An die Welt in uns (ein Liebesbrief)

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incredibly bad translation below

Mein Sonntag begann recht unerwartet um 5:55 Uhr, als mein Wecker mich nach den schönsten Nachträumen des samstäglichen Tanzens riss. Da dies natürlich auf ein Missverständnis aufgrund nicht kommunizierter Absprachen zwischen Wecker und mir zurückzuführen war, konnte hier niemandem ein Vorwurf gemacht werden, allerdings konnte ich auch nicht mehr einschlafen und döste so vor mich hin, bis ein Freund mich abholte, um mit mir und zwei weiteren lieben Freunden auf den Schauinsland zu fahren. Wir redeten viel, saßen in der Sonne und spazierten auch etwas umher. Ich genoss unsere durchaus auch kritischen Gespräche und die Nähe der viel zu selten Gesehenen.

Später beschloss ich, anstatt wieder mit hinunter zu fahren, den Weg nach Freiburg zu Fuß zu beschreiten. Genau diesen Weg möchte ich jetzt mit euch teilen. Und da ich mir für euch wünsche, dass ihr wirklich teilhaben könnt, wechsle ich jetzt zum Präsens :).
Ich verabschiede mich von den anderen. A. gibt mir Geld für die Straßenbahn, damit ich später in Freiburg nicht noch eine Stunde durch die Stadt laufen muss. Wir umarmen uns, dann trennen sich unsere Wege. Ich gehe auf einen Wegweiser zu. Kybfels, 7,5 km. Klingt doch gut und fast um die Ecke, denke ich und laufe durch den Schnee in die angezeigte Richtung bergauf. Nach circa zehn Minuten kommt ein weiteres Schild, dass genau in die Richtung zeigt, aus der ich komme. Neue Wegführung steht da. Der Weg vor mir gefällt mir jedoch besser. Nur Schnee und Tierspuren, keine menschlichen. Ich mache ein letztes Bild, dann verabschiedet sich der Akku meines Smartphones. Gibt es dafür eigentlich ein offizielles deutsches Wort? Naja, mein Alleskönnerhandy, das über GPS, Kompass, Fotoapparat, Notizblock und nicht zu vergessen Telefonfunktion verfügt, macht jetzt Pause und irgendwie spüre ich, dass das genau das ist, was ich gerade brauche.

Vor mir befindet sich eine unendliche Schneedecke, gesäumt von eingeschneiten, kleinen Tannen, Erhebungen, welche vermutlich umgestürzte und eingeschneite Baumstämme sind und unzählige Spuren von Fuchs, Hase und Co. Ich folge den Spuren, welche mehrfach in dieselbe Richtung führen und denke mir, dass die Tiere schon wissen, wo es lang geht.

Zwischendurch tauchen dann auch nach und nach weitere Spuren auf, noch mehr Füchse, ein Eichhörnchen, Maderartige und Rehe. Manche der Spuren kreuzen den „Hauptpfad“ und manche führen im Kreis oder wild hin und her. Sie erzählen unzählige Geschichten und ich muss lächeln beim Gedanken an das letzte Wochenende, als ich mit 24 Wundermenschen dasaß und wir uns halbwahre Geschichten über Spuren im Schnee erzählten und Theater zu unseren Worten und dem Klang der Gitarre spielten, lachten und einfach wir waren…

Ich laufe weiter. Zwischenzeitlich verlieren sich die Spuren und ich folge nur einer einzelnen. Ich versinke teilweise bis zur Hüfte im Schnee und bereue es etwas, dass ich nur eine Cordhose und Wanderschuhe trage, der Schnee ist bereits in meine Schuhe gelangt aber ich denke mir, dass es ja trotz nasser Socken warm ist, solange ich mich bewege. Ich komme an mehreren Felsen vorbei. Es ist atemberaubend. Ich habe eine wunderbare Sicht über die verschneite Landschaft, keine Menschenseele weit und breit. Nur ein paar Vogelstimmen und das sanfte Fallen des Schnees von einigen überladenen Tannen und Fichten, klingen hin und wieder an meine offenen Ohren.

Der Himmel hat sich inzwischen mehr und mehr zugezogen und verschiedene Stratus- und Cumuluswolkenformationen malen regelrechte Kunstwerke an das sich stetig neu erfindende Himmelszelt. Kein Foto dieser Welt könnte festhalten, was dieser Moment beinhaltet, denke ich, während dieses Bild in mir für immer verankert wird.
Etwas später mache ich eine kurze Pause und genieße die baumgefüllte Leere um mich herum.
Ich laufe weiter, auf einmal taucht eine vermutlich schon mehrere Tage alte Menschenspur, begleitet von einer Hundespur, scheinbar aus dem Nichts vor mir auf. Ich lasse meiner Fantasie freien Lauf und spiele ausgelassen mit Gedanken an einen umherziehenden Freigeist (natürlich sehr attraktiv, jedoch etwas verschroben, mit vollem Haar und viel Bart ;)) begleitet von einem wilden, charakterstarken Hund oder gar Wolf, den ich hier treffen könnte, und grinse in mich hinein. Ich folge der Spur und sie führt mich nach einiger Zeit zu einem Hochsitz, an dessen Fuße sich unzählige Wildschweinspuren befinden. Ein Förster also. Mit Hund. Meine wirr-wilden Gedanken gefielen mir besser. Nun ja, ich kann sie ja jederzeit weiterspinnen. Das ist das schöne am Kopfkino.
Nach dem Hochsitz teilt sich der Weg. Ich laufe kurz in die eine Richtung, halte inne und orientiere mich dann neu, doch in die andere Richtung. Der innere Kompass wird schon funktionieren. Da ich mich mitten im Wald befinde, kann ich auch nirgendwo herunterschauen, ob ich Freiburg entdecke und die Tierspuren sind schon bald auch kein guter Wegweiser mehr, da ich die Schneegrenze nach und nach über mir lasse. Nur etwas Matsch und ein paar Rehspuren.

Ein Geräusch reißt mich aus meinen Gedanken. Aus dem Dickicht fliegt ein schimpfender Sperber oder ein Habichtweibchen auf. Den Ruf möchte ich später noch recherchieren. Habichte sind sehr selten zu beobachten, das wäre natürlich wunderbar, wenn ich tatsächlich dieses Glück hatte. Da ich bisher keiner Menschenseele begegnet bin, vielleicht gar nicht so unwahrscheinlich, denke ich und kurz darauf schon gelange ich an einen Weg mit gelber Raute.
Ich habe ihn also wieder erreicht, den Rand der Zivilisation. Komisch, nach dem letzten Wochenende fand ich nicht einmal die Vorstellung, hier im Wald, ohne funktionierendes Telefon, übernachten zu müssen, beängstigend. Wir haben bei minus 8 Grad draußen geschlafen, natürlich gewärmt vom vorigen Feuer und der Mondscheinwanderung, gespickt mit tiefen Gesprächen, leichtem Lauschen und kleinen, untergründigen Neckereien. Okay, ich muss zugeben, dass der warme Schlafsack und das Tarp über B. und mir auch ihren Teil zur Wärmeisolierung beigetragen haben, aber eine Nacht hier würde ich auch überleben, immerhin habe ich eine Isomatte und Tee dabei. Und Schreibzeug.

Das wars dann aber auch schon. Und morgen ruft ja die Arbeit.
Der Gedanke ist trotzdem schön und stärkend, so wie es die Tage mit diesen tollen Menschen in der Natur waren, und das zählt doch im Endeffekt, oder?.!.

Ich verpasse vor lauter Gedankenschwelgung eine Kreuzung und laufe wohl wieder einen Umweg. Was für ein Wort. Umwege lohnen sich ja meist, denke ich und beginne zu singen. „Verschwende deine Zeit, Du wirst schon sehen, wohin das führt…“ von Gisbert. Wieder muss ich lächeln. Diesmal denke ich an M., mit seinem liebevollen Blick und W., mit seiner Engelsgeduld, wie wir mit Cello, Gitarren und, ganz wichtig: Rassel ;), in der untergehenden Sonne am Seepark standen und zum Klang der Instrumente sangen. So viele liebe Menschen um mich. So viele Bilder und Gefühle in mir. Und das sind nur die der letzten eineinhalb Wochen. Die Welt in uns endet nie.

Später. Ich höre die Straße näher kommen und beschließe, den Weg abzukürzen, da ich gerne noch etwas Sonne genießen würde. Ich laufe wieder querfeldein, wieder folge ich einem Tiertrampelpfad und wieder beneide ich diese Tiere um ihre vier Pfoten. Als dann Brombeersträucher auftauchen,bin ich dann doch ganz dankbar für meinen Zweibeingang und meine Schuhe.

Ich komme tatsächlich kurz vor Günterstal aus dem Wald und fast wie auf mich wartend steht dort eine Bank neben einer Quelle, die sanft vor sich hinplätschert. Ich setze mich und kurz darauf kommt ein Mann mit seinem Zwergschnauzermix, der auf den unglaublich passenden Namen Rasputin hört, vorbei und fragt mich, während ich ein paar Gedanken auf mein Papier notiere, ob ich einen Liebesbrief schreibe. Ich verneine und erzähle ihm kurz von den schönen Dingen, die ich gesehen habe und er erzählt etwas über Gelder, die die Stadt seiner Meinung nach für Radwege verschwendet. Nachdem er weiter gegangen ist denke ich, doch, ich schreibe einen Liebesbrief.

Einen Liebesbrief an die Natur.

Und an Wundermenschen.

Und an die Welt in uns.

To our inner world (A love letter)

My Sunday quite unexpectedly began at 5:55, when my alarm clock yanked me to the most beautiful dreams of dancing yesterday. Because of this, of course, was due to a misunderstanding due to not communicated collusion between clock and me, a complaint could be made here anyone, however, I could not sleep again and I just layd around, until a friend picked me two other friends up for a visit on the Schauinsland. We talked much, sat in the Sun and walked a bit around. I enjoyed our conversations and the closeness of much too rarely seen friends.

Later, I decided to tread the path to Freiburg on foot, instead of driving down again. I now would like to share with you exactly what I’ve experienced. And because I hope for you that you can really have a part, I switch now to the present tense :).

I say goodbye to the others. A. gives me money for the tram so I later won‘t have to walk an hour through the city. We hug each other, then they leave. I’m going to the guiding sign. Kybfels, 7.5 km. Sounds good, I think, and almost around the corner, and so I walk uphill through the snow in the indicated direction.

 

After about ten minutes, a further sign comes, which shows in the direction I come from. A new guidance is there. However, I prefer the way before me. Only snow and animal tracks, nothing human. I  shoot the last picture, then I say goodbye to the battery of my smartphone. Is there an official German word for it? Well, my all-rounder phone with GPS, compass, camera, Notepad and not to mention –  the telephone feature -, takes a break now and somehow I have a feeling that this is exactly what I just need.

Before me an infinite snow cover is lined with small FIR trees, hills, which are presumably fallen and covered up tree trunks and countless traces of Fox, Rabbit, and co., I follow the tracks that lead several times in the same direction and think to myself that somehow the animals know where to go. 

In between, then also after more traces emerge, more foxes, a squirrel, and deer. Some of the tracks cross the „main path“ and some lead in the district or wildly back and forth. Countless stories and I have to smile at the thought of the last weekend, as I was sitting there with 24 wonderful people and we told us half-true stories about tracks in the snow in our words and to the sound of the guitar we played Theatre, laughed and we just were ourselves.

I’m running further. In the meantime, the tracks get lost and I follow only a single one. I sink in partially to the waist into the snow and a little bit I regret that I only wear corduroy pants and hiking boots, the snow has already reached the inner part of my shoes but I think to myself that it is warm despite wet socks, as long as I am moving. I pass several rocks. It is breathtaking. I have a splendid view over the snow-covered landscape, not a soul far and wide. A few bird sounds and the gentle falling of snow of some overloaded firs and spruces are the only sounds now that reach my open ears. 

In the meantime, the sky has filled itself more and more with different Stratus – and Cumulus clouds which paint real artwork to the heaven, which constantly reinvents itself. No photo of this world could hold, what this moment means, I think, while this image is enshrined to me forever. 

 

Later, I make a short break and enjoy the tree-filled emptiness around me.

As I continue walking, a people track suddenly appears up seemingly out of nowhere in front of me, probably several days old, accompanied by a dog track. I let my imagination run wild and play with thoughts of a wandering free spirit (of course very attractive, however slightly cranky, with full hair and much beard ;)) accompanied by a wild, strong dog or even Wolf, I could meet here, and I smile at myself. I follow the trail and after some time it leads me to a high seat, at whose foot there are countless traces of wild boar. So a forester. With a dog. I loved my confused wild thought more than this reality. Well, I can continue imagination anytime.. That’s the beautiful part of the mind movies.

The way is divided according to the high seat. I just walk in one direction, stop and change than to the other direction. The inner compass somehow will work. Since I am in the middle of the forest, I have no opportunity to look down and see Freiburg and also animal tracks are no more good signs because I gradually leave the snowline above me. Just a little mud and a few deer tracks.  

 

A sound tears me from my thoughts. A sparrowhawk or a hawk female flies up from the thicket. Hawks are very rare to observe, it would be wonderful, of course, if I actually had this luck. Because I haven’t met a soul, so far, maybe not so unlikely, I think, and suddenly, after this thought,  I come to a path with a yellow diamond.

I reached it again, the edge of civilization. Funny, after last weekend I could imagine the idea to stay here in the Woods, without a functioning phone. We have slept outside at minus 8 degrees, naturally warmed by the previous fire and the Moonlight hike, with deep conversations, light listening and small, underlying teasing. Okay, I must admit, I must admit, that the warm sleeping bag and the tarp above B. and me have contributed also their part to thermal insulation, but now I have a mat and tea. And writing materials. 

That’s it then, but even better than nothing. And tomorrow, yes, work calls. 

The idea is still nice and invigorating, like the days with these great people in nature, and that is what counts in the end, not?.!.

I miss a crossroads, and I am going to take a detour. What a word. Detours are usually worth it, I think, and start to sing. „Spend your time, you’ll see where that leads …“ by Gisbert. Again, I have to smile. This time, I think of M., with his loving gaze, and W. with his angelic patience, as we were standing and singing with the cello, the guitars, and, most importantly, the rattle; So many dear people around me. So many pictures and feelings in me. And these are only the ones of the last one and a half weeks. Our inner world never ends.


Later. I hear the road coming closer and decide to shorten the path, as I would like to enjoy some sun. I walk again cross country, again I follow an animal trail and again I envy these animals for their four paws. Then blackberry shrubs appear and in turn,  I am very grateful for my two feet and my shoes.
I’m actually coming out of the forest just before Günterstal and it’s like almost waiting for me there is a bench next to a spring that gently slips away. I sit down and shortly thereafter a man with his little dog, who listens to the incredibly fitting name Rasputin, comes by and asks me, while I write a few thoughts on my
piece of paper, if I write a love letter. I deny and tell him briefly about the beautiful things I have seen and he tells me something about the money that the city wastes on bike paths. After he went on I think, it is true, I write a love letter.


A love letter to nature.
And to miracles.
And to the world in us.

 

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