Tag 12 Ende doof, alles doof?

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Tag 12
English translation below
Ich wache mit dem Aufgang der Sonne, begleitet von Vogelgezwitscher auf.

Draußen ist es kalt, ich sehe meinen eigenen Atem. Dennoch machen wir uns auf zum Strand.

Dort mache ich Yoga im nassen, eisigen Sand. Ich versinke und muss mich bemühen, das Gleichgewicht zu halten. Ähnlich wie im Schnee, der (zu Hause?) auf mich wartet, denke ich.


Die Sonne scheint und trotzdem, dass ich friere, trage ich kaum Kleidung. Ich möchte so viel Licht wie möglich tanken. Ich erkunde den Strand, beobachte Möwen und andere Wattvögel bei ihrer Suche nach Essbarem im flachen Wasser, streife durch das Nass, genieße den Sand unter den Füßen und das einzig wahre Barfußgefühl, wenn man tatsächlich barfuß ist und es auch manchmal ein wenig wehtut, auf spitze Steine oder ähnliches zu treten.


Später schwimme ich zwischen Rio Mira und dem Atlantik, ich liebe die extreme Erfahrung, die das eisige Wasser um meinen Körper auslöst. Danach ist mir warm. Ich lese etwas.


Ich schließe die Augen, lausche dem Geräuschen der Umgebung; Wind, Wellen, Vögel, ein paar Menschen, wenige Autos. Dann müssen wir los.

Wir sind gut in der Zeit und kurz vor Lissabon wollen wir noch kurz etwas zu Essen kaufen. Da bemerkt Kristin, dass ihr Geldbeutel weg ist. Wir durchforsten das ganze Auto. Nichts. Da wir die letzten 2,5 Stunden nicht gehalten haben, muss er kurz vorm Losfahren verloren gegangen sein. Mitsamt viel Bargeld, Führerschein, Kreditkarte, Ausweis..

Auch ich habe kein Geld mehr und mit meiner Karte lässt sich hier nichts abheben. Wir können das Auto also nicht vollgetankt zurück geben.

Für das letzte Stück müssen wir die Autobahn nehmen, können jedoch die Maut nicht zahlen. Wir schaffen es jedoch irgendwie durchzufahren. Wer weiß, was da noch kommt.
Kurz vor dem Flughafen verfahren wir uns. Es ist unglaublich neblig. Irgendwann schaffen wir es dann doch. Kurze, innige Umarmung.
Ich nehme den Shuttlebus zum Terminal. Die Menschen, welche einsteigen, bewegen sich nicht bis hinten durch und obwohl der Bus dadurch noch halb voll ist, bleiben mindestens 20 Leute draußen, da sich alles im Türbereich staut. Ich mache die menschlichen Blockaden darauf aufmerksam. Keiner rührt sich. Wieder unsichtbar. Und schon bereue ich es, nicht einfach alles hingeworfen zu haben und irgendwie irgendwo draußen, meinetwegen im Wald oder am Meer, geblieben zu sein. Wie? Keine Ahnung. Es hätte schon geklappt.
Weiter.
Ankunft in Terminal 2. Mein Flug hat zwei Stunden Verspätung. Ich setze mich. Neben mir eine Familie mit Kleinkind, um die eIn, zwei Jahre. Der Junge brüllt, wirft sich auf den Boden, er wartet wohl nicht gern. Ich spiele etwas mit ihm. Er kann auch lachen.
Ich rufe Kristin an, der Mietwagen ist abgegeben. Das Volltanken kostet extra aber es ist wohl alles in Ordnung. Und Geld für die Heimfahrt hat sie auch noch gefunden. Glück im

Unglück. Wer weiß, wozu es gut war..
Etwas später mache ich mich auf zum Gate. Im Flur stauen und stapeln sich Menschen. Ich reihe mich ein. Schreibe.

Unweit von mir eine Mutter mit Sohn, um die fünf. Sie spielen mit Gummitieren Verstecken gegen das Warten. Ich möchte auch ein Gummitier. Ich lächle.

Menschen sind manchmal so seltsam. Aber auch oft so, wie dieser Junge und seine Mutter. Offen, gespannt, echt.
Schade, dass Kristin weg ist. Gestern, durch den Sand sind wir geschlendert, haben für uns allein getanzt, gesummt, ein imaginäres Haus in den Sand gemalt, gespielt.
Warum werden manche Menschen erwachsen?

Werden wir es jemals?
Noch etwas später verkürze ich mir die Wartezeit indem ich mich im Dutyfreeshop mit allen möglichen Düften zuneble, um meine späteren Sitznachbarn im Flugzeug zu ärgern. Als ich dann tatsächlich im Flieger sitze, bekomme ich selbst Kopfschmerzen von dem Nebel der mich umhüllt, meine Sitznachbarn hingegen scheint es nicht zu stören.
Auch draußen ist es neblig, deshalb die Verspätung. Aufgrund der Wetterverhältnisse sollen zum Start alle elektronischen Geräte komplett ausgeschaltet werden, auch Handys im Flugmodus. Ein Junge zwei Reihen vor mir ignoriert die auf vier Sprachen gemachte Ansage, alle anderen scheint es nicht zu stören oder sie können nicht sprechen (…).

Ich mache ihn darauf aufmerksam und er schaltet das Handy leicht genervt aus. Ach ja, Menschen.

Ich lese „El maior flor do mundo“ und nehme mit José Saramagos Geschichte Abschied von Portugal.

day 12

I wake up with the rise of the Sun, accompanied by the singing birds. Outside it’s cold, I see my own breath. However, we make it on to the Beach. There am I doing yoga in wet, icy sand. I sink in and it’s hard for me to keep the balance. Like the snow, which waits for me (at home?) I think. Although it’s pretty cold I hardly wear clothes. I want to refuel so much light as possible. I visit the Beach, watch Seagulls and other birds in their search for food in the water, walk slowly through the wet, enjoy the sand among my feet and the only true barefoot feeling if you’re actually barefoot and it also sometimes hurts a little when you step on top of stones.

Later I swim between Rio Mira and the Atlantic Ocean, I love the extreme experience that the icy water triggers to my body. After that, I feel warm. I read something. Then I close my eyes, listen to the sounds of the environment; wind, waves, birds, fewer people, a few cars. Then we have to go. We are well within the time and a footstep before Lisbon we want to get something to eat. Kristin notices that her purse is lost. We are scanning the whole car, nothing. It’s lost, with a lot of cash, driver’s license, credit card, ID .. I also have no more money. We also can’t refuel the car bevor giving it back to the rental station. For the last piece of the road we need to take the fee-Highway, However, we manage it without paying for it.

Who knows what will come.

Shortly before the airport, we lose our way, it is incredibly foggy. But somehow we manage it and arrive. a short, intimate hug and goodbye. I take the shuttle bus to the terminal. The people who are boarding, move not to rear by and although the bus is hardly half-full, at least 20 people stand out there, because the doors are blocked by people. I speak to the human blockages but none stirs up. Again invisible and I already regret it, not to have thrown everything away and somehow somewhere out there, I don’t mind in the Forest or by the sea, remained to be. How?no idea but somehow it would have worked.

It continues. I arrive at terminal 2. My flight has two hours delay. I sit down. Next to me a family with a toddler, the boy roars, throws on the ground, he probably doesn’t like to wait. I play something with him. He also is able to laugh…

I call Kristin; the car is given back, to refuel the tank costs extra but it’s probably alright. And she has even found money for the drive home. Kind of luck of the misfortune – who knows what it was good for. a little later I enter the gate. In the hallway there lots of people, sitting, waiting on the ground. I sit down, write. Not far from me a mother with her son to the five. They play with little animal figures hide and seek against the wait. I would also like to have an animal figure. I smile. People are sometimes so strange. But as well often like this boy and his mother; open, curious, real. It’s a pity that Kristins not here; yesterday, through the sand, we were walking, danced, painted an imaginary House in the sand, played. Why do some people grow up? Will we ever?

A little later I shorten the waiting time by myself in the duty-free shop, perfuming myself with all sorts of scents to annoy my plane seat neighbors. In fact, as soon as I am inside the plane, I get the headache of the fog wrapped around me, my seat neighbors, on the other hand, seem not to be disturbed.

Also outside it is foggy, so the delay. Due to the weather conditions, they want to turn us all electronic devices completely off, even cell phones in the airplane mode. A boy two rows before me ignored the in four languages made announcement, everyone else it seems not to disturb or they can not speak (…). I speak to him and he turns off this cell phone annoyed. Oh, people. I read „El maior Flor do Mundo“ and take farewell of Portugal with José Saramagos history.

 

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Tag 4 Multikulturelles Lissabon

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Tag 4
Wir schlafen recht lange und brunchen ausgiebig. Am Nachmittag geht es mit Kristins Mitbewohnerin und einer Freundin von dieser, beide Rumäninnen, auf zum Parque Florestal de Monsanto. Dort betreten wir ein verlassenes, baufälliges Gebäude, von dessen Dach aus man einen weiten Rundumblick über die Stadt hat.


Danach laufen Kristin und ich noch etwas durch den Wald, finden eine Madronho, Erdbeerfrucht, welche ich zum ersten Mal probieren darf, begegnen ein paar hübschen, muskulösen Portugiesen, die Polizeihunde trainieren und fahren dann mit dem Bus zurück in die Stadt.



Dort laufen wir zu einem anderen Aussichtspunkt, Miradauro de Craça, an dem wir die Sonne untergehen sehen.


Hier treffen wir auch, Martha, eine polnische Kunststudentin und den Brasilianer Filipe, ebenfalls Kunststudent mit Saxophon und Gitarre. Leider bleibt nur Zeit für ein kurzes Gespräch, da diese noch weitere Musiker an einem anderen Ort treffen werden. Schade, ich hätte gern ihrer Musik (Blues und Jazz) gelauscht.

Wir schlendern durch malerische Gassen hinunter nach Intendente, ein mehr alternatives Viertel. Dort trinken und essen wir eine Kleinigkeit in einem nepalesischen Restaurant, am Nebentisch unterhalten sich Deutsche.
Dann geht es wieder mit der U-Bahn in Telmos WG.
Spät machen wir uns dann noch zum Forró de Quarta, bei dem Luso Baião in voller Besetzung spielt, auf. Unterwegs treffen wir zwei Italienerinnen, die morgen zu einem Freiwilligendienst im Urwald Brasiliens aufbrechen.

Ein rundum multikultureller Tag also.