Momentaufnahme 18.11.17, 3.35pm

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Ein letztes Mal am Yukonriver die Luft des Nordens einatmen, welche gleichermaßen nach Freiheit, Weite, Einsamkeit, klirrender Kälte und der Gemütlichkeit eines Holzofens duftet. Und wie ein alter Bekannter wünscht mir ein Weißkopfseeadler von einer Straßenlaterne aus eine gute Weiterreise..

Das Glück 

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12.11.1710:40pm

-20Grad, Mendenhall, knappe 80km nördlich von Whitehorse. Ich liege im Schlafsack im Walltent. Um mich herum die nächtliche Stille des schneebedeckten Waldes. Nur das Knistern des Holzes in dem kleinen Ofen durchbricht ab und an diese Stille. Ich bin allein. Und glücklich. Während ich diese Worte schreibe, steigt mein warmer Atem in kleinen Wolken vor mir auf. Es ist angenehm warm im Schlafsack, trotzdem, dass der Boden unter mir gefroren ist. Der Ofen wärmt die Luft gerade so, dass ich nicht friere aber es auch nicht zu warm ist. Er ist so klein, dass ich nachts wohl Holz nachlegen muss, vielleicht reicht auch die Wärme des Schlafsack. Ein bisschen mulmig ist mir schon, genau wie gestern, als ich den Spuren des Vielfraßes (Wolverine) im Wald bei Takhini folgte und noch nicht wusste, dass Vielfraße eigentlich ungefährliche Asfresser sind. Aber genau das macht ja den Reiz aus. Neues Lernen. Und ich möchte den Winterwald des Yukon erleben um ihn zu kennen. Zu verstehen. Und dann, die Angst zu verlieren. Nur das Unbekannte lässt uns fürchten. 

Komisch, wieder, und doch war es berechenbar, dass es mir jetzt, wo mir noch knappe sechs Tage im Yukon bleiben, scheint, als bräuchte ich mehr Zeit. Und natürlich, auch wieder, möchte ich bleiben. Auf einmal, wobei ich doch fast zwei Monate mehr über- als ge-lebt habe.


Die letzten Tage waren wunderbar wunderlich anders. Ich habe vieles kennen gelernt und vor allem mich, neu, anders. Zum Schreiben blieb keine Zeit, wie so oft und jetzt, da Zeit ist, weiß ich nicht, wo anzufangen.
Und eigentlich möchte ich gerade diese Nacht hier genießen. Im Zelt. Im Wald. Allein.
Das ist überhaupt etwas, dass ich hier gelernt habe. Momente zu leben. Zu genießen. Selbst in jenen Situationen, welche im ersten Augenblick nicht sehr toll erscheinen. Was bringt es auch, sich woanders hin zu wünschen, wenn dies gerade nicht möglich ist? Seit ich das verinnerlicht habe, ist es wesentlich einfacher, zu sein. Und wirklich schön.
Heute ist Sonntag. 

Am Mittwoch bin ich mit Mike, dem Chinesen, mit dem wir bereits in Fish Lake wanderten, nach Tagish gefahren, um bei Stephen, meinem vorigen Workaway Host, eine Jacke abzuholen, welche ich dort vergessen hatte. Auf dem Weg haben wir zwei Freestores (Orte bei der Müllhalde, bei denen Leute u.a. alte Kleidung zum Verschenken abliefern) passiert und ich konnte eine Fleeceweste und eine winddichte Jacke für Island ergattern. Stephen freute sich über meinen Besuch und das war schön, denn bevor ich ging, hatte ich ihm doch sehr ehrlich die Meinung gesagt. Mike und ich machten uns dann noch mit Tyson, dem Hund, den ich dort immer ausgeführt hatte, auf einen langen Spaziergang auf und es war faszinierend den Tagish Lake, indem ich drei Wochen zuvor noch gebadet hatte, angefroren und von eisigem Nebel bedeckt zu sehen.

Bei Stephen lernten wir auch Maja aus Deutschland kennen, welche nun bei ihm zu Gast ist. Sie plant zwei Monate hier in Yukon zu bleiben und wir wollten uns auch Dienstag eventuell in Whitehorse treffen aber nun bin ich schon wieder ganz woanders. Planen lässt sich hier nicht viel und genau das macht es gerade gut.
Von Donnerstag bis Sonntag habe ich Robert in seinem Tinyhouse in Takhini besucht. Dort war ich bereits vorige Woche für eine Nacht. 

Das tollste Erlebnis hatte ich bereits auf dem Weg zu ihm. Ich bin mit E.s Rad bei -20Grad knappe zwei Stunden dorthin geradelt. Um mich herum der sogenannte „Stardust“, viele kleine glitzernde Eispartikel in der Luft. 

Die Sonne schien und solange ich mich bewegte war mir, bis auf die Füße, sehr warm. Auf meinem Weg traf ich einen wunderschönen, schwarz-roten Fuchs und einen Maultierhirsch. 

Beide Tiere schienen mich ebenso interessant zu finden, wie ich sie und so konnte ich sie wirklich lange beobachten. Ich fühlte mich frei und unabhängig. Es war einfach schön.  
Nachdem ich mich bei Robert Aufgewärmt hatte ging es gleich noch einmal mit den Rädern los, diesmal mit Hund, verschneite Trails im Wald entlang. Leider ist mein geborgtes Rad kein Snowbike, deshalb fühlte ich mich etwas unsicher aber Spaß machte es trotzdem.


Diesmal hatten wir mehr Zeit als bei meinem ersten Besuch.

Zum Kochen und zusammen Essen. Nordlichter beobachten. Reden. Schweigen. Gemeinsam Lesen. Baden in den Hotsprings (Er kann dort jederzeit umsonst baden, was angesichts der Abwesenheit eines Badezimmers und fliesend Wasser im Winter äußerst praktisch ist). Voneinander lernen.



Ich habe mich in Roberts zweistöckigem Tinyhouse gleich wohl gefühlt. Er hat es mit seiner damaligen Partnerin selbst gebaut und lebt dort nun mit seiner Hündin. Geheizt wird natürlich mit Holz. Wasser gibt’s aus Kanistern. Strom von Solarzellen. Das Haus ist super isoliert und einfach schön, gemütlich und praktisch eingerichtet. Robert ist ein geduldiger, angenehmer und aufmerksamer Mensch, der ursprünglich von der Küste Deutschlands kommt, schon viel gereist ist und nun seit einigen Jahren im Yukon lebt und, wie so viele, als Tourguide arbeitet. 
Im den Tagen bei ihm machten wir Feuer, ich durfte lernen ein Quad im Schnee zu fahren, wir entdeckten Vielfraßspuren, sahen Sternschnuppen. Ich hatte auch Zeit für mich, morgens, wenn die Sonne gerade erst aufging, abends beim Spazierengehen mit dem Hund, nachts, beim aus-dem-Fenster schauen vom Sofa aus. Kurzum, es war sehr, sehr schön. Danke dafür, lieber Robert! Von Herzen.
Heute, Sonntag, bin ich bei Aline, welche mittlerweile im Mendenhall Workaway macht. Es war so schön, sie heute wieder zu sehen. Verrückt, wie schnell sich eine eben noch Fremde auf einmal fast wie Familie anfühlt..

Sie arbeitet für eine Kanadierin, die ihren Hauptwohnsitz in Whitehorse hat, da ihre Kinder dort die Schule besuchen. Alines Aufgaben sind hauptsächlich, mit dem Schlitten Feuerholz aus dem Wald zu holen, es zu spalten, das Haus warm zu halten, Reparaturen zu erledigen, die Hunde zu versorgen und- was ich am Coolsten finde- wirklich große Feuer zu machen und darin alten Schutt zu verbrennen. Ich freue mich sehr, dass sie diesen wundervollen Ort, an dem sie sich sehr wohl fühlt, gefunden hat und dass ich einen Teil ihrer Zeit hier miterleben darf.

Gerade ist sie hier im Haus noch mit zwei ebenfalls reisenden Jungs aus Deutschland, Malte und Nils. Wir waren spazieren mit den zwei Hunden, unterhielten uns ewig, kochten, aßen und lachte gemeinsam und dann habe ich mich entschieden, hier noch etwas länger mit ihr zu bleiben und zu arbeiten. Und heute draußen zu schlafen. Wo ich jetzt liege. Gespannt ob all der Dinge, die da noch kommen. Und wieder, sehr dankbar.

Wachstumsschmerzen beim Reisen

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Seit gestern habe ich wieder mal große Angst vor diesen doofen Wachstumsschmerzen, die das Reisen so mit sich bringt. Und die ganzen Fragen tauchen wieder auf, die ich mir schon so oft in den letzten zwei Monaten gestellt habe. Warum der Yukon? Im Winter? Warum Island? Ohne einen dicken Geldbeutel, ohne Führerschein? Ohne Plan…
Nun ja, der aufmerksame Leser weiß, dass alles (wie immer) anders lief als ursprünglich geplant und der bedachte Mensch weiß, dass es sinnlos ist, sich über das Warum Gedanken zu machen und, dass es schon alles gut wird und das weiß ich ja auch alles nur allzu gut aus Erfahrung. Aber dazwischen sind nunmal diese besagten Wachstumsschmerzen und gerade finde ich die einfach doof! Und dann dieser Typ, der in der Facebook Islandgruppe auf meine höfliche Frage, was man denn so mit wenig Geld in Island unternehmen könne mit „Flug stornieren“ antwortet… Ich möchte wie ein kleines, beleidigtes Kind losheulen und endlos jammern, obwohl ich doch der größte Glückspilz der Welt bin ohne es mir irgendwie verdient zu haben. Aber es macht mir Angst, nicht zu wissen, was, wer, wie auf mich zukommt und ich weiß, dass es nicht nur gute Erfahrungen sein werden. Auch sehr gute. Schöne. Aber eben nicht nur. Und daran wachse ich dann weiter. Trotzdem schimpfe ich heute auf mich und meine Torheit und schreibe diesen kurzen Artikel. Und jetzt ist auch gut mit Gejammer. Zumindest schriftlich!

Update Reisetagebuch Yukon: Porter Creek, Fish Lake, Takhini 

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2.11.2017Fish Lake
Seit drei Tagen bin ich nun mit A. (welche ebenfalls mit mir zwei meiner fünf Wochen in Tagish verbracht hat) bei einem Host in Porter Creek, einem Stadtteil etwas außerhalb von Whitehorse. Zu Fuß kann man hier innerhalb von etwas über einer Stunde Whitehorse Downtown erreichen, wahlweise am Highway entlang oder durch Wald um die Ecke. Es ist auch noch nicht zu kalt zum Radeln und so habe ich den Weg auch schon mit dem Rad bestritten, allerdings musste ich letztendlich auf den Highway wechseln, da unter der dünnen Schneeschicht im Wald alles vereist war.


In den letzten Tagen ist sehr viel passiert, ich bin mittlerweile wohl wirklich in Kanada angekommen und unser Host, E., 67 Jahre alt, ist ein sehr interessanter Mann mit viel Lebenserfahrung und einer philosophischen Seite. Seine ruhige Ausstrahlung spiegelt sich in seiner Wohnung wieder, in der man sich einfach nur wohl fühlt. Wir hatten bereits viele tiefgründige Gespräch und seine entspannte Art wirkt auch auf uns. A. und ich schlafen in einer Cabin im Garten. Morgen wird sie zu einem anderen Workaway Host wechseln und ich bleibe alleine bei E. Aber alleine ist man hier nie. 
Was ursprünglich als eine Zeit des „Zusichselbstfindens“ geplant war, stellt sich als ein ununterbrochenes Kennenlernen und Austauschen mit anderen Menschen heraus. Ich könnte gerade eine neue Liste anlegen: „Menschen aus allerlei Nationen, welche ich in Kanada kennen gelernt habe“. In dieser Liste würden sich nicht sehr viele Kanadier finden, stattdessen eine Chilenin, ein Chinese, ein Südafrikanische, ein Pakistaner, mehrere Deutsche, Franzosen, Schweizer und viele mehr. Die meisten dieser Menschen sind hier nicht im Urlaub sondern zu Hause, der Yukon als Wahlheimat, also sind sie gewissermaßen doch Kanadier. Und ich finde es schön zu sehen, dass es eben nicht „den Kanadier“ oder „die Kanadierin“ gibt. Die Geschichten, welche die Menschen hier mit sich bringen sind dann wohl das spannende dabei – warum treibt es jemanden hier her in den Yukon?  

Dafür gibt es allerhand Gründe und jeder hier hat seine ganz eigenen aber dafür müsste ich hier ein ganzes Kapitel aufmachen. 


Nun aber zu den letzten Tagen. Wie gesagt war es sehr angenehm, ich habe einige Zeit in der Stadt verbracht, diverse Menschen getroffen, war schwimmen in Game Center und gestern haben wir eine wunderschöne Wanderung mit unserem Horst und M., einem Chinesen, den wir ebenfalls in Whitehorse kennengelernt haben, gemacht. 

Wir sind oberhalb von Fish Lake gewandert und auf dem ganzen Weg lag Schnee. Die Sonne zeigte sich endlich mal wieder und ihre gelb-goldenen Strahlen reflektierten sich in den weißen Kristallen des Schnees unter unseren Füßen und zu unseren Seiten. 


Unzählige Spuren waren im Schnee zu sehen, von Hasen- über Fuchs-und Wolf- bis hin zu Schwarzbärspuren. Bei genauerer Betrachtung waren sogar kleine Mäusefüsschen, welche sich durch den Wald schlängelten, zu erkennen. Nach einer Zeit lief ich etwas abseits hinter den anderen, um mehr für mich zu sein und als wir den Hauptteil der Steigung durch den Wald bestritten hatten, breitete sich eine große Ebene vor uns aus, rechts und links neben dem schneebedeckten Pfad überall brusthohe Büsche, deren Stängel mit Schneekristallen verziert waren. Das ermutigende Funkeln der hellen Sonnenstrahlen reflektierte sich im eisigen Weiß und auf einmal fühlte ich mich wie damals in Portugal, wo ich ebenfalls einen unendlich weiten Weg ging, um mich herum nur Büsche und strahlender Sonnenschein. Keine Menschenseele weit und breit. Der einzige Unterschied war die Temperatur die damals bestimmt an die 35 Grad Celsius betrug und, dass ich alleine war. Doch in diesem Moment war es dasselbe große Glück in mir, dass mich ein paar Tränen vor Freude vergießen lies. Und wie ein zusätzliches Zeichen tauchte auch noch ein winzig kleiner Vogel aus dem Gebüsch hervor und zwitscherte im gleichen Ton, wie ich es damals in Portugal von den unzähligen winzigen Vögeln vernommen hatte. Als wir dann einen der vielen Gipfel erreichten, war der Blick atemberaubend. Unter uns die schneebedeckte Landschaft, um uns die Berge, in der Ferne der See, über uns die Sonnenstrahlen, durchbrochen von ein paar Wolkenschleiern, die sich wie Fäden durch den Himmel zogen. Und überall diese ausfüllende Stille, die ich bereits in der Sahara wahrnehmen konnte. Bis auf die Stimmen meiner Begleiter und später ein Flugzeug des nahe gelegenen Whitehorse Flughafen, war nichts zu hören. Nichts. Trotzdem war alles so ausgefüllt. Eine wundersame Fülle. Wundervoll.


Auf dem Rückweg stapften wir durch den knietiefen Schnee zurück zum Auto, stets darauf bedacht, nicht auszurutschen, da sich unter der Schneedecke überall hartes Eis befand. Trotzdem fiel jeder von uns durchschnittlich vier mal auf sein Hinterteil. 


Den Abend ließen wir dann in den 30km enfernten Takhini Hot Springs ausklingen. Ein vollkommener Tag.

Heute bekomme ich Besuch von J., einem Nachbarn aus Tagish, der mit seinen 57 Jahren Lebenserfahrung sicher wieder viel zu berichten hat.

Morgen geht es dann in die Stadt mit R., zum Rescue Training und danach mit ihm nach Takhini fürs Wochenende. R. lebt dort samt Hund in einem selbst gebauten Tiny House. Er scheint ein sehr interessanter Mensch mit schöner Ausstrahlung und großem Outdoorwissen zu sein und ich freue mich unglaublich auf dieses Wochenende.

Weltenbummlerin

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Und da bin ich

Von einem Moment auf den anderen 

In einer völlig anderen Welt

Andere Werte

Andere Ansichten 

Ein fremdes Lächeln

In deiner Welt

Und dann Wiederum

Treffen sich Kontinente

Und werden zu ein und demselben 

Dieselben Werte

Dieselben Ansichten

Ein vertrautes Lächeln 

Am anderen Ende der Welt
Wir leben

Alle

In einer Welt 

Und doch

Jeder für sich

In seiner eigenen
Nicht selten 

Prallen Welten unsanft aufeinander
Und ein andermal 

entstehen Brücken 

Zwischen(-)Welten

 
Deshalb liebe ich es

Weltenbummlerin zu sein

Innen oder außen 

Spielt keine Rolle

Es zählt nur der weite Blick

Über den Horizont (hinaus)..

Update Reisetagebuch Yukon – Toleranz 

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Ihr lieben,
so viel ist passiert in den letzten drei Wochen, sodass ich kaum zum Schreiben kam. Und wenn ich dann doch einmal Zeit hatte, dann war mir nicht danach. Offen gesagt, habe ich versucht, etwas abzustumpfen und das Leben, dass unermüdlich weitergeht, einfach über mich ergehen zu lassen. Dies war mir (glücklicherweise) jedoch nicht auf Dauer möglich und seit vorgestern ist alles wieder ganz anders aber ich beginne wohl besser von vorne.

Hier also eine wage Zusammenfassung der letzten Wochen. 

Aufgrund der Masse an Erfahrungen, die unfreiwilligerweise und doch recht penetrant auf mich ein niederprasselten, habe ich beschlossen ein paar Listen zu verfassen. Diese könnt ihr euch bei Interesse in den folgenden Blogeinträgen zu Gemüte führen, welche ich am Ende dieses Beitrags verlinke.

Zusammenfassend habe ich für mich festgestellt, dass Reisen bedeutet, loszulassen. Wachstum zuzulassen. Flexibel zu sein. 

Reisen kann anstrengend sein. Reisen kann auch mal unschön sein. Und vor allem findet Reisen in uns statt, wenn wir es zulassen. 

Bisher war ich fast ausschließlich an Orten und habe Dinge erlebt, die ich so nicht geplant hatte und eigentlich ganz anders wollte. Nun, gerade diese Dinge sind wohl derzeit an der Reihe für mich…Ich akzeptiere das nun. Meine Reise zu mir selbst in der Wildnis des Yukon hat sich zu einer bisher zweimonatigen Periode ständigen unter-Menschen-Seins entwickelt, die letzten fünf Wochen teilte ich mir sogar nachts einen Raum ohne Sichtschutz, Respektive Privatsphäre mit anderen Menschen, von denen ich nicht jeden wirklich mochte und doch lernte ich gerade dadurch am meisten über mich. Durch den Kontakt mit anderen, auch unangenehmen, durch das Wahrnehmen eigener Grenzen. 

Und mal ehrlich, was für einen Luxus leben wir, indem jeder seine Rückzugsorte hat und sein Leben so gestalten kann, wie er möchte? 

„Ich brauche Freiraum!“, „Ich brauche Zeit für mich!“ etc.. 

Alles Glaubenssätze einer Gesellschaft, für die Individualität und Selbstverwirklichung an erster Stelle steht. Gibt es diese Individualität überhaupt, wenn wir doch alle Teil einer Gesellschaft und eines großen Ganzen sind sowie das Produkt unserer Erlebnisse und Erfahrungen? 

Und entsteht Freiraum nicht in uns, denn außerhalb? 

Wie sonst hat z.b. Anne Frank ihr mit anderen zusammen abgeschottetes Leben während der Judenverfolgung im Hinterhaus führen können, ohne ihre Innere Freiheit, ihre Neugier und ihren Lebenswillen zu verlieren? 

Oder all die Verfolgten und Flüchtigen dieser Welt, die zusammengepfercht in Lagern und auf Booten wochenlang mit anderen auf engstem Raum nicht nur überleben sondern voller Hoffnung weiterleben?

Ich habe es viel zu gut. Immer noch. 

Und somit sind wir schon bei Liste Nummer eins:

10 geistige Dinge, die ich beim Reisen gelernt habe
Nummer zwei:

10 praktische Dinge, die ich auf Reisen gelernt habe
Und zuletzt:

10 wilde Tiere, die ich auf Reisen gesehen habe
In dem Sinne, ich wünsche Euch allen eine gute Reise!:)

Memories

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Und so wärme ich mich an den Gedanken des Vergangenen, hülle mich ein mit unzähligen Erinnerungen, während um mich herum alles gefriert. 

Stumpf wie ein Eiszapfen mag ich wirken und tatsächlich, ich fühle kaum noch. 

Du hast es passend in Worte verpackt, die Toleranz hat sich zu einem „alles egal“ entwickelt. 

Doch mein schneebedeckter Schutzpanzer birgt bei genauerer Betrachtung Risse. Eine unerschöpfliche Sammlung schöner, einzigartiger Momente und Begegnungen voller (Be)rührung, bringt auch das Kälteste zum schmelzen.

…und wehrlos gebe ich mich hin, ihm, dem bittersüßen Schmerz, der Hand in Hand mit der Erinnerung durch die schneebedeckten Berge in schweren Stiefeln daher kommt..

Patience

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9.10.1722:45 Uhr
Ich möchte geduldiger werden. Oder vielleicht ist Gelassenheit das richtige Wort. Dinge auch einmal ruhen lassen, wenn der Aufwand, etwas immer wieder anzusprechen größer ist, als der Lohn. Oder wie Astrid mir sagte: „Du musst Dich nicht um alle(s) kümmern. Kümmere Dich um Dich selbst.“ Sie meinte auch, ich sei, wie ihr Mann, hochsensibel. Wer weiß, ich halte ja nicht so viel von diesen Bezeichnungen. So oder so; Ich übe mich in Gelassenheit. 
Heute, ohne Astrid, war es zuerst schwierig für mich. Es ist Thanksgiving, ich mache Hash Browns für Stephen, die anderen essen bereits vor uns. Wie immer. Egal. 

Später fahren wir mit dem Truck in dem Wald um Feuerholz zu holen. Genau genommen fahre ich, ja, ich, die weder Führerschein noch Fahrpraxis bis auf ein paar Runden auf dem Rebberg vor mindestens zehn Jahren und einer sehr kurzen, im Graben endenden Tour in Frankreich (Leo wird sich erinnern ;)) hat. Ich darf fahren. Und tatsächlich klappt es mit dem alten Automatiktruck so gut, dass ich auf dem Highway bis zu 90kmh fahre. Zum Glück begegnen uns nur wenige andere Autos, Kanada ist ja bekanntlich groß. Im Wald freue ich mich, endlich mal etwas Bewegung zu bekommen. Das Holz zu schleppen tut mir richtig gut und im Gegensatz zu den Mädels möchte ich gar nicht, dass es endet. Später darf ich sogar selbst einen toten Baum fällen und schneiden. Mir ist schon ein wenig mulmig, so ganz ohne Schutzkleidung, aber es funktioniert erstaunlich gut und macht Spaß.

Bevor ich abends das Thanksgivingdinner zubereite, darf ich sogar noch einmal zur Wasserstation fahren, um unsere Kanister aufzufüllen. Nach dem Essen schauen wir den Animationsfilm „Rio“ an und lassen den Abend ausklingen. Eigentlich ein sehr guter Tag, finde ich.

Morgen habe ich viel Zeit für mich, denn ich werde nicht mit in die Stadt fahren. Ich kann mich genauso gut im See waschen und es gibt kaum Einkäufe, das kriegen die zwei Mädels schon hin. Vielleicht schaffe ich es ja endlich mal, die Gegend etwas mit dem Rad zu erkunden…