Monstertage Teil 2

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Das Monster war also zurück. Vielleicht hatte  es mich auch nie wirklich verlassen und mir war durchaus bewusst gewesen, dass so ein Monster nicht ohne ist und man sehr auf der Hut sein muss, gerade in Momenten, in denen man denkt, man sei nun sicher. Und trotzdem, ich konnte nicht verhindern, dass es wiederkam. Ich bemerkte es einfach nicht. Und von einem Moment auf den anderen stand es wieder vor mir. Es schien mir, als ob es nun stärker geworden war, als zuvor und so beschloss auch ich, stärker zu werden.

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Danach ging ich einmal die Woche zu einem professionellen Monstervertreiber und auch das half bis zu dem Zeitpunkt, an dem mir das Monster auch durch diese Tür folgte und dem Monstervertreiber unbeeindruckt die Zähne zeigte und sich mir auf den Sessel auf meinen Schoß setzte. Der Monstervertreiber redete ab da mehr mit dem Monster als mit mir. Und so nahm ich das Monster nun jedes Mal freiwillig mit, denn ich selbst hatte ja sowieso nichts mehr zu erzählen.

Oft kam ich aber auch gar nicht erst beim Monstervetreiber an, den das Monster kletterte sich an meine Beine und zigumich mit aller Kraft zurück ins Bett, wo es sich dann gemütlich auf meine Brust niederlies und vor sich hin döste. Während ic/ bewegungsunfähig war.

Kurz darauf hörte ich auf, das Monster zu sedieren, denn es brachte ohnehin nicht mehr, als dass ich selbst nicht ganz ich war und ich brauchte mein volles Bewusstsein, um dem Monster wach und selbstbewusst entgegen treten zu können. 

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An diesen Tagen begann ein kurzer, harter Kampf und ich fühlte mich schwächer als je zuvor. Das Monster weckte mich bereits früh morgens. Es hatte nun, da es nicht mehr ruhig gestellt war, offensichtlich neue Fähigkeiten erlangt, denn es drückte nicht einfach nur sein unerträglich schweres Gewicht auf mich, nein, es hatte tatsächlich gelernt zu sprechen. Mit teuflisch süßer Zunge flüsterte es mir die verrücktesten Dinge ins Ohr. Ich werde diese hier nicht wiedergeben, denn ich weiß ja, dass sie ohnehin nicht wahr sind aber ich gebe zu, es fiel mir schwer, die Worte des Monsters in meinem Kopf von meinen eigenen Gedanken zu unterscheiden. Und dann gibt es da ja noch die Wahrheit. Wer von uns hatte recht? Und was tun, wenn einem der andere so laut in die Ohren schreit, dass du dich selbst kaum mehr hören kannst? 

Ich versuchte mir meine Wahrheit immer wieder sanft aber nachdrücklich vorzusagen und so konnte ich die Stimme des Monsters zumindest ein wenig in den Hintergrund verschieben. Ich lenkte mich mit Arbeit ab, doch selbst dort kam das Monster nun mit. Es lies es laut knallen neben meinem Kopf, es rüttelte an mir und legte mir Gegenstände in den Weg, sodass  ich mein Gleichgewicht zu verlieren drohte. Es pustete Nebel aus, sodass es mir die klare Sicht nahm. Es versalzte mein Essen und Nachts lies es mich nicht schlafen. Doch ich wusste es wäre vorübergehend. Und ich wollte diesen Kampf unbedingt gewinnen.

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Und, was nicht zu verachten ist, da warst ja noch Du. Ich rief Dich an und erzählte Dir von dem Monster und wie es stärker geworden war und wie schwach ich mich fühlte. Und du hörtest mir zu. Du nahmst mich ernst. Und dann kamst Du zu mir. 

Es wirkte fast, als hättest Du Dein Monster für diese Zeit zu Hause gelassen. Zumindest an diesem einen Tag war es nirgends zu sehen. Und so lief ich mit Dir trotz Schwindel und Geschrei und den ganzen bösen Worten und Dingen und Gedanken im Kopf über mich, welche mir das Monster unaufhörlich einflüsterte. Wir liefen gemeinsam und ich ignorierte das Monster. Wir sprachen gemeinsam und das Monster schwieg auf einmal. Wir saßen gemeinsam und das Monster verkroch sich unter den Tisch. Wir lagen zusammen und das Monster blieb draußen. Und als wir am nächsten Morgen aufwachten, war mein Monster auf einmal verschwunden. 

Ich drehte mich zu Dir um und sah etwas kleines, unscheinbares auf Deiner Brust hüpfen. Du hattest die Augen noch geschlossen, warst noch halb im Traum versunken. Ich erkannte Dein Monster. Es war kleiner geworden und ich, so stark und monsterlos in diesem Moment, wollte es mit meinem Finger wegschnipsen. Ich beugte mich zu Dir, so nah, dass Dein Atem meine Haut berührte. Ich könnte fast Dein Löwenherz schlagen hören. Ich fixierte Dein Monster mit meinem Blick und hob die rechte Hand zum Angriff, doch da öffnetest Du schon Deine Augen. 

Ich sah die Leere in Deinem Blick, ich wollte sie füllen. Ich wollte Dich auffangen. Umarmen. Dich halten. Ich wollte Dir immer wieder sagen, dass jetzt alles gut würde. 

So streckte ich meine Hand zu Dir doch Du drehtest Dich nur von mir weg und ich sah, wie Dein Monster wuchs und wuchs und Du Dich ihm scheinbar kampflos ergabst. 

Kurz darauf fuhrst Du weg. Dein Monster saß fest angeschnallt auf dem Rücksitz. 

Mein Monster war anscheinend vereist. Doch ich fühlte mich hilflos, denn ich konnte Dir nicht helfen.