Update Reisetagebuch Yukon

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27.9.17

Ich habe entschieden, meine Gastfamilie zu verlassen. Es war nicht der richtige Ort für mich und vermutlich hatten wir unterschiedliche Vorstellungen von Arbeit für Kost und Logis aber ich bin dankbar für die Erfahrung und werde insbesondere die Kids und die Hunde vermissen.

Gestern Abend kam ich mit Sofía recht spontan und ungeplant nach Whitehorse, ich werde jedoch Samstag nach Tagish wechseln, was der ursprüngliche Plan war, der in den letzten Tagen entstand.

Gerade als wir aus dem Auto ausgestiegen sind, gucken wir zufällig hoch und der ursprünglich bewölkte Himmel zieht auf, Nordlichter erscheinen. Dann sind wir wieder ins Auto und um die Ecke auf einen Hügel und es ging total ab! Wir konnten nur lachen und ich hatte das Gefühl ständig tanzen zu müssen. Erst waren es nur grüne, dann auch rosane Streifen, die sich zu Wellen umformten, dann Striche, alles ständig wechselnd…Wahnsinn! Und auch Sofía war begeistert, obwohl sie ja ständig welche sieht, als Abgestellte der Arcticrange. Die Lichter waren überall um uns über uns..es war magisch! Ich wäre fast erfroren, weil ich ewig so starrte und lachte und gar keine Jacke anhatte. 
Jetzt liege ich auf dem Bettsofa in der Wohnküche, um die Ecke knuspert glaube ich eine Maus an der Wand, Sofías Mitbewohnerin schnarcht schon und bekommt mich dann morgen früh zu sehen und ich habe gerade ein „normales Klo“ benutzt und finde es komisch.. Ich habe mir die Hände und das Gesicht mit Salbe eingerieben, die mir der Sohn der Gastfamilie aus Pinienharz selbst gemacht hat und vermisse ihn schon ein wenig. 
28.9.17

Heute konnte ich ausschlafen. Nach dem Aufwachen fühlte ich mich nicht gut, und ich überlegte den ganzen Tag, zurück nach Deutschland zu fliegen. Ich muss mich bald entscheiden, denn der Flug, den ich mir leisten kann, ist sicher bald weg. Danach gibt es keine Option mehr bis zu meinem regulären Rückflug im Dezember, denn dummerweise sind mein Flüge weder erstattungsfähig noch umbuchbar. Selbst schuld, ich weiß. Es fühlt sich einfach nicht an, als ob Kanada der „Place to be“ für mich ist für solch eine lange Zeit. Trotzdem sammle ich viele Erfahrungen. Ich habe das harte aber naturverbundene Leben einer Schweizer Familie im Yukon kennenlernen können, den Chilkoot Pass gemacht, Nordlichter bewundert, eine wundervolle chilenische Gastgeberin kennen gelernt und heute mit ihrer ebenfalls sehr netten Mitbewohnerin einen schönen Spaziergang gemacht (endlich mal eine echte Kanadierin, allerdings aus Quebec, wo es laut ihr wieder ganz andere Menschen sind) und Samstag werde ich zu Stephen nach Tagish gehen, den ich über Workaway gefunden habe und dort auch noch mindestens zwei Wochen Erfahrungen sammeln. Reicht das nicht? Ich vermisse Freiburg, meine Menschen, den Schwarzwald, die Seen, unseren Herbst… das klingt vielleicht verrückt aber ich bin sehr zufrieden in meiner Heimat, ich liebe die Umgebung und die Öffnung nach Süden Richtung Frankreich, Spanien, Portugal, Marokko. Es macht mich glücklich und vermittelt mir ein Gefühl der kompletten Freiheit, überall hin mit meinem Rad zu fahren. So vieles, das ich liebe. Den Markt. Unsere Ökomentalität. All das. Und ich möchte etwas Neues beginnen, in Freiburg. Für Freiburg. 

Muss ich Vancouver sehen? Muss ich nach Island? Heute frage ich nicht mich, denn ich weiß es nicht. Wer das liest darf mir gern einen Kommentar hinterlassen. Ich bitte sogar darum! Was meint ihr?