Tag 11 Verlängerung 

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Tag 11
Ich wache früh auf und fühle mich wie frisch verliebt. Durch das geöffnete Fenster dringt mit der Morgenluft der Ruf der Möwen sowie Vogelgezwitscher zu mir herein, dahinter das Rauschen der Wellen.

Ich laufe zur Steilküste und mache am Rande der Klippen Yoga. 16 Grad, Wind und leicht bewölkt und trotzdem stehe ich hier im Top. Ich habe das Gefühl, dieses Klima ist für mich gemacht. Und seltsam, hier ist mein Höhenangst gar nicht mehr so groß. Das gleichmäßige Schlagen der Wellen an den erdenden Strand wirkt beruhigend, fast schon meditativ. Ich höre das Zwitschern der Vögel, dass wie kleine Laserpistolen klingt. Welche Ironie, denke ich, als mir klar wird, dass ich gerade jetzt, in diesem Moment, kurz vor dem Ende dieser Reise wieder den Zustand erreicht habe, der mir so gefehlt hat. Den ich im Frühsommer in Monsaraz hatte. Und davor in der Sahara. Aber auch im Kinzigtal, morgens, als ich unter freiem Himmel geschlafen hatte und die Sonne zwischen den Bergen aufging, um sich im Wasser des Flusses zu spiegeln. Das Gefühl ist dasselbe, wenngleich die Orte sich unterscheiden. Zufriedenheit. Das Gefühl, ewig einfach bleiben zu können, da zu sein.


Das Reisen ist schon seltsam. Oder das Leben. Lebensreise. Ich denke an die Zeilen von Clueso „Ich mag den letzten Tag und alles, was er mir zeigt. Man wird so furchtbar wachsam für jedes Detail…wie man genießen kann, wenn man weiß, dass man geht…“ und staunend, gepaart mit etwas Wehmut, bleibe ich gespannt..
Bevor es wieder Richtung Lissabon geht, kaufen wir kurz Gemüse und Obst im mercado municipal, einem kleinen Markt mit 3 Ständen, der sich in einer kleinen Halle befindet. Ich probiere eine unbekannte Frucht, sie schmeckt ähnlich wie Papaya jedoch weniger süß und ohne die pfeffrigen Kerne.
Nachmittags, wir sind circa eine Stunde gefahren, machen wir halt am Praia de Odeceixe. Zum Schwimmen ist es leider zu windig aber es ist schön, den Strand entlang zu spazieren und zu beobachten, wie das Wasser des Ribeira de Seixe sich seinen Weg ins weite Meer bahnt, Fußspuren großer und kleiner Wesen eine Weile im Sand verweilen und kunstvolle Formen auf dem Sand entstehen, wenn das Wasser über dem weichen Sand hin und her fließt. In einer kleinen Einbuchtung unterhalb der Schieferfelsen ist es dann sogar so warm, dass wir noch ein wenig die Sonne genießen können. Kaum vorstellbar, dass ich eben noch barfuß den Strand entlang schlendern kann und morgen schon wieder den deutschen Winter zu spüren bekommen werde.


Wir fahren weiter bis Vila Nova de Milfontes, eine malerische Ortschaft im Parque Natural do Sudoeste Alentejano e Costa Vicentina. Hier sehen wir durch die Dünen unseren (oder zumindest meinen) letzten Sonnenuntergang des Urlaubs und beschließen das Auto noch einen Tag zu verlängern, um morgen noch im Rio Mira, der hier in den Atlantik mündet, zu baden.

Danach kochen wir in unserem Apartment aus dem Gemüse vom Markt mit Hirse und Süßlupinen ein ausgiebiges Abendessen und lassen den Tag mit vollen Bäuchen ausklingen.

Day 11
I wake up early and feel like I’m in love. Through the open window with the morning air the call of the seagulls as well as bird chirping penetrates me, behind the noise of the waves.

I walk to the cliffs and make yoga on the edge of them. 16 degrees, it’s windy. I feel like this climate is made for me. And strangely, my vertigo is no longer so great here. The steady beating of the waves to the rocks is soothing, almost meditative. I hear the chirping of birds that sound like small laser guns. What irony, I think, when I realize that right now, just before the end of this journey, I have reached the state that I have missed so far. Which I had in the early summer in Monsaraz. And before that in the Sahara. But also in the Kinzigtal, in the morning, when I had slept under the naked sky and the sun rose between the mountains, to reflect itself on the river. The feeling is the same, although the places differ. Satisfaction. The feeling of being.

Traveling is strange. Or life. The Journey of live. I think of a song of Clueso „I like the last day and everything he shows me, you become so watchful for every detail … how to enjoy when you know you go …“ and wide-eyed , coupled with wistfulness, I stay anxious.
Before heading back to Lisbon, we buy vegetables and fruit in the mercado municipal, a small market with 3 stalls, located in a small hall. I try an unknown fruit and it tastes similar to papaya but less sweet and without the peppery kernels.
In the afternoon, we drove about an hour, we stop at Praia de Odeceixe. It is too windy to swim, but it is nice to stroll along the beach and watch as the waters of the Ribeira de Seixe make their way into the wide sea, footprints of large and small beings dwell in the sand for a while and create artistic forms into the sand while the water flows over the soft sand back and forth. In a small bay below the slate rocks, it is even so warm that we can still enjoy the sun a bit. Hardly imaginable that I can barefoot stroll along the beach and tomorrow again the German winter will be felt.
We continue to Vila Nova de Milfontes, a picturesque village in the Natural Park of Sudoeste Alentejano and Costa Vicentina. Here we see through the dunes our (or at least my) last sunset of the holiday and decide to extend the car one more day to bathe here tomorrow in the Rio Mira, which flows into the Atlantic.

Afterwards we cook in our apartment from the vegetables from the market with millet and sweet lupines an extensive dinner and let the day end with full bellies.

 

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Tag 10 Finally arrived

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Tag 10

Eine Stunde nach Sonnenaufgang gehen wir zum Strand. Diesmal im Hellen. Sogar die Sonne scheint wieder Erwarten und es ist trotz starkem Wind angenehm warm. Die Wellen sind stark und unberechenbar aber gerade das macht den Reiz aus. Wir im Bikini, die anderen, wenigen Strandbesucher mit Jacke und teilweise sogar Mütze. Richtig schwimmen ist zwar nicht möglich, da die Wellen bei ihrem Rückgang auch immer ein Stück Strand mit in die Tiefe zu ziehen scheinen und ein natürlicher Respekt hier sicher angebracht ist, wenn man das Leben lieb hat. Dennoch kann man wunderbar herumhüpfen, das Wasser lautstark herausfordern und sich dann von der Flut umwerfen lassen und dabei gleich etwas Salz kosten.



22 Uhr

Rastlos laufe ich die Straßen immer wieder auf und ab. Heute mittag durfte ich Vegoa kennen lernen. Und Tim. Und Bart. Die dort bereits leben. Auch ein Paar aus England, Charlie und Josh, dass sich überlegt, sich hier nieder zu lassen, trafen wir dort. Mit ihr hatte ich ein tolles Gespräch, dass mich sehr berührte. Und Diana und Thomas, ein deutsches Paar aus Berlin, das von heute auf morgen alles stehen und liegen ließ und nun in Vegan Hills ein neues Leben beginnt. Ich weiß gar nicht so recht, was zu schreiben. Viel zu sehr berührt bin ich von dem Eindrücken des Tages. Ich könnte meine Eindrücke festhalten, doch es geht weit hinaus über das Grün der Hügel, den Duft der Pinien und Zistrosen, den nassen, lehmigen Boden unter meinen nackten Füßen und das feuchte, leuchtend grüne Gras unter eben diesen. Ich könnte endlos schreiben über die Fülle an Möglichkeiten, die Weite, den warmen Wind auf der Haut und die noch wärmere Ausstrahlung der Menschen, welchen ich heute begegnet bin. Doch keines dieser Worte wird diesem Gefühl gerecht, dem Gefühl, angenommen und endlich angekommen zu sein. Ich muss erst einmal alles sinken lassen, sich verankern, festigen.

Und so sitze ich nun oberhalb des Hafens und schweige. Über mir der Sternenhimmel. Unendlich und weit. Der Mond ruht als liegende Sichel am Firmament. Ruhig. Gelassen. Allwissend. Und vertraue auf die Zukunft. Eins ist sicher, ich werde dieses Land wieder betreten und irgendwann auch keine Besucherin mehr sein.

Day 10

One hour after sunrise we go to the beach. This time in the bright. Even the sun shines again and it is pleasantly warm despite the strong wind. The waves are strong and unpredictable but that is what makes the charm. We in the Bikini, the other, few beach visitors with a jacket and partly even with caps. It is not possible to swim properly, as the waves seem to pull a piece of beach along with their decline, and a natural respect is certainly appropriate here if one loves life. Nevertheless, you can hop around wonderfully, the water loudly challenging and then let the flood flow and at the same time taste some salt.

22 O `clock I walk up and down the streets again and again. I was able to get to know Vegoa today. And Tim. And Bart. Those already live there. Also a couple from England, Charlie und Josh, who is thinking of settling down here, we met. With her, I had a great conversation that touched me very much. And Diana and Thomas, a German couple from Berlin, who stood up and left everything from today to tomorrow and now starts a new life in Vegan Hills. I do not know what to write. I am too touched by the impress of the day. I could capture my impressions, but it goes far beyond the green of the hills, the fragrance of the pine trees, the wet, loamy soil beneath my naked feet, and the moist, bright green grass beneath it. I could write endlessly about the abundance of possibilities, the expanse, the warm wind on the skin and the even warmer radiance of the people I have encountered today. But none of these words justifies this feeling, the feeling of being accepted and finally arrived. I have to let everything sink, to be anchored, solidify.

And so I am sitting silently over the harbor.. Above me the stars. Infinity and far. The moon rests as a lying sickle on the firmament. Quiet. Calmly. Omniscient. And trust in the future. One thing is certain, I will re-enter this country and will not be a visitor anymore.