eine Klaviers mein Herz Sprünge machen und mich Hineintauchen lassen in andere Welten, voll chaotischer Ordnung, durchströmt von Gefühl.

Ich liebe die wahren Worte eines Kindes, die leicht und selbstverständlich seine Lippen verlassen und mit großen Augen meine Reaktion erwarten, welche dann stets Erstaunen und Erkenntnis sind, über die Einfachheit des Schönen, der Wahrheit.

Ich liebe Momente mit Freunden, die schweigend oder sprechend heilen können, was nichts anderes zu heilen vermag. Sie sind Balsam für die Seele und erfüllen mich mit Dankbarkeit.

Ich liebe es seine Lippen zu berühren und wie er mich ansieht, wenn er mir wieder, wie immer etwas zu wild, durch mein Haar streicht und mich angrinst, weltvergessend und ganz im Hier.

Ich liebe das Leben. Mit seinen Höhen und Tiefen, seine unergründlichen Wendepunkte, stündlich, minütlich, sekündlich und seine gleichsame Beständigkeit in der Wiederkehr aller, der Jahrezeiten, der Lebensphasen, der Seelen.

Ich liebe das Rauschen des Meeres, einem Blatt beim Fallen vom Baum zuzusehen, das Rotkehlchen von ganz nah zu betrachten, zu Singen, neues zu Lernen, mich umzusehen…

Ich liebe. Ich liebe. Ich liebe.

Ich lebe.

Monster

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Wenn meine Monster wiederkommen, ganz plötzlich und unerwartet, dann erinnere ich mich einfach daran, wie klein sie alle geworden sind und höre auf, sie zu zählen, weil dies sinnlos ist. Ich stehe auf und sage: ich hab euch gesehen und jetzt dürft ihr wieder gehen. Dann verteile ich Kekse und gehe weiter, während die Monster nun an Kekskrümeln nagen anstatt an mir und in der Ferne langsam aber sicher immer kleiner werden, bis sie schließlich weggeschrumpft sind. Und alles ist gut. Bis auf, dass die Kekse leer sind aber das werd ich auch noch überleben!

Licht und Kloß

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Der Kloß, der wächst und wächst und wächst. Sich ausbreitet, bis die Ausmaße eines grenzenlos scheinenden, schwarzen Loches erreicht sind. Tief in meiner Brust sucht er sich Raum.

Doch er kann nicht hier einziehen, denn es bleibt steht’s ein Funken, dessen zuhause ich bin und bleibe und ich weiß, dieser war schon Feuer, groß und allumfassend und um ein Vielfaches mächtiger als die Schatten in mir. Und ab und an entzündet sich dieser Funken zu einem immensen, unendlichen Licht, welches immer siegen wird.