Reisetagebuch Yukon-Vancouver-Island Teil 4

Standard

Heute wollte ich mal mit der Vorstellung aufräumen, dass, wenn Leute (ver)reisen, alles schön und gut ist. Der Traum von Freiheit und Ferne. Und alle Sorgen sind vergessen. Pustekuchen.Natürlich ist es wundervoll, fernab zu sein und freilich, auch die Sorgen erscheinen kleiner aber sie sind noch da. Dieses „in Luft auflösen aller Belange“ ist ein Trugschluss. Vielleicht kann sich auch der ein oder andere besser belügen. Meine Sorgen sind jedenfalls noch da. Und auch all die negativen Gefühle der letzten Wochen vor der Abreise. Die Gedanken an den, der meinte, sich von mir trennen zu müssen zwei Tage vor dem Abflug. Die Sorge um diesen und andere Menschen sowie die Zukunft nach dieser Reise, das Vermissen der Vertrauten. Alles noch da. Es gibt nur weniger Momente, in denen es hoch kommen kann. Dann kommt es aber mit Wucht.

Und dann die neue Situation, hier alles richtig machen zu wollen, dazu zu gehören und doch nur eine Vorübergehende zu sein, vorübergehend. 

Ich bewundere Carmen und Robert für diese Welt, die sie sich geschaffen haben. Schaffen ist das richtige Wort. All dies hier, ein relativ autarkes Leben mit drei Kindern, es ist bewundernswert. Und dann noch Touren leiten, Gastgeber sein, alles selbst bauen, sich mit Wasser, Strom und Holz versorgen (und die Gäste), die Tiere halten (und das sind glückliche Tiere!) und und und. 

Das ist mit so viel Arbeit verbunden. Und da steckt so viel Liebe und Leidenschaft drin. Diese Menschen haben meinen vollsten Respekt!

Ich finde so ein Leben sehr erstrebenswert aber ich merke auch, dass ich so etwas nicht allein bewerkstelligen könnte und möchte und, dass es in einem wärmeren Land weitaus einfacher wäre. Ich bin erkältet und auch das Baden im Fluss ist jetzt einfach zu kalt. Ein mal die Woche wird die Sauna angeheizt, dann gibts auch warmes Wasser zum Duschen. Jetzt liege ich hier im Bett, geduscht, und hoffe, dass ich morgen gesund bin, denn ich will meine Arbeiten gut machen. Die Tage werden die Gäste kommen und alles wird noch aufregender. Und ich werde lernen, mit einer Motorsäge Feuerholz zu machen. Ich bin gespannt. Und etwas ängstlich. Mit Maschinen hab ich es ja nicht so…