Wachstumsschmerzen beim Reisen

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Seit gestern habe ich wieder mal große Angst vor diesen doofen Wachstumsschmerzen, die das Reisen so mit sich bringt. Und die ganzen Fragen tauchen wieder auf, die ich mir schon so oft in den letzten zwei Monaten gestellt habe. Warum der Yukon? Im Winter? Warum Island? Ohne einen dicken Geldbeutel, ohne Führerschein? Ohne Plan…
Nun ja, der aufmerksame Leser weiß, dass alles (wie immer) anders lief als ursprünglich geplant und der bedachte Mensch weiß, dass es sinnlos ist, sich über das Warum Gedanken zu machen und, dass es schon alles gut wird und das weiß ich ja auch alles nur allzu gut aus Erfahrung. Aber dazwischen sind nunmal diese besagten Wachstumsschmerzen und gerade finde ich die einfach doof! Und dann dieser Typ, der in der Facebook Islandgruppe auf meine höfliche Frage, was man denn so mit wenig Geld in Island unternehmen könne mit „Flug stornieren“ antwortet… Ich möchte wie ein kleines, beleidigtes Kind losheulen und endlos jammern, obwohl ich doch der größte Glückspilz der Welt bin ohne es mir irgendwie verdient zu haben. Aber es macht mir Angst, nicht zu wissen, was, wer, wie auf mich zukommt und ich weiß, dass es nicht nur gute Erfahrungen sein werden. Auch sehr gute. Schöne. Aber eben nicht nur. Und daran wachse ich dann weiter. Trotzdem schimpfe ich heute auf mich und meine Torheit und schreibe diesen kurzen Artikel. Und jetzt ist auch gut mit Gejammer. Zumindest schriftlich!

Update Reisetagebuch Yukon – Toleranz 

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Ihr lieben,
so viel ist passiert in den letzten drei Wochen, sodass ich kaum zum Schreiben kam. Und wenn ich dann doch einmal Zeit hatte, dann war mir nicht danach. Offen gesagt, habe ich versucht, etwas abzustumpfen und das Leben, dass unermüdlich weitergeht, einfach über mich ergehen zu lassen. Dies war mir (glücklicherweise) jedoch nicht auf Dauer möglich und seit vorgestern ist alles wieder ganz anders aber ich beginne wohl besser von vorne.

Hier also eine wage Zusammenfassung der letzten Wochen. 

Aufgrund der Masse an Erfahrungen, die unfreiwilligerweise und doch recht penetrant auf mich ein niederprasselten, habe ich beschlossen ein paar Listen zu verfassen. Diese könnt ihr euch bei Interesse in den folgenden Blogeinträgen zu Gemüte führen, welche ich am Ende dieses Beitrags verlinke.

Zusammenfassend habe ich für mich festgestellt, dass Reisen bedeutet, loszulassen. Wachstum zuzulassen. Flexibel zu sein. 

Reisen kann anstrengend sein. Reisen kann auch mal unschön sein. Und vor allem findet Reisen in uns statt, wenn wir es zulassen. 

Bisher war ich fast ausschließlich an Orten und habe Dinge erlebt, die ich so nicht geplant hatte und eigentlich ganz anders wollte. Nun, gerade diese Dinge sind wohl derzeit an der Reihe für mich…Ich akzeptiere das nun. Meine Reise zu mir selbst in der Wildnis des Yukon hat sich zu einer bisher zweimonatigen Periode ständigen unter-Menschen-Seins entwickelt, die letzten fünf Wochen teilte ich mir sogar nachts einen Raum ohne Sichtschutz, Respektive Privatsphäre mit anderen Menschen, von denen ich nicht jeden wirklich mochte und doch lernte ich gerade dadurch am meisten über mich. Durch den Kontakt mit anderen, auch unangenehmen, durch das Wahrnehmen eigener Grenzen. 

Und mal ehrlich, was für einen Luxus leben wir, indem jeder seine Rückzugsorte hat und sein Leben so gestalten kann, wie er möchte? 

„Ich brauche Freiraum!“, „Ich brauche Zeit für mich!“ etc.. 

Alles Glaubenssätze einer Gesellschaft, für die Individualität und Selbstverwirklichung an erster Stelle steht. Gibt es diese Individualität überhaupt, wenn wir doch alle Teil einer Gesellschaft und eines großen Ganzen sind sowie das Produkt unserer Erlebnisse und Erfahrungen? 

Und entsteht Freiraum nicht in uns, denn außerhalb? 

Wie sonst hat z.b. Anne Frank ihr mit anderen zusammen abgeschottetes Leben während der Judenverfolgung im Hinterhaus führen können, ohne ihre Innere Freiheit, ihre Neugier und ihren Lebenswillen zu verlieren? 

Oder all die Verfolgten und Flüchtigen dieser Welt, die zusammengepfercht in Lagern und auf Booten wochenlang mit anderen auf engstem Raum nicht nur überleben sondern voller Hoffnung weiterleben?

Ich habe es viel zu gut. Immer noch. 

Und somit sind wir schon bei Liste Nummer eins:

10 geistige Dinge, die ich beim Reisen gelernt habe
Nummer zwei:

10 praktische Dinge, die ich auf Reisen gelernt habe
Und zuletzt:

10 wilde Tiere, die ich auf Reisen gesehen habe
In dem Sinne, ich wünsche Euch allen eine gute Reise!:)

10 “geistige” Dinge, die ich beim Reisen gelernt habe

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1. Dankbarkeit (für? Einfach alles!)2. Toleranz (Ich (vegan) habe Fleisch für unseren Host zubereitet. Das ist kein gutes Beispiel, denn es geschah aus Abstumpfung. Ich würde es nicht wieder tun. Aber ich möchte nicht mehr versuchen, jemanden zu ändern. Jeder lebe, wie er es für richtig halte.

3. Selbstreflexion

4. Geduld (nach sechs Platten, drei mal komplett totem Auto (davon einmal mitten im Nirgendwo), einem brennenden Ofen etc… kann mich glaube ich nichts mehr so leicht aus der Fassung bringen..

5. Annahme 

6. Loslassen

7. Flexibilität (unverzichtbar!)

8. Humor oder eher heitere Gelassenheit (wenns nur noch zum Heulen ist, dann lieber lachen:))

9. Kommunikation (ich habe noch nie in solch kurzem Zeitraum so viele Menschen kennen gelernt) 

10. Noch wichtiger: Zuhören (und ich lerne dabei nicht aus…)
Alle Punkte dieser Liste sind in ständiger Arbeit und sicher nie ganz erreicht. Und so füge ich noch einen 11. als Schmankerl hinzu, was ich wirklich lernen möchte:

11. im Hier und Jetzt sein. Leben. Denn, ich lebe, also bin ich.