Marokko 2020 / 7

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Tag 7 Agadir-Legzira Beach-Agadir

(English Translation below)

Noch sind die letzten fünf Tage nicht in Worte gefasst, schon neigt sich unsere Zeit in Marokko dem Ende.

Den letzten Tag verbrachten wir an einsamen Buchten Nahe Legzira Beach, einem wunderschönen, mit Felsen umgebenem Strand mit tosenden Wellen zwischen Tiznit und Sidi Ifni.

Zum Baden war der Atlantik heute zu stürmisch und zu steinig aber die Felsen luden zum Klettern und verweilen ein. Noch einmal dem Rauschen der Wellen lauschen und so lange Sonne tanken, bis man sich nach Schatten sehnt.

Auf dem Rückweg treffen wir auf einem nahegelegenen Campingplatz Brahim, meinen Gastgeber, den ich vor vier Jahren in der Sahara bei M‘Hamid kennen und lieben lernen durfte. Er ist seit heute in der Gegend. Ungewöhnlich, diesen Berber auf einmal ohne Turban und Gewand zu sehen, stattdessen schick gekleidet mit Lederjacke und Hut. Doch die Augen sind dieselben und ich unterhalte mich unglaublich gerne mit diesem Menschen, der wohl einer der besten ist, die ich je kennen lernen werde. Und schon wünsche ich, ich hätte mehr Zeit, mehr Zeit für die Orte und Menschen hier, bin ich doch gerade erst angekommen in diesem Land.

Doch so muss es sich wohl anfühlen, wenn es gut war. Man soll gehen, wenn es am Schönsten ist..

Wir fahren mit anfänglichen Schwierigkeiten einen anderen Weg zurück nach Agadir. Zu unserem Glück nehmen wir einen Anhalter mit, der den Weg kennt.

Und so endet unsere Reise fast schon, mit von der Sonne geröteten Wangen, lauter wundervollen Eindrücken gefüllten Köpfen und der Gewissheit, nicht das letzte Mal hier gewesen zu sein.

Day 7 Agadir-Legzira Beach-Agadir

Although the last five days are not written down yet, our time in Morocco is coming to an end. The last day we spent on lonely bays near Legzira Beach, a beautiful beach surrounded by rocks with thorough waves between Tiznit and Sidi IFNI. For bathing, the Atlantic today was too stormy and to rocky but the rocks invited to climb up and linger. One last time listening the sound of the waves and refuel sun until you long for shadows. On the way back we meet at a nearby campsite Brahim, my host, which I was allowed to get to know and love in M’Hamid four years ago in the Sahara. He has been in the area since today. Unusual to see this Berber at once without turban and guise, instead chic dressed with leather jacket and hat. But the eyes are the same and I am unbelievably happy to spend a bit with this person who is probably one of the best I will ever get to know. And I already wish, I would have more time, more time for the places and people here. Feels like I’ve just arrived in this country. But that’s maybe how it has to feel. One should leave when it’s the most beautiful ..

We drive with initial difficulties a different way back to Agadir. To our luck we take a Tramper who knows the way. And so our journey almost ends, with cheeks reddened by the sun, heads filled with wonderful impressions filled and the certainty, that it wasn’t the last time being here.

Für Ida

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Du warst nur kurz zu Besuch, doch was ist schon Zeit, wenn nicht etwas, dass wir erfunden haben. Du warst da und das ist alles, alles was zählt.

Wie war es für Dich, meine kleine Seele?

Was hast Du gesehen, bei deinem Abstecher in unser Leben?

Vielleicht hast Du meine Angst gesehen, meine Verwirrung und, dass auch (oder gerade) Erwachsene unsicher und hilflos sein können.

Womöglich hast Du unsere Gedanken und Emotionen gespürt, die Sorge um Deine Zukunft bei uns, und das Gefühl, nicht genug sein zu können, für Dich.

Du kamst unbedarft, klar und deutlich zu mir und doch sanft, genauso, wie du jetzt sachte und gleichsam eindeutig Deine Reise fortsetzt.

Ich weiß nicht, warum Du Dich entschieden hast zu gehen aber ich hoffe, Du hast das gesehen und erlebt, was Du gebraucht hast.

Ich wünsche Dir, dass Du auch gesehen hast, wieviel Liebe in uns steckt, für Dich und für uns.

Ich wünsche Dir, dass Du gespürt hast, dass Du trotz aller Ängste und Zweifel so sehr Willkommen warst, bedingungslos und zu jeder Zeit und, dass Du auch weiterhin stets Willkommen sein wirst.

Ich wünsche Dir, dass Du fühlst, dass wir Dich frei lassen, loslassen ohne halten zu wollen und dass Du trotzdem, wenn Du denn bereit bist, Halt bei uns finden wirst.

Du hast meine Sicht und mein Herz erweitert, für die Zukunft und für dieses Leben.

Du hast uns uns selbst näher gebracht und ich wünsche Dir auf Deiner Reise, dass Du Dir den Ort und den Zeitpunkt aussuchst, der sich richtig anfühlt.

Das Leben ist grausam. Aber das Leben ist auch voller Wunder. Es ist weder gerecht noch ungerecht. Es ist.

Danke, dass Du es versucht hast. Danke, dass Du bei uns warst.

In Liebe, Deine Mama.

Momentaufnahme 18.11.17, 3.35pm

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Ein letztes Mal am Yukonriver die Luft des Nordens einatmen, welche gleichermaßen nach Freiheit, Weite, Einsamkeit, klirrender Kälte und der Gemütlichkeit eines Holzofens duftet. Und wie ein alter Bekannter wünscht mir ein Weißkopfseeadler von einer Straßenlaterne aus eine gute Weiterreise..

Tag 10/Resümee Tagazout – Agadir – Marrakesh – Frankfurt Hahn

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Tag 10

Ich wache auf, bevor der Wecker klingelt. Wieder das Meer in meinen Ohren. Ich schaukle hin und her. Ewig könnte ich so verweilen.

Letzter Tag, es ist früh morgens. Noch einmal kurz an den Strand. Barfuß laufe ich die steinigen Stufen, bis meine Füße nassen Sand spüren. Ich mache Yoga. Sonnengruß in der Sonne. Dann Tanz mit den Wellen. Eiskalt, trotzdem möchte ich auch hier verweilen.

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Ein letzter Sonnenaufgang..

Nachdem wir gefrühstückt und das Appartement geputzt haben, geben wir die Schlüssel ab. Ich bringe dem Besitzer Tomaten und Petersilie, die wir nicht aufbrauchen könnten. Er freut sich und zeigt mit kurz sein Haus. Soviel Zeit muss sein. Von innen ist es wunderschön. Mehrere Stockwerke, überall Sitzecken mit Blick aufs Meer. Auf der Dachterrasse zeigt er mir seine Schildkröten. Sie freuen sich ebenfalls über das Grünzeug.

Dann der Weg nach Agadir, wieder zum Bus. Wir wollen trampen aber es halten nur Leute an, die Geld wollen. Inoffizielle Taxis. 

Da wir unter Zeitdruck stehen, verhandeln wir mit den Fahrern am Grand Taxi Stand und einigen uns.

Unser Bus ist diesmal von einem anderen Unternehmen. Supratours statt CTM. Sie garantieren eine pünktliche Abfahrt und mehr Komfort. Kosten sind dieselben. 

Die Abfahrt verzögert sich tatsächlich nur um fünf Minuten. Dafür ist alles anonymer, nicht so unkompliziert. Kristin darf trotz freundlicher Nachfrage nicht mehr auf die Toilette, es riecht nach unzähligen viel zu süßen Parfümen, die Sitze sehen zwar bequem aus aber irgendwie ist alles enger.

Ich bin müde aber ich will nicht schlafen. Wir fahren an roten Landschaften mit grünen Flecken vorbei. Die Sonne scheint.

Resümee

Ich sitze im Bus. In meinen Ohren die Kopfhörer. Ich höre Meeresrauschen in Dauerschleife. Heute morgen aufgenommen.

Ich ziehe ein Resümee. Was habe ich konsumiert in den letzten 8 Tagen? 

Geschätzte 20 Kilo Obst, davon größtenteils Mandarinen.

4Tajiines, davon 1 selbst gemachte 

5 Marokkanische Salate, davon 3 selbstgemachte 

2 Kilo Karotten 

1 Kilo Datteln und Feigen

Unzählige Nüsse und geröstete Kichererbsen

Etwas Brot, Marmelade 

Viel Tee 

Mindestens 3 Liter Wasser am Tag

Der Plastiktüten und Flaschenverbrauch war unermesslich, trotz Stofftaschen um Rucksack

Wasser haben wir in fünf Liter Kanistern gekauft und dann aufgefüllt, trotzdem immer noch zu viel Verbrauch.

Was ich gelernt habe? Ganz praktisch:

Weniger einpacken 

Wenn man ein bestimmtes Ziel hat einfach Papierkarte nutzen oder rumfragen, Handy verwirrt nur

Ein faltbarer Rucksack ist praktisch

Immer Kleingeld für die Toilette dabei haben, am besten auch noch Taschentücher

Wasser ist wertvoll

Mandarinen schmecken auch noch, wenn man sie 10 Tage hintereinander isst, es gibt süße, saure, große, kleine…

Zu viele Nüsse machen Bauchweh (das wusste ich eigentlich schon..)

Unter vier Stunden Schlaf reizen auf Dauer

Immer freundlich sein, auch wenn man keine Hilfe möchte. Klar und deutlich mit einem Lächeln ist die beste Wahl.

Lieber an einem Ort bleiben, wenn man nur wenige Tage zum Reisen hat, es gibt überall viel zu entdecken 

Marokko hat 1000 Gesichter, aus Höflichkeit sollte man sich in gewissen Regionen anpassen

Die Menschen sind überall auf der Welt gleich, es gibt Reiche und Arme, echte und falsche aber meist sind die, die am Einfachsten leben die Herzlichsten

Erfahrung und Weisheit haben nichts mit schulischer Bildung zu tun, das Leben bildet den Mensch, egal wo er aufwächst

Und zu aller Letzt:

Nimm dir Zeit! Für Begegnungen, Gespräche, zum Lauschen, Atmen, inne halten. Nimm dir Zeit zum Leben.

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Letzter Sonnenuntergang kurz vor Abflug in Marrakesch